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Heu versus Grassilage

 
verschiedene Heuschnitte in Körben
Nur beste Heuqualitäten bringen gute Grundfutterleistungen.
(c) C. Trütken

Die Verfütterung von Heu im Milchviehbetrieb hat in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung verloren. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht scheint Silage unter Vollkostenrechnung günstiger als Heu zu sein. Das Silieren stellt geringere Ansprüche an die Arbeitswirtschaft und an die Zahl zusammenhängender Schönwettertage. Auch ist die Meinung, dass Heu das qualitativ schlechtere Grundfuttermittel sei, weit verbreitet.

Allgemein ist die Heutrocknung in Biobetrieben noch stärker verbreitet als in konventionellen. Nennenswerte Heuproduktion innerhalb von Deutschland gibt es nur noch in überwiegend kleinen Betrieben in süddeutschen Mittelgebirgslagen, im Voralpenland und im Alpengebiet. In allen anderen Regionen dient Heu nur noch als notwendiges Strukturfutter und wird deshalb auch oft durch Stroh ersetzt.

Gute Emmentaler-Betriebe (die keine Silage verfüttern dürfen) zeigen jedoch, dass ein gutes Unterdachtrocknungsheu im Vergleich zur Grassilage qualitativ mindestens genauso gut ist - auch wenn das Heu in den Standard-Futtermitteluntersuchungen in Bezug auf Energie und Eiweiß schlechter abschneidet.

Bröckelverluste in der Heuwerbung führen zwar zu geringfügig niedrigeren Rohprotein- und Energiegehalten, allerdings wird beim Heu durch einen höheren Anteil an geschütztem Eiweiß (UDP = undigestible protein) deutlich weniger Energie zur Rohproteinverdauung benötigt als bei der Grassilage. Folglich enthält Unterdachtrocknungsheu, welches zum gleichen Zeitpunkt wie Grassilage geerntet wird, deutlich mehr nutzbares Rohprotein (nXP = Mikrobenprotein + UDP).

Nährstoffgehalte in Unterdachtrocknungsheu und Grassilage

 Futtermittel

TS (g/ kg FS)

XF (g/ kg TS

XP (g/ kg TS

nXP (g/ kg TS

RNB (g N/ kg TS

Energie MJ NEL/ kg TS

UDP (%)

Quelle: C. Trütken, Bioland-Erzeugerring Bayern e.V.

Heu (1. Schnitt,
Mitte Mai)

900

250

140

149

-1,5

6,2

35

Silage
(1. Schnitt,
Mitte Mai)

469

240

150

140

1,7

6,4

15


Das insgesamt für die Kuh im Dünndarm nutzbare Rohprotein ist der limitierende Faktor für die Milchbildung. Deshalb wird in der praxisüblichen Fütterung das Rohprotein (XP) meist in einem deutlichen Überschuss gefüttert: Die Ruminale Stickstoff-Bilanz (RNB = (XP - nXP) : 6,25) sollte größer als 0 sein. 

Wie aber wirken sich deutlich negative RNB-Werte aus? Bei Untersuchungen der Lehr- und Versuchsanstalt in Aulendorf wurde festgestellt, dass RNB-Werte von - 47 keine nachteilige Wirkung auf die Milchleistung hatten, der Eiweißgehalt stieg sogar leicht an. Die Kuh hat offenbar die Möglichkeit, über den ruminohepatischen Kreislauf Stickstoff (in diesem Fall Harnstoff) zu recyceln, sofern es sich um eine "wiederkau-freudige" Ration handelt. Durch Heu wird die Wiederkautätigkeit deutlich stärker als durch Grassilage angeregt. Das Rohprotein kann dadurch beim Heu besser verwertet werden als bei der Grassilage.

So verwundert es nicht, dass in vielen Emmentaler-Betrieben Milchleistungen von über 6.000 Kilogramm und in Spitzenbetrieben sogar von über 7.000 Kilogramm aus dem Grundfutter erreicht werden. Auch die Tiergesundheit ist im Durchschnitt der Emmentaler-Betriebe deutlich besser als in "Silo-Betrieben", was wohl an der negativen RNB liegt, bei der Stickstoffüberschüsse nicht über die Leber entgiftet werden müssen.

Vor- und Nachteile von Unterdachtrocknungsheu gegenüber Grassilage:

  • große Vorteile
    • UDP-Werte
    • Investitionsbedarf Fütterung
  • geringe Vorteile
    • nutzbares Rohprotein
    • Strukturwert
    • Investitionsbedarf Futterernte
    • Flexibilität beim Verfüttern
  • geringe Nachteile
    • Rohprotein-Verluste
    • NEL-Verluste
    • Wetterrisiko
  • große Nachteile
    • Schlagkraft in der Ernte
    • Investitionsbedarf Lagerung

Literatur

  •  Trütken, Christoph (2003): Tabellen aus dem Vortrag zum Bioland-Grünland-Tag am 13.06.2003 im Allgäu, Bioland-Regionalstelle Allgäu
  • Trütken, Christoph (2003): Viel Milch aus dem Grundfutter. In: bio-land - Fachzeitschrift für den Ökologischen Landbau, S.14f, Nr.2, 2003

Letzte Aktualisierung: 05.01.2012

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