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Praktikerbericht: 7.500 kg Milch aus dem Grundfutter

Martin Sends 'Wunderkühe'

Martin Send mit seiner Braunviehkuh Amsel
Martin Send aus dem Allgäu mit seiner Kuh Amsel, die 2002 rund 10.000 kg Milch aus dem Grundfutter gab.
Foto: Send

Martin Send und seine Frau bewirtschaften einen Bioland-Hof im Allgäu mit einer Fläche von gut 20 Hektar. Seine Braunviehherde besteht aus 25 Milchkühen plus Nachzucht. Die Milch wird an eine Emmentalerkäserei geliefert. Vor etwa 25 Jahren hat Martin Send den Betrieb von seinen Eltern übernommen und 1986 auf ökologischen Landbau umgestellt. Seit 1989 gehört er dem Bioland-Verband an. Bei der Zucht seiner Herde strebt er gesunde langlebige Kühe mit einer durchschnittlichen Jahresleistung von 7.000 bis 7.500 Kilogramm Milch an.

Im Jahr 2002 erzielte Martin Send eine durchschnittliche Herdenleistung von 7.984 kg bei 4,18 Prozent Fett und 3,69 Prozent Eiweiß. Mit Tierarztkosten von etwa 20 Euro pro Kuh und Jahr liegt er weit unter dem Durchschnitt. Das Herdenalter liegt mit 5,8 Jahren knapp über dem Durchschnitt.

Da die Leistungen der Kühe in der Herde von Martin Send sehr unterschiedlich sind, könnte er mit einer guten und scharfen Selektion noch weitere Leistungssteigerungen ereichen. Seine beste Kuh Amsel hat im letzten Jahr rund 11.000 Kilogramm Milch bei 4,17 Prozent Fett und 4,11 Prozent Eiweiß gegeben. Im April bekommt Amsel ihr siebtes Kalb. Da sie eine durchschnittliche Zwischenkalbezeit von 368 Tagen hat, kalbt sie nun das siebte Jahr in Folge.

Maßgeschneiderte Fütterung

Martin Send kauft jährlich 250 Kilogramm Gerste pro Kuh zu. Das restliche Futter kommt von seinem Grünlandbetrieb. Da er seine Milch an eine Emmentalerkäserei liefert, füttert er keine Silage. 

Die Kühe werden im Winter nur mit Heu bzw. Grummet (2. und 3. Schnitt Heu) gefüttert. Die Heuqualität ist durchschnittlich. Hochleistende Kühe bekommen zusätzlich bis zu drei Kilogramm Grascobs und bis zu 1,5 Kilogramm Gerste pro Tag. Im Sommer sind die Kühe tagsüber auf der Portionsweide und werden nachts mit Wiesengras im Stall gefüttert. Falls die Weide oder das Gras zu jung sind, wird noch Heu dazu gegeben. Wichtig ist dem Landwirt, dass die Kühe immer fressen können. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mit diesem Futter geben hochleistende Kühe im Sommer teilweise deutlich über 40 Kilogramm Milch und im Winter bis zu 35 Kilogramm Milch am Tag. Das ist insofern überraschend, da die Energiegehalte im Heu nicht außergewöhnlich hoch sind (siehe folgende Tabelle).

Nährstoffgehalte der im Betrieb vorhandenen Futtermittel im Jahr 2002

Futtermittel 

TS g/kg

NEL MJ/kg TS

XP g/kg TS

nXP g/kg TS

RNB g N /kg TS

XF g/ kg TS

Heu 1.Schnitt*

856

5,7

123

130

-1

261

Heu 2.Schnitt*

872 

5,5 

121 

126 

-1 

265 

 Heu 3.Schnitt* 

841 

5,6 

115 

127 

-2 

253 

 Weide bzw. Grünfutter ** 

163 

6,6 

170 

147 

3,6 

200 

 Grascobs Mai** 

927 

6,6 

170 

170 

189 

 Grascobs September** 

945 

6,1 

175 

165 

211 

 Gerste*** 

880 

7,1 

109 

144 

-5,6 

50 

 * laut Futteruntersuchung ** geschätzt *** laut DLG-Tabelle 

Wie kommt es zu diesem guten Ergebnis? Es liegt die Vermutung nahe, dass die Energie aus den Körperreserven kommt. Nach den Milchkontrollergebnissen gibt es im Sommer bei fast keiner Kuh einen Energiemangel. Auffallend ist jedoch, dass die Kühe im letzten Laktationsdrittel einen Energieüberschuss haben, auch wenn sie zum Teil noch 30 Kilogramm Milch geben. 

Im Winter weisen einige Kühe, wie zu erwarten, einen Energiemangel auf. Allerdings sind Kühe unter ihnen, die über 30 Kilogramm Milch geben und laut Milchkontrolle Energie im Überschuss haben. Mit Harnstoffwerten von 6,0 bis 21,0 mg/dl zeigen viele Tiere einen Rohproteinmangel. Mit diesen Werten müssten die Kühe theoretisch im Sommer bis zu 145 Kilogramm Gras und im Winter bis zu 24 Kilogramm Heu fressen, bei einer Trockensubstanzaufnahme von bis zu 25 Kilogramm (siehe folgende Tabelle).

Kennzahlen für Milchleistung und Fütterung

 Kriterium

Sommer 

Winter 

 Milch [kg/Tag] 

25 

30 

35 

40 

20 

25 

30 

35 

 Fett [%] 

4,2 

4,1 

4,0 

3,9 

4,3 

4,2 

4,1 

4,0 

 Heu 1.Schnitt 

 

 

 

 

12 

12 

12 

12 

 Heu 2.Schnitt 

 

 

 

 

 Heu 3.Schnitt 

 

 

 

 

 Weide bzw. Gras 

115 

130 

135 

145 

 

 

 

 

 Grascobs Mai 

 

 

 

 

 

0,5 

1,5 

 Grascobs Sept. 

 

 

 

 

 

0,5 

1,5 

 Gerste 

 

0,5 

1,5 

 

0,5 

1,5 

 TS [kg] 

18,7 

20,8 

22,9 

25,0 

20,6 

21,6 

23,3 

24,7 

 TS aus Raufutter [%] 

100 

98 

96 

95 

100 

98 

96 

95 

 RNB [g] 

68 

71 

74 

78 

-26 

-27 

-29 

-30 

 Milch aus NEL [kg] 

25,6 

30,1 

34,7 

39,4 

22,9 

25,9 

28,9 

32,0 

 Milch aus nXP [kg] 

26,0 

30,1 

34,4 

38,9 

24,0 

27,0 

30,2 

33,5 

 NEL/ kg TS [MJ] 

6,60 

6,61 

6,62 

6,62 

5,62 

5,69 

5,74 

5,79 

 XP/ kg TS [g] 

170 

169 

168 

167 

121 

123 

124 

126 

 XF [%] 

20 

20 

19 

19 

26 

25 

25 

24 

Die Leistungen auf diesem Betrieb stellen die gängigen Lehrmeinungen auf den Kopf. Eine Kuh kann eigentlich nicht 25 Kilogramm Trockensubstanz mit einem Rohfasergehalt von über 24 Prozent fressen. Zwei Erklärungen, warum die Kühe mit diesem Futter so viel Milch geben, liegen nahe: Entweder fressen die Kühe wirklich außerordentlich viel oder die Verdauung arbeitet bei dem hohen Rohfasergehalt so effizient, dass die Kuh nicht so viel Futter aufnehmen muss. 

Messungen in Biogasanlagen zeigen, dass in der Rindergülle noch jede Menge Energie vorhanden ist. In 1 bis 1,5 Kubikmeter Biogas, das durch eine Rinder-Großvieheinheit am Tag erzeugt wird, stecken fünf bis zehn kWh Verbrennungsenergie. Dies entspricht umgerechnet einem Energiegehalt von zehn bis 20 MJ NEL, also Energie für drei bis sechs Kilogramm Milch. 

Perspektiven 

Abgesehen davon, dass der Betrieb von Martin Send eine hervorragende Rinderzucht hat, gibt es zwei Punkte, die noch verbessert werden könnten. Zum einen hat der Betrieb nur eine durchschnittliche Futterqualität (Kaltbelüftungs-Heu), zum anderen stehen die Kühe derzeit noch in einem alten Anbindestall.

Durch eine verbesserte Heuwerbung (zum Beispiel Warmlufttrocknung) könnten im Betrieb auch Heuqualitäten mit über 6,0 MJ NEL und einem Rohproteingehalt von über 14 Prozent hergestellt werden. Mit einem solchen Heu könnte der Betrieb vielleicht auch auf Gerste und Grascops in seiner Fütterung verzichten und dabei die gleiche oder sogar noch eine bessere Leistung erzielen. Dass es möglich ist, deutlich bessere Nährstoffgehalte im Heu zu erzielen, zeigt die unten stehende Tabelle. Auch mit der Verbesserung des Kuhkomforts durch einen guten Laufstall könnte zusätzlich die Leistung verbessert werden.

Interessant ist die Beobachtung, dass die Emmentalerbetriebe im Allgäu oft die bessere Grundfutterleistung und gesünderes Vieh haben als Silobetriebe. Die Antwort auf die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen herausragender Grundfutterleistung und dem Verzicht auf Silofutter besteht, steht jedoch noch aus.

Nährstoffgehalte von Heu und Grummet im Allgäu (Grundfutteruntersuchungen 2002 durch das LKV-Bayern)

Futtermittel

Heu

Grummet

Energiegehalt

5,79 (MJ NEL)

5,81 (MJ NEL)

Minimum

5,21 (MJ NEL)

5,43 (MJ NEL)

Maximum

6,57 (MJ NEL)

6,24 (MJ NEL)

Roheiweiß

121 (g)

150 (g)

Minimum

82 (g)

111 (g)

Maximum

152 (g)

183 (g)

Rohfaser

278 (g)

240 (g)

Minimum

212 (g)

210 (g)

Maximum

314 (g)

283 (g)

Das Gespräch fand im Juli 2003 statt.

Letzte Aktualisierung: 05.01.2012

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