oekolandbau.de - Das Informationsportal



Mehr Infos

Kontakt

06OE217
Prof. Dr. habil. Bernhard Hörning
Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)
Fachgebiet Ökologische Tierhaltung
Friedrich-Ebert-Straße 25
16225 Eberswalde
Tel. +49 3334 657109
Fax +49 3334 236316
Bernhard.Hoerning@hnee.de
externer Link folgtwww.hnee.de

07OE037
Prof. Dr. Ute Knierim
Universität Kassel
Fachgebiet Nutztierethologie und Tierhaltung
Nordbahnhofstraße 1a
37213 Witzenhausen
Tel. +49 5542 981647
Fax +49 5542 981646
knierim@wiz.uni-kassel.de
externer Link folgtwww.uni-kassel.de

Aus der Forschung: Eignung unterschiedlicher Masthähnchen-Herkünfte für die ökologische Haltung

 
Vertreter der geprüften Herkünfte
Verschiedene Mastgeflügelherkünfte: v.l. Cochin, Brahma, Kabir, Sasso.
Foto: FH Eberswalde

Welche Mastgeflügel-Herkünfte sollen Ökogeflügelmäster auf ihren Betrieben einsetzen? Die Ansprüche an die Tiere sind vielfältig: So sollen sie nicht nur gute Zunahmen und einen möglichst hohen Brustmuskelanteil aufweisen, sondern auch gesund und robust sowie mit den zugelassenen Futtermitteln bedarfsgerecht zu füttern sein.

Kurzfristig ist die ökologische Hühnermast auf die vorhandenen Herkünfte angewiesen. Die auf einseitige Höchstleistungen gezüchteten Masthybriden jedoch sind anfällig für Gesundheitsstörungen (insbesondere im Bereich des Bewegungsapparates) und sehr anspruchsvoll in der Fütterung. Die ökologischen Hühnermäster setzen zwar bereits langsamer wachsende Tiere ein. Dennoch wird derzeit die Frage diskutiert, welche Wachstumsgeschwindigkeit noch mit einer artgerechten Mast gesunder Tiere vereinbar ist. Die EG-Rechtsvorschriften zum ökologischen Landbau geben vor, dass in "ökologischer/ biologischer Haltungspraxis … Geflügel nicht zu schnell aufgezogen werden" und "in keinem Fall ein Anreiz für intensive Aufzuchtmethoden gegeben" sein sollte.

Zu alternativen Herkünften, wie langsam wachsenden Hybriden oder Rassegeflügel, gibt es insgesamt nur wenig Versuchsergebnisse. Dies trifft umso mehr auf Versuche unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus zu. Ein Forschungsvorhaben hat in zwei Teilprojekten (Stations- und Feldprüfung) unterschiedlich schnell wachsende Hähnchenherkünfte auf ihre Eignung für die ökologische Hühnermast geprüft.

Sieben Herkünfte aus vier Wachstumsintensitäten wurden dabei verglichen:

  • langsam (20 bis 25 Gramm tägliche Zunahme): Rassehühner Brahma und Cochin
  • mittel (30–35 g tgl. Zunahme): SA31 x X44 (Sasso), Labelle Rouge (Kabir)
  • mittelschnell (40–45 g tgl. Zunahme): Kosmos 22 bzw. 8 (Olandia), JA 757 (Hubbard)
  • schnell (50–55 g tgl. Zunahme): Ross 308 (nur Stationsprüfung)

Die Untersuchungen verfolgten die Fragestellungen:

  1. Wie unterscheiden sich die verschiedenen Mastherkünfte hinsichtlich der Tiergesundheit unter den Bedingungen der ökologischen Hühnermast?
  2. Inwieweit beeinflusst die tägliche Zunahme und das Gewicht der Tiere die verschiedenen Tiergesundheitsparameter?
  3. Welche der untersuchten Herkünfte eignet sich für die ökologische Hühnermast?

Stationsprüfung

Im Projekt "Eignung unterschiedlicher Herkünfte für die ökologische Haltung von Masthähnchen" (FKZ 06OE217) hat die Fachhochschule Eberswalde (Fachgebiet Ökologische Tierhaltung) bei einer Stationsprüfung in der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung e.V. (LVAT) in Brandenburg insgesamt ca. 1.500 Tiere in zwei Durchgängen bei einer Gruppengröße von rund 50 Tieren unter Bedingungen des Ökolandbaus gemästet (90 Prozent Biofutter, bewachsene Ausläufe). Die Tiere wurden wöchentlich gewogen und nach der Schlachtung die Anteile wertvoller Teilstücke ermittelt sowie die Organe untersucht. Um die Tiergerechtheit zu beurteilen, wurden Körperäußeres und Verhalten beobachtet. Die Auslaufnutzung wurde mit einem elektronischen System erfasst.

Die schnell wachsende Herkunft Ross 308 wies zwar die höchsten Mast- und Schlachtleistungen auf, erscheint den Forschern aber aufgrund der Probleme bei Tiergesundheit bzw. Tierverhalten für die Ökohaltung nicht geeignet. Zudem würden die Tiere bei dem nach EG-Öko-Rechtsvorschriften geltenden Mindestschlachter von 81 Tagen für schnell wachsende Tiere sehr hohe Gewichte erreichen, wodurch Gesundheitsprobleme und Verluste massiv zunähmen.

Die in der Wachstumsintensität nächste Herkunft, Hubbard JA 757, ist eine der am häufigsten eingesetzten Herkünfte in der ökologischen Hühnermast in Deutschland. Hubbard 757 schnitt bei den Mast- bzw. Schlachtleistungen am zweitbesten ab (tägliche Zunahmen, Futterverwertung, Ausschlachtung, Brustfleischanteil), jedoch auch in mehreren Parametern der Tiergerechtheit am zweitschlechtesten (z.B. Lauffähigkeit, Zustand Fußballen, Fersenhöcker). Daher stellen die Wissenschaftler in Frage, ob diese Herkunft für den Ökolandbau ein akzeptabler Kompromiss sein kann oder die Wachstumsintensität nicht schon zu hoch ist.

Vertreter der geprüften Herkünfte
Hubbard, Ross, Olandia
Foto: FH Eberswalde

Die Herkünfte mit mittleren Wachstumsintensitäten Kabir, Sasso, Olandia/Kosmos 8 halten die Forscher für besser geeignet für den ökologischen Landbau. Zwar liegen diese in den Mast- und Schlachtleistungen etwas niedriger als die häufig verwendeten Hubbard-Tiere, sind dafür aber in Bezug auf die Tiergerechtheit (Tierverhalten, Tiergesundheit) besser zu beurteilen. Kabir, Sasso und Olandia/Kosmos 8 lagen in den Mast- und Schlachtleistungen relativ ähnlich (tgl. Zunahmen 30–35 g, Verluste ca. 3–4 %, Futterverwertung ca. 1/2,5, Ausschlachtung 68–69 %, Brustanteil 18–19 %, Schenkelanteil 30–31 %). Auch bei Lauffähigkeit oder Gefiederzustand gab es wenig Unterschiede. Für ein Endgewicht von ca. 2,5 kg ist bei diesen Herkünften eine etwa zwei Wochen längere Mastdauer als bei Hubbard erforderlich (d.h. ca. 70 Tage). Dies würde bei einer Serviceperiode von jeweils ca. zwei Wochen etwa vier anstelle fünf Mastdurchgänge im Jahr bedeuten. Darüber hinaus müssten die Verbraucher ggf. von den weniger muskulösen Schlachtkörpern überzeugt werden.

Die Rassetiere Brahma und Cochin hatten mit Abstand die geringsten Mast- und Schlachtleistungen, obwohl es sich um schwere Hühnerrassen handelte, deren ausgewachsene Hähne 4–5 kg erreichen sollen. Im Verhalten waren sie am aktivsten; allerdings trat auch nur bei diesen Herkünften Federpicken und Kannibalismus in stärkerem Umfang auf. Eine Mast solcher Rassen wird nur mit deutlich höheren Erzeugerpreisen eine wirtschaftliche Alternative sein können. Ferner ist auf die sehr eingeschränkte Verfügbarkeit hinzuweisen, da die Hobbyzüchter nur kleine Bestände halten.

Feldprüfung

Im Projekt "Eignung unterschiedlicher Herkünfte für die ökologische Haltung von Masthähnchen - Feldprüfung" (FKZ 07OE037) haben Wissenschaftler der Universität Kassel vor allem Aspekte der Tiergesundheit und des Verhaltens bei den verschiedenen Masthühnerherkünften untersucht. Auf acht ökologischen Praxisbetrieben wurden in zwei Durchgängen insgesamt 5.721 Tiere in jeweils zwei bis vier Gruppen von 27 bis 565 Tieren gemästet. Die Haltungsbedingungen auf den verschiedenen Betriebsstandorten waren sehr heterogen: Festställe, zum Teil mit Unterteilungen, sowie verschiedene Formen von Mobilställen. Die Tiergesundheit und das Verhalten wurden am Ende der Mastperiode beurteilt (Furchtsamkeit gegenüber Umweltreizen und Menschen, Lauffähigkeit, Beinstellung, Verletzungen und andere Veränderungen der Haut einschließlich Fußballen, Fersenhöcker und Brust sowie Vollständigkeit und Sauberkeit des Gefieders).

Die Spannbreite der Verluste auf den Praxisbetrieben betrug 0 bis 10,7 % und lag im Durchschnitt mit 2,3 ± 2,6 % auf einem niedrigen Niveau. Die mittleren täglichen Zunahmen unterschieden sich deutlich zwischen den Herkünften: Hubbard: 40,6 ± 6,9 g; Olandia: 33,1 ± 5,6 g; Sasso: 31,0 ± 5,2 g; Kabir: 30,5 ± 5,7 g; Rassetiere: 18,3 ± 3,3 g. Bei der Beurteilung der Lauffähigkeit wurden auf den Praxisbetrieben im Mittel über alle Herkünfte und Betriebsstandorte weniger als 5 % lahme Tiere festgestellt. Veränderungen der Fußballen (47,7 %), Läsionen der Fersenhöcker (7,3 %), Verschmutzungen des Brustgefieders (67,5 %) und Läsionen der Brusthaut (7,5 %) wurden bei allen Herkünften außer den Rassetieren beobachtet. Auch Hautverletzungen kamen bei den Hybriden häufiger vor (37,8 %) als bei den Rassetieren (1,4 %). Bei Brahma sowie den Hybridherkünften waren häufig nackte Areale im Bereich der Brust zu beobachten (16,6 bis 77,3 %), während der Gefiederzustand von Nacken, Rücken und Schwanzregion meist gut war.

Hühnerkrallen von unter
Fußballenzustand, Note 0
Foto: Uni Kassel

Unter Einbeziehung der Daten des Projekts 06OE217 fanden die Forscher signifikante Herkunftsunterschiede. Sowohl in Anbetracht aller unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten als auch allein für die langsamer wachsenden Hybridtiere in der Praxis sei sehr deutlich geworden, dass sich ein langsameres Wachstum günstig auf fast alle Tiergesundheitsparameter auswirke: Die Rassetiere und die langsamer wachsenden Herkünfte wiesen meist niedrigere Schadenshäufigkeiten auf als die Herkunft Hubbard. Tiere der zusätzlich auf dem Versuchbetrieb gehaltenen schnellwüchsigen Herkunft Ross wiesen am häufigsten Schäden auf. Das Gewicht und die Brustbreite beeinflussten den Gesundheitszustand der Tiere ebenfalls negativ. In den Verhaltenstests hingegen wurden keine Unterschiede zwischen den Hybridherkünften in ihrer Furchtsamkeit gegenüber einem neuen Objekt oder einem Menschen beobachtet.

"Wir haben festgestellt, dass die Rassetiere und die langsamer wachsenden Herkünfte meist niedrigere Schadenshäufigkeiten aufwiesen als die Herkunft Hubbard, die derzeit vorwiegend auf ökologischen Betrieben gehalten wird. Die zusätzlich auf dem Versuchsbetrieb der Fachhochschule Eberswalde gehaltene Herkunft Ross wies meist nochmals weniger Tiere ohne Schäden auf. Diese Herkunft wird in konventionellen Betrieben eingesetzt und kommt für die ökologische Mast nicht in Frage. Es ist nachvollziehbar, dass in der Praxis aus ökonomischen Gründen die mittelschnell wachsende Herkunft Hubbard bevorzugt wird. Aber der Tierschutz muss ebenfalls im Auge behalten werden. Insbesondere auf Betrieben mit Direktvermarktung können die hier untersuchten langsamer wachsenden Hybridherkünfte eine überzeugende und interessante Alternative sein", sagt Studienleiterin Prof. Dr. Ute Knierim von der Universität Kassel.

Um der Forderung der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 (Durchführungsvorschriften zur neuen EG-Öko-Basisverordnung) nach einer Definition für „langsam wachsende Herkünfte“ nachzukommen, schlagen die Wissenschaftler eine Begrenzung der mittleren täglichen Zunahme und keine Festlegung auf bestimmte Herkünfte vor, denn diese könnte ihrer Meinung nach im Rahmen des Zuchtfortschrittes in Zukunft auch vermehrt Schäden an den Tieren bedeuten. Als Diskussionsgrundlage empfehlen sie die bisher schon in der Schweiz praktizierte Festlegung auf maximal 27,5 Gramm bzw. beim Demeter-Verband auf 35 Gramm tägliche Zunahme. Ebenso halten die Forscher eine Begrenzung des Mastendgewichtes für sinnvoll.

Letzte Aktualisierung: 27.04.2011

Seitenende