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Durchfall beim Kalb

 
Kälber in Iglus #(c) FiBL
Einzelauftstallung der Kälber in Iglus vermindert die Ansteckungsgefahr.

Infektiöse Magen-Darm-Erkrankungen, die mit Durchfall einhergehen, sind die Hauptursache für Kälberverluste in den ersten beiden Lebenswochen. Diese Erkrankungen verursachen somit auch erhebliche wirtschaftliche Schäden.

Oft wird in der konventionellen Landwirtschaft versucht, Magen-Darm-Erkrankungen durch vorbeugende Gaben von Antibiotika zu verhindern oder zu begrenzen. Das routinemäßige Verabreichen von Antibiotika bewirkt jedoch einen Anstieg von Resistenzen, der auch humanmedizinisch bedeutsam sein kann: Resistente Bakterien können über die Umwelt und die Lebensmittel den Menschen erreichen. Im Falle einer Erkrankung (beispielsweise durch Salmonellen) können die dann eingesetzten Antibiotika beim Menschen unwirksam sein.

Beim Kalb kann die Gabe von Antibiotika den Krankheitsverlauf sogar verschlimmern und die Sterblichkeitsrate erhöhen, indem das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bakterienarten im Darm, von denen nur ein kleiner Teil krankheitserregend ist, gestört wird. Auch eine direkte Schädigung der Darmwand ist durch Antibiotika möglich. Zusätzlich kann es zu einer verstärkten Toxinfreisetzung aus Bakterien kommen.

Krankheitsursachen

Grundsätzlich sollte bei Durchfällen als Bestandsproblem geklärt werden, welche Erreger verantwortlich sind. Meist handelt es sich um ein Zusammenspiel von Viren, Bakterien und Parasiten. 

Insbesondere sind folgende Ursachen für eine Erkrankung verantwortlich:

  • Keine ausreichende Versorgung mit Biestmilch oder unzureichender Gehalt an Immunglobulinen in der Biestmilch
  • Falsche Tränketemperatur (< 34 °C, > 40 °C) bzw. zu langes Anbieten der Tränke trotz fehlenden Appetits
  • Unzureichende Tränkehygiene, besonders des Tränkenippels
  • Bei Kalttränke Klumpenbildung und/ oder falsche Zusammensetzung des Austauschers
  • "Besaugen" der Kälbern untereinander und an Geräten oder Stallteilen
  • Hoher Fliegenbesatz im Stall
  • Futter- und Tränkeumstellung, dadurch Tränkeverweigerung

Die Faktoren sind miteinander vernetzt und bedingen einander teilweise. Die Tiere müssen ein hohes Maß an Regulations- und Abwehrmaßnahmen aufbringen, um unter Einwirkung dieser Faktoren gesund zu bleiben. Um Krankheitssymptome zu erzeugen, sind dann schon kleine Störungen von außen oder innen ausreichend. Hierzu zählen insbesondere mangelhafte Hygiene (zum Beispiel bei gehäuften Kälbergeburten), Tiertransporte (Stress und Kontakt zu anderen Krankheits-Erregern) oder Änderungen der Herdenzusammensetzung.

Durchfallerkrankungen vorbeugen

Die Förderung der Kälbergesundheit beginnt mit einer sorgfältigen, ausgewogenen Fütterung der hochtragenden Kuh. Abweichungen in der Energieversorgung der hochtragenden Kuh können zu erhöhter Kälbersterblichkeit führen. Beta-Karotinmangel kann Durchfallerkrankungen der neugeborenen Kälber zur Folge haben.

Folgende Maßnahmen beugen dem Kälberdurchfall vor:

  • Muttertierimpfung (Rota- und Corona-Viren, Coli-Bakterein).
  • Aufstallung in Einzelhütten im Freien, trocken und zugfrei (häufiger Platzwechsel).
  • Ein neugeborenes Kalb sollte innerhalb der ersten12 Stunden 4 Liter Kolostrum bekommen, davon 2 Liter in den ersten beiden Stunden nach der Geburt.
  • Zutränkung von Erstgemelkskolostrum vom vierten bis zum 14. Lebenstag, 0,5 Liter täglich (von älteren Kühen, in Portionen einfrieren, bei 37 Grad auftauen).
  • Keine Milch von Kühen geben, die mit Antibiotika behandelt wurden
  • Keine Milch von euterkranken Kühen geben.
  • Sauermilchtränke (Biestmilch und Vollmilch), pH-Wert < 4,5 (40 ml 8,5-prozentige Ameisensäure je Kilogramm Biestmilch).

In Mutterkuhherden zusätzlich:

  • Getrennte Abkalbeplätze für Erstkalbende (Unterbrechung von Infektketten)
  • Erkrankte Kälber mit den Müttern isolieren (Verringerung der Erreger-Ausbreitung)

Behandlung

Die wichtigste Maßnahme zu Beginn jeder Durchfall-Therapie ist die Regulierung des Wasserhaushaltes durch Zufuhr von Flüssigkeit, sowie der Ersatz der ausgeschiedenen Salze durch Elektrolyte. Die Elektrolyttränke unterdrückt den Durchfall an sich nicht, denn Durchfall ist eine Abwehrmaßnahme des Tieres zur Ausscheidung von Krankheitserregern und Giftstoffen.

Es empfiehlt sich, dreimal täglich 1,5 bis zwei Liter Vollmilch und dazwischen dreimal täglich ein bis zwei Liter Elektrolyt-Lösung zu geben. Dabei wird die Zwischentränke im Anschluss an die Vollmilchtränke zur freien Aufnahme bereitgestellt. Die Vollmilchtränke sollte also nicht abgesetzt werden. Dies hat den Vorteil, dass die Nährstoffaufnahme durch die Vollmilch weiterhin gewährleistet wird, die Tiere also nicht auch noch hungern. Damit kann einem Kalb bis zu zwölf Liter Flüssigkeit zugeführt werden. Ein leicht ausgetrocknetes Kalb mit mäßigem Durchfall braucht etwa acht bis neun Liter Flüssigkeit pro Tag!

Durchfall verschwindet meist nicht von einem Tag zum anderen, sondern kann unter Umständen über mehrere Tage bestehen bleiben.

Letzte Aktualisierung: 05.01.2012

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