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Verhaltensstörungen

 
Besaugen bei Bullenkälbern. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Besaugen tritt bei Kälbern häufig auf.
(c) BAT e.V.

Die Anpassungsfähigkeit von Rindern ist erheblich. Allerdings kann es bei ungenügenden Umgebungsverhältnissen zu einer Überforderung der Anpassungsfähigkeit und somit zu Verhaltensstörungen kommen.

Stereotypien sind Verhaltensweisen ohne erkennbare Funktion, die in keinem direktem Zusammenhang mit der aktuellen Situation stehen und sehr viel häufiger ausgeführt werden als normal. Sie resultieren aus Konfliktsituationen. Typische Stereotypien bei Rindern sind das Zungenrollen und Zungenschlagen, welche eng mit dem Nahrungsaufnahmeverhalten in Verbindung stehen:

  • Entsprechen dem Scheinabreißen von Gras, wobei allerdings der Kopf erhoben ist.
  • Treten insbesondere bei künstlich aufgezogenen Kälbern mit geringem Rohfaseranteil in der Futterration auf (normalerweise 30- bis 40.000 Bisse pro Tag)
  • Treten bei etwa zehn bis 30 Prozent der Aufzuchtrinder auf (stark rasseabhängig).
  • Zungenrollen bzw. Zungenschlagen treten mit einer Häufigkeit von zwei bis fünf Prozent der Tageszeit auf.

Besaugen

Eine weitere Verhaltensstörung ist das gegenseitige Besaugen. Hierbei werden Ohren, Nase und vor allem Euteranlage, Nabel und Scrotum von Artgenossen besaugt. Auch dieses Verhalten steht im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme. Es tritt bei der Mutterkuhhaltung für gewöhnlich nicht auf, da hier das Saugbedürfnis befriedigt ist.

Bei der künstlichen Tränke von Kälbern (Eimer und Automat) ist der Tränkakt nur von kurzer Dauer und bei der Kraftfutterfütterung von Jungvieh nimmt die Zeit für die Futteraufnahme von sechs Stunden mit fünf Lebensmonaten auf vier Stunden mit zwölf Lebensmonaten ab. Dementsprechend nimmt das Belecken, Beknabbern von Stalleinrichtungen und das gegenseitige Besaugen zu. Rinder im ersten Lebensjahr sollten daher auf jeden Fall ad Libitum Zugang zu Raufutter haben. Bei Hochleistungskühen ist das gegenseitige Besaugen besonders zwei bis vier Stunden nach der Fütterung zu beobachten. Es bestehen genetische Einflüsse. So zeigt Fleckvieh besonders oft gegenseitiges Besaugen. Risikofaktoren des gegenseitigen Besaugens bei Aufzuchtrindern und Milchkühen sind:

  • Kälber ohne Außenkontakt oder Weide. 
  • Kälber mit hoher Saugaktivität an anderen Kälbern vor dem Absetzen. 
  • Geringerer Einkreuzungsanteil milchleistungsbetonter Rassen (Holstein Friesian, Red Holstein und Brown Swiss).
  • Energiedefizite und nicht ausreichende Versorgung mit Raufutter in der Entwöhnungsphase.

Maßnahmen, die einem gegenseitigen Besaugen vorbeugen:

  • Erhöhung des Saugwiderstandes durch kleinere Öffnung des Saugnuckels.
  • Erhöhung der Häufigkeit der Saugakte.
  • Gumminuckel in 50 bis 70 cm über Standplatzniveau mit Stoßzone.
  • Frühzeitiges Zufüttern von Raufutter.
  • Optimale Umwelt (hell, luftig, keine Zugluft, trockene, saubere Einstreu, schattig im Sommer).
  • Einsperrzeit nach dem Tränken (allerdings maximal 15 Minuten).
  • Verschließbarer Tränkestand (längeres Saugen auch wenn keine Milch mehr kommt).
  • Automaten mit geschlossenen Fressständen (Kälber verbleiben dort, bis Saugtrieb befriedigt ist).
  • Frisches Grundfutter und mehliges Kraftfutter.
  • Beschäftigungsmaterial im Stall (z.B. Einstreu).
  • Kälber sollten die Möglichkeit zu Auslauf und Außenkontakt haben.
  • Absetzen sollte erst erfolgen, wenn Kälber ausreichend Grund- und Kraftfutter aufnehmen.
  • Besonders während des Absetzens muss sichergestellt sein, dass der Energiebedarf gedeckt ist, dabei sollte als Energiefuttermittel Kraftfutter gegenüber Maissilage bevorzugt werden.
  • Rinder mit hoher Besaugaktivität sollten möglichst früh identifiziert werden.

Verletzungsträchtiges Verhalten

  • Aufreiten bei Bullen.
  • Pferdeartiges Sitzen und Aufstehen deuten auf falsch dimensionierte Liegeboxen hin.
  •  Durch Selbstbelecken entstehen Haarballen im Pansen. 

Letzte Aktualisierung: 05.01.2012

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