Sonstige Funktionskreise
Weitere Funktionskreise des Rindes sind das Ausscheidungs-, Erkundungs-, Ausdrucks- und Spielverhalten.
Ausscheidung
Rinder zeigen beim Koten und Harnen keine besonderen Strategien. Es erfolgt ungerichtet an jedem Ort. Hierbei werden der Schwanz gehoben, der Rücken gekrümmt und die Hinterbeine leicht gegrätscht.
- 40 bis 60 Prozent der aufgenommenen Futtermenge wird als Kot ausgeschieden.
- Rinder koten etwa acht- bis zwölfmal pro Tag, uriniert wird seltener.
- Der auf der Weide wegen Verkotung gemiedene Bereich ist etwa sechsmal größer als die eigentliche Fläche, die mit Kot bedeckt ist (Geruch).
- Uriniertes Gras wird bevorzugt gefressen (evtl. wegen des Salzgehaltes).
Erkundung
Neugierde ist ein wesentliches Element im Lernprozess von Rindern. Dementsprechend zeigen insbesondere Jungtiere Interesse an unbekannten Objekten etc. Kühe sind neugierig, um sich neuen Gegebenheiten anpassen zu können.
Die Annäherung an etwas Unbekanntes erfolgt bei Rindern, indem sich das Tier mit gesenktem, vorgestrecktem Kopf auf fünf bis zwei Meter nähert. Es steht langgestreckt da. Die Hintergliedmaßen weit zurückhaltend geht es nur langsam und vorsichtig vorwärts. Dabei wird teilweise geschnaubt und das Unbekannte von weitem geruchlich geprüft.
Stehen mehrere Tiere zusammen, nähern sie sich dem Unbekannten gemeinsam. Bei Erreichen des Gegenstandes wird dieser beschnaubt, beleckt und eventuell ins Maul genommen und gefressen, oder es wird damit gespielt. Die Dauer der Annäherung liegt zwischen mehreren Sekunden und einigen Minuten.
Ausdruck
Der Ausdruck innerkörperlicher Zustände ist nicht nur für die Artgenossen, sondern auch für den Tierhalter von großer Bedeutung. Allerdings ist die Mimik bei Rindern aufgrund fehlender Muskeln weniger ausgeprägt.
Der Ausdruck erfolgt über die Augen, die Ohren und die Körperhaltung. Das Ausdrucksverhalten spielt insbesondere im Zusammenhang mit dem Sozial-, Aufzucht- und Sexualverhalten eine Rolle.
Anzeichen für Unbehagen, Schmerz, Angst und Krankheiten bei Rindern
Anzeichen für Unbehagen
- schlaffe Hals-Kopf-Haltung
- Muskelverspannungen
- verkrümmter Rücken
- matte Augen
Anzeichen für Schmerz
- verdrehte Augen
- starre und gesenkte Kopfhaltung
- angespannter Rücken
- Schonung von Extremitäten
- Meidung unnötiger Bewegungen
- Ohren halb zurückgestellt und wenig bewegt
Anzeichen für Angst
- Fluchtansätze
- defensive Abwehrbewegungen
- vermehrtes kurzes Koten in untypischer Haltung
Anzeichen für Krankheiten
- eingefallene Augen bei Kälbern (Hinweis auf Dehydrierung)
- verminderte Aufmerksamkeit und Beteiligung am Umweltgeschehen
- verminderte Fresslust bezüglich Quantität und Intensität
- fehlende Aktivität im sozialen Herdengeschehen
Letzte Aktualisierung: 05.01.2012

