Kosten der ökologischen Mast von Wassergeflügel und Puten
Für die Einrichtung einer ökologischen Geflügelhaltung müssen die Bestimmungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau eingehalten und gegebenenfalls die Richtlinien des zugehörigen Anbauverbandes berücksichtigt werden.
Das bedeutet, dass in das Gebäude ausreichend Tageslicht einfallen und eine ausreichend große Grünauslauffläche unmittelbar angrenzen muss. Dieser Grünauslauf muss den Tieren altersgemäß und der Witterung entsprechend zugänglich sein. Wassergeflügel benötigt Bademöglichkeiten. In stationären Ställen dürfen pro Stalleinheit nicht mehr als 4.000 weibliche oder 3.200 männliche Enten, 2.500 Gänse oder Puten gehalten werden. Die Höchstgrenze bezüglich der Besatzdichte in der Geflügelmast liegt bei zehn Tieren, bzw. maximal 21 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter.
Kostensituation (EU-Bio)
Beim Kükeneinkauf ist zu berücksichtigen, dass die Tiere nach Möglichkeit von anerkannten ökologischen Betrieben stammen. In Ausnahmefällen ist der Zukauf von Tieren konventioneller Herkunft möglich, diese müssen jedoch spätestens mit dem dritten Lebenstag eingestallt werden.
Die Kosten für Eintagsküken staffeln sich in der Regel mit der Abnahmemenge. Bei größeren Mengen ist unter Umständen eine rechtzeitige Vorbestellung erforderlich. Bei Eintagsküken einer extensiven Herkunft aus konventioneller Elterntierhaltung beträgt der Anteil an den Gesamtkosten bei Enten etwa 15 bis 20 Prozent, bei Gänsen 25 Prozent und bei Puten zehn bis elf Prozent.
Die Futterkosten erreichen in der ökologischen Geflügelmast einen Anteil der Produktionskosten von etwa 45 bis 50 Prozent in der Entenmast, 25 bis 30 Prozent in der Gänsemast und 55 bis 60 Prozent in der Putenmast. Eine alters- und haltungsbedingte Anpassung der Fütterung ist ohnehin üblich. Futterverluste und Futterverwertung müssen besonders bei dem derzeitig hohen Futtermittelpreis beachtet werden. Der Zukauf von Starter- und Aufzuchtsfutter ist von lizensierten Herstellern zu beziehen und zu empfehlen; auch hierbei sind unter Umständen Abweichungen bzw. Bestimmungen des Anbauverbandes zu berücksichtigen. Beim Wassergeflügel, insbesondere bei Gänsen, werden die Futterkosten wesentlich durch die Qualität des Weidelandes (Pflanzenaufwuchs) und der Vegetationsdauer beeinflusst.
Die Stallplatzkosten können in Abhängigkeit von der Ausnutzung (Anzahl der Durchgänge pro Jahr) sehr unterschiedlich sein. Bei einem vorhandenen Altgebäude können sie für Wassergeflügel bei etwa fünf Prozent bzw. für Puten bei 15 Prozent und bei einem Neubau auch bei acht Prozent bzw. 25 Prozent der Produktionskosten liegen. Für künstliche Bademöglichkeiten fallen weitere Kosten an, ebenso wie für die Einrichtung eines überdachten Auslaufs sowie Sitzstangen für Puten.
Tierarztkosten fallen durch mögliche Behandlungen und Impfungen vornehmlich bei Puten an. Hier ist wichtig rechtzeitig einen Fachtierarzt zu konsultieren, da größere Verluste die Einkommenssituation schnell umkehren können.
Bei der Direktvermarktung fallen Kosten für die Schlachtung, Verpackung und Vermarktung bzw. den Transport an. Die Kosten hierfür sind nicht zu unterschätzen. Sie können leicht bei Wassergeflügel 25 Prozent bzw. bei Puten 45 Prozent der Produktionskosten erreichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Tiere im Rahmen der Ausnahmeregelung ganz und Puten auch als Hälften an den Endverbraucher abgegeben werden dürfen. Für den Verkauf von Teilstücken sind die Zerlegung von Fachpersonal und dafür geeignete Räumlichkeiten erforderlich. In diesem Zusammenhang sind auch die Kosten der Arbeitserledigung zu betrachten, da über die Bestandsbetreuung hinaus auch Zeit für die Vermarktung und Transporte benötigt wird.
Die durchschnittlichen Gesamtkosten pro Tier bei Direktvermarktung betragen zurzeit etwa zwölf Euro für eine bratfertige Ente (Pekingente), 45 bis 55 Euro für eine bratfertige Gans und 63 bis 65 Euro für eine bratfertige ganze Pute. Bei Lebendverkauf von Puten liegen die Gesamtkosten bei etwa 2,50 bis 3,00 Euro pro kg Lebendgewicht ab Hof bei der Vermarktung an den Großhandel.
Letzte Aktualisierung: 04.01.2012
