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Anforderungen und Richtlinien für tiergerechte Milchviehställe

 
Kühe werden vom Laufhof getrieben
Der Neu- oder Umbau eines Milchviehstalles bedeutet eine erhebliche Investition
(c) Bioland Erzeugerring Bayern e.V.

Um Milchviehställe tiergerecht und gemäß der EG-Öko-Verordnung zu gestalten, müssen verschiedene Ziele berücksichtigt und Anforderungen erfüllt sein.

Ziele beim Bau von tiergerechten Haltungsformen

  • Den Nutztieren sollen Bewegung und Sozialkontakte ermöglicht werden.
  • Die Tiergesundheit soll verbessert werden (unter anderem durch tiergerechtere Liegeflächen, freie Wahl von Aufenthalt im Stall, Laufhof oder auf der Weide, Einrichtungen zur "Selbstpflege", z.B. Kuhbürsten).
  • Die Arbeitsqualität für den/ die Tierhalter/in soll verbessert werden (z.B. Einbau eines Melkstandes, Futtervorlage auf Vorrat, Strohraufen zur Selbsteinstreu).

Haltungsanforderungen für Milchvieh nach EG-Öko-Verordnung

  • Die Unterbringung der Tiere muss artgerecht sein und ihren biologischen und ethologischen Bedürfnissen entsprechen. Die Tiere müssen ungehinderten Zugang zu den Futterstellen und Tränken haben. Die Stallgebäude und -einrichtungen müssen für eine genügende Frischluftzufuhr, ausreichenden Tageslichteinfall, niedrige Staubkonzentrationen, tierart- und altersgerechte Temperaturen, angepasste Luftfeuchte und niedrige Schadgaskonzentrationen sorgen.
  • Weiden und Auslaufflächen sind entsprechend den Klimaverhältnissen und der Tierart im Bedarfsfall mit Schutzeinrichtungen gegen Regen, Wind, Sonne und extreme Temperaturen auszustatten. Ganzjährige Freilandhaltung ist in geeigneten Klimaregionen möglich.
  • Die Besatzdichte im Stall sollte den Tieren Komfort und Wohlbefinden gewährleisten. Dabei ist insbesondere auf ausreichend Platz für natürliches Stehen, bequemes Abliegen, Umdrehen, Putzen und das Einnehmen aller natürlichen Stellungen zu achten.
Mindeststall- und -freiflächen für Rinder nach EG-Öko-Verordung (Übergangsfrist bis 31.12.2010)

  Nutzungsrichtung

Stallfläche
(m2 je Tier)

Außenfläche
(m2 je Tier)

Stallfläche: den Tieren zur Verfügung stehende Nettofläche
Außenfläche: Freigeländefläche außer Weideflächen

Milchkühe

6,0

4,5

Zucht- und Mastrinder
bis 100 kg LG


1,5


1,1

bis 200 kg LG

2,5

1,9

bis 350 kg LG

4,0

3,0

über 350 kg LG

5,0, mind. 1 m2 je 100 kg LG

3,7, mind. 0,75 m2 je 100 kg LG

Zuchtbullen

10

30

Kleinbetriebe sollen davon ausgenommen bleiben. Die Grenze des Tierbestandes ist hierzu noch nicht festgelegt. Es wird jedoch erwartet, dass sie zwischen 20 und 30 Milchkühen liegen wird.

 

Laufstallsysteme

Boxenlaufstall für Milchvieh
Der Boxenlaufstall ist eine weit verbreitete Stallform im Milchviehbereich.
(c) BAT e.V.

Die vorherrschenden Laufstallsysteme bei Milchkühen sind der Boxenlaufstall, der Tiefstreu- und Tretmiststall:

Boxenlaufstall

Vorteile eines Boxenlaufstalles

  • Liegen ist ungestörter, mit weniger Aufjagen - insbesondere für rangniedere Tiere.
  • Platzbedarf ist geringer als im Tief- oder Tretmiststall.
  • Geringer Strohbedarf.

Nachteile eines Boxenlaufstalles

  • Liegeboxen können nur für einen Teil der Herde passend gestaltet werden (Größenunterschiede).
  • Platzangebot zum Abliegen/ Liegen ist geringer als im Tief- oder Tretmiststall.
  • Liegeboxenabtrennungen und Steuerungseinrichtungen führen bei fehlerhaften Abmessungen zu erhöhter Verletzungsgefahr bei den Tieren.
  • Abliegen in den Boxen müssen neue Tiere erst erlernen.

Anforderungen der EG-Öko-Verordnung an einen Boxenlaufstall

Schematische Darstellung eines Boxenlaufstalls im Rahmen der EU-Öko-Verordnung
Abmessungen eines Boxenlaufstalles für Milchkühe im Rahmen der EG-Öko-Verordnung
 

Tiefstreustall

mit Stroh eingestreuter Tiefstreustall für Milchkühe
Der Tiefstreustall bietet den Tieren eine freie, ebene und eingestreute Liegefläche sowie einen befestigten Lauf- und Fressbereich.
(c) BAT e.V.

Vorteile des Tiefstreustalles

  • Abliegen und Aufstehen ist ohne Behinderung möglich.
  • Einstreu bietet eine komfortable Liegefläche.
  • Bewegungsfreiheit wenig eingeschränkt
  • alte Stallgebäude können gut genutzt werden
  • Es steht ein Bewegungsraum mit weichem, trittsicherem Boden zur Verfügung, durch welchen vor allem beim Aufspringen und beim Lecken der Hinterhand ein Wegrutschen vermieden wird.

Nachteile des Tiefstreustalles

  • Höherer Einstreubedarf als im Boxenlaufstall oder Tretmiststall und damit verbunden größerer Arbeitsaufwand
  • Höherer Platzbedarf

Anforderungen der EG-Öko-Verordnung an Tiefstreuställe und Tretmistställe

Schematische Darstellung eines Tiefstreustalles nach EU-Öko-Verordnung
Abmessungen eines Tiefstreustalles bzw. Tretmiststalles für Milchkühe im Rahmen der EG-Öko-Verordnung
 

Tretmiststall

Trestmiststall für Milchkühe
Der Tretmiststall bietet eine freie Liegefläche mit einem Gefälle von etwa fünf bis zehn Prozent. Aufgrund der Aktivität der Tiere auf der Liegefläche rutscht der Mist langsam auf den Mistgang, so dass das Ausmisten auf der Liegefläche entfällt.
(c) BAT e.V.

Vorteile des Tretmiststalles gegenüber dem Tiefstreustall

  • Geringerer Platzbedarf
  • Geringerer Strohverbrauch
  • Ausmisten der Liegefläche entfällt

Nachteile des Tretmiststalles

  • Um die Funktionstüchtigkeit dieses Systems zu gewährleisten, ist das Platzangebot pro Tier auf der Liegefläche geringer als im Tiefstreustall.
  • Mehr Unruhe auf der Liegefläche (Konkurrenz um bevorzugte Liegeplätze)
  • Höhere Verschmutzung der Tiere
  • Evtl. zusätzlicher Arbeitsaufwand für das Entfernen von Kothaufen von der Tretmistfläche
  • Höhere Managementanforderungen

Hinweise und Empfehlungen

  • Deckenhöhe sollte mindestens 2,5 Meter über der Mistmatratze betragen.
  • Stützensockel im Tretmistbereich sind mit Mistabweisern auszustatten (besserer Mistfluss).
  • Durch die Strukturierung der Liegefläche können die sozialen Auseinandersetzungen verringert werden.
  • Höhe der Mistabrisskante (Stufe zwischen eingestreuter Fläche und Entmistung) sollte mindestens 15 Zentimeter, besser aber 20 Zentimeter betragen.

Letzte Aktualisierung: 17.06.2008

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