'Was ich für Zukauffutter nicht ausgebe, brauche ich nicht einzunehmen!'
Interview mit Betriebsleiter Ferdinand Schleich

- Ferdinand Schleich im Melkstand.
Foto: (c) D. Sixt
Eine hundertprozentige Biofütterung ist auf dem Betrieb von Familie Schleich in Hohenpeißenberg (Oberbayern) schon lange umgesetzt. Betriebsleiter Ferdinand Schleich geht sogar noch einen Schritt weiter und verzichtet gänzlich auf Zukauffutter.
Im Laufstall stehen 28 Milchkühe, hauptsächlich Rot- und Schwarzbunte, sowie Kreuzungstiere (mit Fleckvieh) und eine Braunviehkuh. Die Milchleistung nach MLP (Milchleistungsprüfung) liegt derzeit bei 6.207 kg, 4,18 Prozent Fett und 3,20 Prozent Eiweiß. Seit 1999 lag die Leistung nicht mehr unter 6.000 Kilogramm. In guten Jahren liegt sie deutlich darüber. Im Durchschnitt ist die Herde sechs Jahre alt.
Oekolandbau.de: Seit wann und warum setzen Sie in Ihrem Betrieb ausschließlich Grundfutter ein?
Ferdinand Schleich: Seit 1992 füttern wir unsere Kühe ausschließlich mit Gras. Kraftfutter war uns zu teuer. Wir wollen unsere Milchquote möglichst billig erzeugen und von anderen unabhängig sein. Außerdem ist uns ein geschlossenes Betriebssystem wichtig.
Gibt es eine Ergänzungsfütterung der frischlaktierenden Milchkühe mit Getreide oder Fertigfutter?
Schleich: Getreide oder Fertigfutter gibt es auch für die frischlaktierenden Kühe nicht. Diese Tiere fressen einfach mehr. Dazu muss ich vielleicht etwas weiter ausholen. Wir haben 1992 unseren Laufstall gebaut. Dadurch wurde die Fütterung wesentlich verbessert, weil jetzt immer Futter vorlag. Die Leistung ist dadurch um 500 Kilogramm pro Kuh gestiegen. Die eigene Nachzucht wird ebenfalls nur mit Gras gefüttert. Die Tiere sind dieses System von Geburt an gewöhnt. Die Leistung ist dann nochmals um 500 Kilogramm je Kuh gestiegen, weil wir geeignete Kalbinnen für unser System hatten.
Wie sieht die Winterfütterung aus? Werden auch Grascobs eingesetzt?
Schleich: Wir setzen keine Grascobs ein. Den ersten, zweiten und vierten Schnitt silieren wir. Grummet (zweiter und dritter Schnitt Heu) gibt es vom dritten Schnitt. Davon fressen die Kühe etwa vier Kilogramm am Tag. Eine Heutrocknung haben wir nicht.
Wie werden die Kälber gefüttert? Gibt es für die Tiere einen Ausgleich mit Getreide oder Fertigfutter?
Schleich: Wie gesagt, alle Tiere erhalten nur Gras. So auch die Kälber. Die bekommen zweimal täglich bis zu vier Liter Milch pro Mahlzeit bis zu einem Alter von 16 Wochen. Zur Ergänzung gibt es Heu.
Gibt es Erkrankungen oder Probleme in der Herde, die Sie auf die ausschließliche Grasfütterung zurückführen?
Schleich: Natürlich gibt es Durchfallprobleme mit jungem Gras. Leider fressen die Kühe in dieser Phase nicht genug Heu. Es gibt hin und wieder Probleme mit Blutergüssen an den Vorderklauen, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob es an der Fütterung oder an der Aufstallung liegt. Die Harnstoffwerte sind im Normalbereich, einen permanenten Eiweißüberschuss habe ich demnach nicht. Leicht erhöht sind die Zellzahlen, aber sie sind noch in einem akzeptablen Bereich.
Vermissen Sie ein anderes Futtermittel zur Ergänzung?
Schleich: Ich vermisse kein anderes Futtermittel. Allerdings ist es nicht immer einfach, jedes Jahr Grundfutter von bester Qualität zu erzeugen. Leistungsschwankungen muss man daher akzeptieren.
Würden Sie Mais einsetzen, wenn Sie welchen hätten?
Schleich: Nein, Kühe sind Grasfresser! Da ist alles drin, was sie brauchen.
Was würden Sie Berufskollegen raten, die über solch ein System nachdenken?
Schleich: Wichtig ist, die Kühe nach ihrer Grundfutterleistung zu selektieren. Nicht jedes Tier ist für dieses System geeignet.
Das Interview fand im Juli 2003 statt.
Letzte Aktualisierung: 05.01.2012
