Milchkühe - Anbindestall
Während in den neuen Bundesländern und Norddeutschland der Laufstall mittlerweile die vorherrschende Stallform für Milchkühe ist, halten zum Beispiel in Bayern noch 75 Prozent der Milchviehbetriebe ihre Milchkühe in Anbindeställen.
Der Anbindestall ist grundsätzlich nicht als artgerechtes Haltungssystem für Milchvieh anzusehen. Die geringe Bewegungsfreiheit, die fehlende Trennung der Funktionsbereiche Fressen und Liegen und der sehr stark eingeschränkte Sozialkontakt zu den Artgenossen kann zu Haltungsschäden, Bewegungsstau und insgesamt zu einem reduzierten Wohlbefinden der Tiere führen.
Da gemäß den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau Anbindeställe bis Ende 2013 bzw. in kleinen Betrieben auch darüber hinaus in Ausnahmen zulässig sind, hier einige Verbesserungsvorschläge für bestehende Anbindeställe:
- Massive Krippenwand durch bewegliche Gummilappen ersetzen.
- Massive Trennbügel zwischen den Ständen durch flexible Gurte ersetzen.
- Alle Tiere müssen gleichzeitig liegen können. Die erforderliche Standplatzbreite ergibt sich aus der Widerristhöhe multipliziert mit dem Faktor 0,9.
- Die Tiere müssen aufrecht stehen können.
- Wenn Halsrahmen eingesetzt werden, sind diese im unteren Bereich mit Gelenken oder Kettengliedern zu versehen.
- Ummantelung der Anbindevorrichtung mit Kunststoff oder als strapazierfähige Stoffbänder (keine Nylonbänder).
- Spiel der Anbindung insgesamt seitlich 60 Zentimeter und vertikal 40 Zentimeter
- Tränken sollten sich in 70 Zentimeter Höhe und über der Krippe befinden (überschwappendes Wasser gelangt so in die Krippe und nicht in den Liegebereich)
- Kraftfutterschalen mit Abweisbügel für Nachbartiere sorgen für mehr Ruhe beim Fressen.
- In der Nacht sind die Temperaturansprüche aufgrund der fehlenden Bewegungsmöglichkeiten der Tiere höher als im Laufstall, das heißt eine Haltung der Tiere in einem Warmstall ist deshalb anzustreben.
- Verlängerung des Standplatzes auf 190 Zentimeter (0,92 x schräge Rumpflänge + 30 cm). Dies kann beispielsweise mit einem Kantholz im Kotgraben, bzw. bei mechanischer Entmistung durch auskragende Konstruktionen mit T-Eisenkonsolen erfolgen.
- Umwandeln des Standplatzes in eine Tiefbox (abgerundetes Kantholz im Bereich der Kotkante).
Weitere Informationen:
Grundlagen: Gesetzliche Regelungen
Literatur:
Bundesamt für Veterinärwesen: Vorschläge für einfache Anpassungen in Anbindeställen für Milchvieh, Liebefeld-Bern, Schweiz, 1992. He/Fr-800.106.14
Letzte Aktualisierung: 10.01.2012

