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Fortpflanzung

 
Kuh mit Kalb in einer Abkalbebucht,
Die Abkalbebucht sollte für Mensch und Tier genügend Platz bieten.
(c) BAT e.V.

Die Geschlechtsreife tritt bei weiblichen Rindern mit acht bis zehn und bei männlichen Rindern mit neun bis elf Monaten ein. Die Zuchtreife erreichen die weiblichen Tiere mit 18 bis 24 und die Bullen mit etwa 15 Monaten. Rinder tragen im Durchschnitt 280 Tage.

Ein wesentliches Merkmal des Sexualverhaltens ist das gegenseitige Bespringen von brünstigen Kühen. Dies ist eine wichtige und offensichtliche Information für den Bullen, aber auch für den Tierhalter.

  • 70 Prozent der aufspringenden Kühe und 90 Prozent der besprungenen Kühe sind brünstig (auch vom Brunststadium abhängig).
  • Ranghöhere Kühe bespringen öfter, wobei Nichtbrünstige vermehrt auf rangtiefere Brünstige aufspringen, während Brünstige vermehrt auf ranghöhere Nichtbrünstige aufreiten.
  • In der Hochbrunst werden Aufsprünge geduldet.
  • Anzahl des Bespringens während einer Brunst liegt bei fünfzig- bis sechzigmal, aber bei einem Viertel der Fälle sind es weniger als dreißigmal.

Geburtsverhalten der Kuh

  • Sechs Wochen vor der Geburt ist die Aggressivität stark vermindert. Es finden keine Auseinandersetzung mehr mit Herdenmitgliedern statt, die Kühe fressen alleine.
  • Zwei Wochen vor der Geburt ist bereits eine leicht beginnende Unruhe festzustellen, Auflockerung des Bindegewebes und der Beckenbänder (Erschlaffen 24 bis 48 Stunden vor der Geburt), Anschwellen des Euters und der Vulva.
  • Vor der Geburt sondert sich die Kuh von der Herde ab.
  • Zwei Drittel der Geburten fallen in die Nachtzeit.

Entwicklung des Kalbes

  • Nach der Geburt reißt die Nabelschnur und die Atmung setzt ein.
  • Durch Lecken der Kuh im Anogenitalbereich des Kalbes wird das Koten und Harnen gefördert.
  • Kälber stehen nach etwa 30 Minuten auf (Bullenkälber brauchen teilweise etwas länger).
  • Die Eutersuche erfolgt so lange, bis zufällig eine Zitze ins Maul genommen wird.
  • Rinder sind Ableger-Typen, das heißt die Kälber folgen nach der Geburt nicht der Mutter, sondern bleiben in der Regel abseits der Herde im Schutz des hohen Grases liegen. Ausnahmen sind möglich.
  • In den ersten Tagen erkunden die Kälber ihre Umgebung (Rennen mit wilden Bocksprüngen).
  • Anschluss an eine Jungtiergruppe erfolgt erst nach einigen Tagen.
  • Anfangs fallen die Kälber häufig in einen Tiefschlaf in absoluter Seitenlage.
  • Die Kälber liegen in den ersten fünf  Lebenswochen bis zu 90 Prozent der Zeit. In der 21-25. Lebenswoche liegen sie noch 70 bis 75 Prozent der Zeit.
  • Ab der zweiten Lebenswoche nehmen die Kälber Wasser- und vereinzelt Grünfutter auf.
  • Erst mit sechs bis sieben Monaten beginnen Rangkämpfe, aber ohne Ausbildung einer Rangordnung.
  • Nach acht bis zwölf  Monaten findet ein natürliches Absetzen statt (bei weiblichen Kälbern etwas früher).
  • Mit Ausbildung des Pansens ruhen die Kälber seltener in Seitenlage.

Zur Stalleinrichtung gehört die Abkalbebucht. Sie bietet der Kuh die notwendige Ruhe vor und bei der Geburt (kein Aufjagen durch andere Tiere) und fördert zudem die Konzentration der Kuh auf die Geburt und das Kalb. Sie sollte der Kuh genügend Platz zur Bewegung, ebenso für die Geburtshilfe bieten.

Anforderungen an eine Abkalbebucht

  • Ausreichendes Platzangebot (mindestens zwölf Quadratmeter pro Tier - günstig wären vier mal vier Meter; bei Gruppenabkalbung acht bis neun Quadratmeter pro Tier).
  • Box sollte sich in der Nähe der Herde befinden und Sichtkontakt zur Herde gewährleisten.
  • Der Boden sollte gut eingestreut sein.
  • Zugluft muss unbedingt vermieden werden.
  • Die Bucht sollte hell und gut zugänglich sein.
  • Ein Warm- und Kaltwasseranschluss sollte vorhanden sein.

Herdenmanagement: Nach Beginn der Geburt sollte kein Ortswechsel mehr erfolgen. Dadurch würde es zur unnötigen Beunruhigung der Kuh kommen und unter Umständen zu nachfolgender Wehenschwäche. Für gewöhnlich wird das Kalb schon recht früh vom Muttertier getrennt. Eine nicht sofortige Trennung des Kalbes von der Kuh hat aber gewisse Vorteile:

  • Belecken des Kalbes dient der Stimulation des Kalbes und der Kuh (weniger Nachgeburtsverhalten).
  • Optimale Kolostrumaufnahme und damit Nährstoffversorgung
  • Bessere Immunabwehr beim Kalb durch ausreichende Kolostrumaufnahme
  • Förderung der Kuh-Kalb-Beziehung

Letzte Aktualisierung: 01.02.2010

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