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Milchviehrationen aus 100 Prozent Biofutter

 

Seit dem 1. Januar 2008 dürfen laut den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau nur noch ökologische Futtermittel eingesetzt werden. Der Verzicht auf konventionelle Eiweißträger (u.a. Biertreber, Soja) bedeutet hohe Anforderungen an das Fütterungsmanagement.

Hohe Milchleistungen gesunder Tiere können im ökologischen Landbau jedoch auch mit Erbsen und Ackerbohnen erreicht werden. Wie dies aussehen kann, zeigen die folgenden Rationen.

Leistungsparameter für verschiedene Leistungsstufen

 Parameter

Grünland-
Betrieb 1

Grünland-Betrieb 2

Gemischt- Betrieb

Quelle: Sixt, 2003

Tagesgemelk (kg)

20

28

33

Lebendgewicht (kg)

630

630

650

Fett (%)

4,10

4,10

4,10

Eiweiß (%)

3,40

3,30

3,20

Futtermittel für verschiedene Leistungsstufen

Quelle: Sixt, 2003

Futtermittel (kg FM)

Grünland- Betrieb 1

Grünland- Betrieb 2

Gemischt- Betrieb

Grassilage 1. Schnitt

36,0

37,0

25,0

Heu (bessere Qualität)

2,0

1,50

1,50

Maissilage

-

-

15,0

Triticale

1,5

3,5

2,0

Ackerbohnen

-

2,5

3,0

Grascobs

-

-

3,0

Kennwerte für verschiedene Leistungsstufen

Kennwert

Grünland- Betrieb 1

Grünland- Betrieb 2

Gemischt- Betrieb

(*TS-Aufnahme über Sollwert), Quelle: Sixt, 2003

TS-Aufnahme (kg)

 15,7 

19,6

21,9

TS-Korrektur (kg)*

-

1,0

2,5

Milch (kg) nach NEL

19,9

30,6

34,8

Milch (kg) nach nXP

19,7

28,5

33,7

Milch (kg) aus Grundfutter

16,3

16,2

17,6

MJ NEL je kg TS

6,3

6,8

6,7

nXP je kg TS

136,0

143,3

143,9

RNB (g)

40

64

41

Qualität der eingesetzten Biofuttermittel (pro kg Futtermittel)

Futtermittel

TS-Gehalt (g)

Energie (MJ NEL)

XP (g)

nXP (g)

RNB (g)

Grassilage 1. Schnitt

350

6,2

160

137

3,5

Heu (bessere Qualität)

880

5,7

140

125

2,5

Maissilage

320

6,5

86

131

-7,2

Triticale

880

8,5

100

140

-6,4

Ackerbohnen

880

8,6

298

195

17,0

Grascobs

880

6,2

175

150

4,0

Quelle: SIXT, 2003, nach DLG-Futterwert-Tabellen von 1997

Der im Rationsbeispiel für die Grassilage angesetzte Rohprotein-Gehalt von 160 Gramm ist ein Mittelwert, den Ökograssilagen vom ersten Schnitt im Mittel der Jahre erreichen. Der RNB-Wert von 3,5 ist für den ersten Schnitt eher hoch. 

Ration "Grünlandbetrieb 1"

Die Grundration (Grünlandbetrieb 1 mit 20 kg Tagesgemelk) wird mit 1,5 Kilogramm Triticale (oder einem anderen Getreide) ausgeglichen. Durch den Getreideausgleich der Grundration ergibt sich ein RNB-Wert von 40, der damit innerhalb der Toleranzgrenzen (< 50, kurzfristig bis maximal 100) liegt.

Ration "Grünlandbetrieb 2"

Etwas anders sieht es für den Grünlandbetrieb 2 mit 28 Kilogramm Tagesgemelk aus. Begrenzender Faktor für die Milchleistung ist der Gehalt an nutzbarem Rohprotein (nXP). Der Milcherwartungswert nach nXP ist bei allen drei Rationen geringer als der Milcherwartungswert nach Netto Energie Laktation (NEL). Deshalb wurden in dieser Ration Ackerbohnen eingesetzt, um für ausreichend Eiweiß zu sorgen. Dadurch erhöht sich der RNB-Wert auf 64 und liegt damit etwas außerhalb des gewünschten Bereiches. Ein Eiweißüberschuss und dessen negative Folgen sind dabei noch nicht zu erwarten.

Ration "Gemischtbetrieb"

Wer über Futtermittel mit pansenstabilem Eiweiß verfügt, beispielsweise Grascobs, kann diese Situation weiter entschärfen. Dies zeigt sich besonders in der Ration des Gemischtbetriebes mit einem Tagesgemelk von 33 Kilogramm, wo zusätzlich noch Mais zur Verfügung steht.

Wichtigste Voraussetzung für das Gelingen einer Ration ist die Futteraufnahme. Fressen die Kühe die angegebenen Mengen, können die genannten Leistungen aus der Ration erzeugt werden. Die Futteraufnahmen in den Beispielen liegen bei den höheren Leistungen bereits über dem Sollwert. Ökokühe beweisen aber immer wieder, zu welch hohen Futteraufnahmen sie fähig sind. Wer sorgfältig und mehrmals am Tag Futter vorlegt, erhöht die Trockensubstanzaufnahme und kann dadurch Kraftfutter einsparen.

Frisst die Kuh weniger oder gibt sie mehr Milch, werden fehlende Energie oder fehlendes Eiweiß aus der Körpersubstanz eingeschmolzen. So lange dies im Rahmen bleibt, ist das natürlich und notwendig. Wird zuviel Körpersubstanz abgebaut, besteht die Gefahr einer Ketose und die Kuh wird noch weniger fressen.

Fazit

Die Fütterung auf gesunde und hohe Leistungen im Ökobetrieb mit 100 Prozent Biofutter ist anspruchsvoll. Limitierend für die Milchleistung frischlaktierender Kühe sind die Gehalte an nutzbarem und pansenstabilem Eiweiß. Für die Ergänzung der Ration mit den passenden Eiweißfuttermitteln aus ökologischer Produktion ist die genaue Kenntnis der Inhaltsstoffe der Graskonserven notwendig, weshalb dringend zu Futtermittel-Analysen geraten wird.

Aus der Forschung - für die Praxis:

Bestimmung der Inhaltsstoffe in Ökofuttermitteln

Die schnelle Erfassung der Inhaltsstoffe von Proteinfuttermitteln ist wichtig, damit Landwirte mit den Schwankungen der Inhaltsstoffe in Ökofuttermitteln umgehen und bedarfsgerechte Futterrationen zusammen stellen können. In einem BÖLN-Forschungsvorhaben haben Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) Kalibrierungen für die Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIRS) entwickelt, die eine einfache und kostengünstige Bestimmung der Rohnährstoffe einschließlich Stärke und Zucker sowie Aminosäuren in getrockneten, vermahlenen Futtererbsen und Ackerbohnen ermöglichen. So kann mit Hilfe der NIRS direkt nach Bereitstellung der Ernteproben eine Futterbewertung vorgenommen werden.

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowSchwankungen der Inhaltsstoffe in Ökofuttermitteln: schnelle Bestimmung der Inhaltsstoffe zum sicheren Umgang mit dem Problem

Aus der Forschung - für die Praxis

Fütterung und Leistung von Milchkühen

Die bedarfsgerechte Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen ist unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus nicht immer einfach umzusetzen. Eine gewisse Fluktuation des Futterangebots kann sich auf Milchleistung und -inhaltsstoffe auswirken. Ein Forschungsvorhaben hat Daten aus der Milchleistungsprüfung und von Tankmilchproben von Ökobetrieben ausgewertet und einen Überblick über den Status quo des Fütterungs- und Leistungsgeschehens in diesen Betrieben erstellt.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtStatus-quo-Analyse: Datenauswertung zur Fütterungssituation und zum Leistungsgeschehen von Milchkühen im ökologischen Landbau - Weiterentwicklung von Fütterungsempfehlungen

Aus der Forschung - für die Praxis

Aufbereitung von Körnerleguminosen für die Milchviehfütterung

Im ökologischen Landbau wird der Eiweißbedarf von Milchkühen hauptsächlich über heimische Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen gedeckt. Diese haben relativ geringe Anteile an nutzbaren Proteinen, die den Pansen unverdaut passieren und somit den Tieren als Eiweiß- und Energielieferanten zur Verfügung stehen. Mit dem Ziel, den Gehalt an nutzbarem Protein bei Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen mittels ökologisch konformer technischer Bearbeitungsverfahren zu steigern, haben Wissenschaftler der Universität Hohenheim unterschiedlich aufbereitete Körnerleguminosen in Fütterungsversuchen mit Milchkühen untersucht.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtSteigerung des Gehaltes an nutzbarem Protein bei Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen mittels ökologisch konformer technischer Bearbeitungsverfahren zur Förderung von Gesundheit und Leistung von Hochleistungskühen im ökologischen Landbau (BÖL-Projekt Nr. 02OE005)

Aus der Forschung - für die Praxis:

Futterqualität klee- und kräuterreicher Wiesen

Ökologisch bewirtschaftete Wiesen sind reich an Kräutern und Leguminosen. Die im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau durch die Universität Göttingen durchgeführten Analysen von Öko-Grünland ergaben gute Siliereigenschaften und nur geringen Proteinabbau bei der Konservierung.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtNährstoffverfügbarkeit und Nährstoffnutzung von klee- und kräuterreichen Aufwüchsen (BÖl-Projekt Nr. 02OE621)

Literatur

  • DLG-Futterwert-Tabellen für Wiederkäuer, DLG-Verlag, Frankfurt am Main, 7. Auflage, 1997
  • Sixt, D.: Milchvieh-Rationen mit 100 %-Bio-Futter. In: Mitglieder-Rundbrief Nr.1, Seite 14, 2003, Bioland Erzeugerring Bayern e.V.

Letzte Aktualisierung: 05.01.2012

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