oekolandbau.de - Das Informationsportal


Komfort

 
Trauf-First-Lüftung in einem Milchviehstall
Trauf-First-Lüftung im Milchviehstall
(c) Menke

Zum Funktionskreis Komfort sind die eigene (solitäre) Körperpflege und die Bedeutung des Klimas bzw. der Witterung für das Wohlbefinden der Rinder zu zählen.

Rinder sind in der Lage durch eigene Körperpflege in einem gewissen Rahmen für ihr eigenes Wohlbefinden zu sorgen. Die Körperpflege dient der Reinigung von Verschmutzungen und dem Schutz vor Ektoparasiten und Fliegen. Rinder kratzen sich mit den Hörnern oder Hinterklauen, reiben sich an den Hinterschenkeln von Artgenossen und an Gegenständen, räkeln oder belecken sich. Die Abwehr von Ektoparasiten und Fliegen erfolgt beispielsweise durch Schwanzschlagen, Hinterbeinschlagen, Ohrenspiel und Kopfschütteln.

Aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit an klimatische Bedingungen fühlen sich Rinder in allen Klimaregionen der Erde wohl. Ihre Reaktionen auf unterschiedliche Witterungsbedingungen werden insbesondere bei heißem Klima deutlich. So werden beispielsweise die Zeiten des Grasens verkürzt und auf den frühen Morgen oder späten Abend verlegt, oder der Individualabstand voneinander vergrößert. 

Hinweis und Empfehlung: Scheuereinrichtungen und Einrichtungen zur Steuerung des Stallklimas fördern den Komfort der Rinder.

Scheuereinrichtungen

Scheuereinrichtungen werden von Rindern gern angenommen und fördern das Wohlbefinden der Tiere erheblich. Scheuerbürsten werden als Ein- oder Zweibürstengeräte angeboten oder in Eigenleistung (beispielsweise mit Autoreifen, Achsfeder) erstellt. Die Bürsten sollten mit einer Federung und automatische Bürsten mit einer Überlastsicherung versehen sein.

Nutzung der Scheuereinrichtungen

  • Tiere nutzen die Bürsten insbesondere nach dem Melken und in den späten Abendstunden.
  • Durchschnittliche Nutzung liegt bei drei- bis sechsmal pro Tag.
  • Rangniedere Tiere nutzen die Bürsten vermehrt außerhalb der Hauptnutzphasen.
  • Bei automatischen Bürsten werden hauptsächlich der Kopf (55 Prozent) und der Rücken (37 Prozent) geputzt.

Stallklima

Maßgeblich für das Wohlbefinden der Tiere ist außerdem das Stallklima. Es wird durch die Lüftung, die Lichtverhältnisse und den Lärmpegel im Stall bestimmt.

Aufgabe der Lüftung ist es, verbrauchte und mit Schadgasen angereicherte Luft zugluftfrei aus dem Stall zu entfernen. Die Lüftung von Laufställen erfolgt normalerweise über Trauf-First-Lüftung, Querlüftung oder mittels diffuser Lüftung über Spaceboard oder Windschutznetze. Eine wirksame Lüftung ist durch ausreichende Luftraten gekennzeichnet, die allerdings nicht zu Zugluft im Aufenthaltsbereich der Tiere führen darf.

Hinweise zur Lüftung

  • Geschlossene Kaltställe puffern die extremen Lufttemperaturen wesentlich besser ab als Offenfrontställe.
  • Das benötigte Stallvolumenpro Kuh liegt bei 40 Kubikmeter.
  • Im Sommer sind 60 bis 100 und im Winter vier Luftwechsel pro Stunde anzustreben.
  • Gut belüftete Liegeboxen werden mehr genutzt als weniger gut belüftete, aber Durchzug ist zu vermeiden.

Offenstallbauweisen können sich im Sommer erheblich aufheizen (bis 60 Grad Celsius. Luftraten von 300 bis 1.700 Kubikmeter pro Kuh sind dann notwendig), so dass der Einsatz von Ventilatoren notwendig ist.

Tageslicht hat wesentliche physiologische (Infrarot-Strahlung, Tag-Nacht-Rhythmus, Stimulierung der Geschlechtsdrüsen, Vitamin-D-Bildung) und damit gesundheitsfördernde Funktionen für das Rind. So kann unter anderem die Fruchtbarkeit verbessert und die Milchleistung erhöht werden (um acht Prozent bei mehr als 16 Stunden im Vergleich zu weniger als 13,5 Stunden Licht pro Tag). Um die Sonneneinstrahlung zu maximieren, stellen sich Rinder in der kühleren Jahreszeit quer zur Sonne.

  • Sonnenschutzmöglichkeit sollte vorhanden sein
  • Süd-Ost-Ausrichtung des Auslaufs gewährt den Tieren einen notwendigen Windschutz sowie eine Sonneneinstrahlung auch im Winter
  • Fensterflächen sollten mindestens zehn Prozent der Stallfläche betragen 

Auf Lärm reagieren Rinder empfindlich. Er kann zu einer unnötigen Belastung der Tiere führen. Laute Motoren im Stall sollten deshalb mit einem Schallgehäuse abgedämmt werden.

Zur Verringerung der Staubbelastung und des Endotoxingehalts in der Luft durch die Einstreu könnte diese vor oder während des Einstreuens mit Wasser benetzt werden (Verminderung des Staub- und Endotoxingehaltes in der Luft von 75 Prozent bzw. 99 Prozent).

Letzte Aktualisierung: 04.01.2012

Seitenende