Das Verhalten der Puten
Die Puten leben wie Hühner im Herdenverband. Innerhalb der Herde gibt es Untergruppen. Die Bindung des Einzeltieres an die Gruppenmitglieder ist stark ausgeprägt. So wird ein Einzeltier niemals ohne weitere Gruppenmitglieder unbekanntes Terrain erkunden. Der Herdenverband ist wichtig für den Schutz in der Jungtieraufzucht.
Es besteht eine Rangordnung innerhalb der Herde; Rangauseinandersetzungen sind vornehmlich bei den Putern zu beobachten. Die Aggressivität zeigt zucht- und rassebedingte Unterschiede. Küken werden von den Alttieren geführt und wehrhaft verteidigt. Hierzu werden zunächst Warntöne abgegeben. Werden diese ignoriert reagieren die Alttiere mit Spreizen der Flügel und Aufstellen der Schwanzfedern. Danach folgt der Angriff mit Flügelschlagen, Anspringen und Hacken mit dem Schnabel.
Fortpflanzungsverhalten
Zum Paarungsablauf der Puten gehört das Aufrichten der Schwanzfedern (Radschlagen) als Imponiergehabe. Wenn sich die Henne für einen Puter entschieden hat, geht sie auf diesen zu, springt um ihn herum, schlägt mit den Flügeln und legt sich flach auf den Boden. Sodann nähert sich der Puter, springt auf und trampelt der Henne förmlich auf dem Rücken herum.
Puten sind dafür bekannt, dass sie sehr nesttreu und beständig bei der Brut sind. Das Gelege und später auch die Küken werden kämpferisch verteidigt.
Fortbewegungsverhalten
Die vorwiegende Fortbewegung der Puten ist ein Gehen während der Nahrungssuche. Bei der Flucht gehen die Bewegungen zu schnellem Laufen (bis ca. 25 km/h) über. Als Abschreckung kann Flügelschlagen und Flattern hinzukommen. Zur Überwindung von Hindernissen und bei der Flucht fliegen Puten. Das Aufbaumen ist ebenfalls mit Flugbewegungen verbunden.
Ruheverhalten
Tagsüber legen die Puten kurze Ruhephasen ein. Das Ruhen kann stehend auf den Beinen oder auf dem Brust- und Bauchbereich liegend ausgeführt werden. Mit Eintritt der Dämmerung suchen flugfähige Tiere erhöhte Sitzmöglichkeiten zum Aufbaumen auf. Kükenführende Puten suchen Schutz/Deckung und hudern ihre Küken bis diese ebenfalls in der Lage sind, Aufbaummöglichkeiten aufzusuchen. Tagsüber ist auch ein Dösen zu beobachten, bei dem die Tiere die Augenlider nur für kurze Zeit schließen.
Komfortverhalten
Die Gefiederpflege erfolgt durch Staub- und Sandbaden und anschließendem Ordnen mit dem Schnabel. Hierzu suchen die Tiere trockene Mulden auf und legen sich in eine Seitenlage. Danach wird mit Kopf und Füssen staubiges Material auf die Haut und in das Gefieder eingebracht. Durch kurzes Schlagen mit dem Flügel wird der Staub verteilt; die Prozedur wiederholt sich. Nach Wechsel der Seitenlage und Wiederholungen stehen die Tiere auf, gehen ein paar Schritte, winkeln die Flügel ab und schütteln sich.
Beim Sonnenbad legen sich die Tiere auf die Seite und spreizen Flügel und Füße leicht seitlich und verharren so einige Zeit in dieser Position.
Nahrungsaufnahmeverhalten
Während der Lichtphase sind die Puten mit der Nahrungssuche beschäftigt. Zur Nahrungsaufnahme laufen sie suchend umher. Die Nahrung wird dabei durch Picken, Scharren oder Zupfen untersucht, zerkleinert und aufgenommen. Informationen über die Beschaffenheit der Nahrungspartikel erhalten die Puten beim Aufschlag über die Nervenenden in den Schnabelspitzen. Das Trinkwasser wird durch Eintauchen des Schnabels in offenes Wasser und anschließendes Heben des Kopfes aufgenommen.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Ökologische Putenmast
In der ökologischen Putenmast ist bei der Rationsgestaltung mit ausschließlich ökologisch erzeugten Futterkomponenten insbesondere eine adäquate Aminosäurezusammensetzung der Futterration bzw. das Verhältnis von Energie zu essentiellen Aminosäuren schwierig. Wissenschaftler der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf untersuchten in einem BÖLN-Forschungsvorhaben, welche Futtermischungen für die ökologische Putenzucht besonders geeignet sind und welche Rolle dabei die Haltung spielt.
"Die Ergebnisse waren in ihrer Eindeutigkeit selbst für uns überraschend: Puten, die ins Freie konnten, waren im Vergleich zu Tieren ohne Auslauf vitaler und gesünder und haben deutlich mehr an Gewicht zugelegt - obwohl alle Tiere die gleiche Biofuttermischung bekamen. Damit konnten die Puten offenbar durch die zusätzliche Aufnahme von Gras, Klee, Würmern und Insekten die Nachteile der Biofuttermischung gegenüber konventionellem Futter, bei dem synthetische Aminosäuren erlaubt sind, weitgehend ausgleichen. Der Auslauf ist also nicht nur aus Gründen einer artgerechten Haltung sinnvoll, sondern auch, weil er die Mastleistung sowie den Schlachtkörperwert verbessert", sagt Projektleiter Gerhard Bellof vom Fachbereich Land- und Ernährungswirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan.
Näheres zum Projekt:
Ökologische Putenmast: Abstimmung von Genotyp, Haltung und Fütterung
Letzte Aktualisierung: 04.01.2012

