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Schwachstellenanalyse für Milchviehbetriebe

 

Milchqualität beginnt im Stall. Zur Ermittlung bestehender Schwachstellen bei der Milcherzeugung hat die Universität Bonn im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau eine detaillierte Untersuchung des Managements in konventionellen und ökologischen Milchviehbetrieben durchgeführt.

Mit Hilfe der Ergebnisse wurde ein Konzept zur Schwachstellenanalyse in milchviehaltenden Betrieben entwickelt. Als Grundlage diente dabei das Vier-Stufen-Konzept zum systematischen Aufbau eines betriebsindividuellen Gesundheitsvorsorgemanagements nach Müller (1996), welches durch die im Rahmen der Erhebung identifizierten Schwachstellen und Risikofaktoren ergänzt wurde.

Das Vier-Stufen-Konzept zur Schwachstellenanalyse

Kühe im Stall. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Milchqualität beginnt im Stall!
(c) BLE, Bonn

Das erweiterte Konzept soll Betriebsleiter und Berater dabei unterstützen, Schwachstellen im Milchviehbetrieb aufzudecken und wenn möglich zu korrigieren und somit einen Beitrag zur Verbesserung der Milchqualität leisten.

Das Konzept zur Schwachstellenanalyse besteht aus vier Stufen. Stufe I und II umfassen Prüfungen auf Betriebsebene, Stufe III und IV beziehen sich auf das Einzeltier. 

  • Stufe I: Güteprüfung 
  • Stufe II: Schwachstellenanalyse mit Hilfe von Checklisten 
  • Stufe III: Milchleistungsprüfung und Gesundheitsüberwachung 
  • Stufe IV: Tierindividuelle Zusatzuntersuchungen 

Die Beschreibung der vier Stufen wurde (leicht verändert) aus folgendem Bericht entnommen: "Beurteilung der Milchqualität und Schwachstellenanalyse des Produktionsprozesses in ökologisch bewirtschafteten Milchviehbetrieben unter besonderer Berücksichtigung des Bacillus cereus". Der Bericht ist über die Datenbank Organic Eprints abrufbar (siehe Link rechte Spalte).

Stufe I: Güteprüfung

Die Güteprüfung umfasst die regelmäßige Messung der Inhaltsstoffe in der Hoftankmilch. Sie stellt eine sehr wertvolle kontinuierliche Kontrolle der Herde dar. In erster Linie bezieht sich das auf den Zellgehalt, der Indikator für die Eutergesundheit ist. Dem Betriebsleiter wird geraten, einen Zellgehalt von weniger als 150.000 Zellen pro Milliliter anzustreben. Dieser kann zeitweise überschritten werden, aber nicht regelmäßig.

Aufgrund der saisonalen Schwankungen ist es bei den Parametern Eiweiß- und Fettgehalt nicht sinnvoll, einen festen Grenzwert oder Wertebereich anzugeben. Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass der Eiweißgehalt in ökologisch geführten Betrieben häufig unter dem konventionell geführter Betriebe liegt. Im Hinblick auf eine mögliche Energieunterversorgung der ökologisch gefütterten Tiere sollte die Differenz zwischen den beiden Betriebsformen nicht zu groß sein. Hier wird ein regelmäßiger Vergleich der Inhaltsstoffe von ökologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben einer Region von Seiten der Molkerei bzw. des Landeskontrollvereins empfohlen. 

Stufe II: Schwachstellenanalyse mit Hilfe von Checklisten

Werden Grenzwerte in Stufe I regelmäßig über- oder unterschritten bzw. zeigen Krankheitsfälle in der Herde eine Gefährdung an, wird empfohlen, eine Schwachstellenanalyse mit Hilfe von Checklisten durchzuführen. Dazu wurden vier Checklisten entwickelt, die Risikofaktoren, Vorsorgemaßnahmen und Beobachtungen in den folgenden Bereich umfassen:

  • Eutergesundheit
  • Stoffwechsel
  • Fundament
  • Fruchtbarkeit

Einige Aspekte tauchen in mehreren Checklisten auf, da sie für verschiedene Bereiche relevant sind. Entsprechend braucht immer nur die Checkliste bearbeitet zu werden, die den Bereich abdeckt, in dem eine Gefährdung vorliegt. 

Reinigung einer Zitze mit einem Tuch. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die sorgfältige Reinigung des Euters vor dem Melken sollte selbstverständlich zur Melkhygiene gehören
(c) BLE, Bonn

In der dritten Spalte der Checklisten ist vermerkt, bei welchen Faktoren ein Berater (Ringberater, Arbeitskreisleiter, Spezialberater, Tierarzt etc.) hinzugezogen werden sollte. Das Kreuz bedeutet, dass nur der Berater diesen Punkt beurteilen kann. Das Kreuz in Klammern steht dafür, dass der entsprechende Punkt zunächst von dem Betriebsleiter selbst überprüft werden sollte und er die Bedingungen, die damit verbunden sind, kennen sollte. Zur Überprüfung des eigenen Handelns wird geraten, einen Berater hinzuziehen.

Liegt in einem der Bereiche Eutergesundheit, Stoffwechsel, Fundament oder Fruchtbarkeit eine Gefährdung vor und sind auf der jeweiligen Checkliste mehrere Faktoren nicht vorhanden oder werden nicht eingehalten, muss zusammen mit einem Berater überlegt werden, welche Maßnahmen mit welchem Aufwand einzuführen sind. Das Optimum wäre die Einhaltung aller Maßnahmen, dies ist aber meist aus zeitlichen bzw. wirtschaftlichen Gründen nicht möglich. Demnach muss betriebsindividuell durch den Betriebsleiter zusammen mit dem jeweiligen Berater entschieden werden, welche der genannten Faktoren geändert werden können. Sofern Faktoren und/oder Maßnahmen geändert wurden, kann der Erfolg über die Ergebnisse der Güteprüfung (Stufe I) bzw. die Milchleistungsprüfung (Stufe III) überprüft werden.

Stufe III Milchleistungsprüfung und Gesundheitsüberwachung

Diese Stufe umfasst die kontinuierlichen Prüfungen des Einzeltieres. An erster Stelle stehen die monatlichen Ergebnisse der Milchleistungsprüfung (MLP), d.h. die folgenden Daten:

  • Zellgehalt mit einem Grenzwert von 150.000 Zellen/ml,
  • Eiweiß mit einem Optimalbereich zwischen 3,3 % und 4,0 %,
  • Harnstoff mit einem Optimalbereich zwischen 150 ppm und 330 ppm,
  • Fett-Eiweiß-Quotient mit einem Optimalbereich zwischen 1,0 und 1,4 und
  • Besamungsindex (Grenzwert betriebsindividuell zwischen 1,2 und 1,5).

Je nach Vorlieben und Erfahrungen des Betriebsleiters bzw. des Beraters sind auch weitere Auswertungen der vorhandenen Daten möglich. Entscheidend ist, dass folgenden Einzelschritte eingehalten werden:

1. monatliche Auswertung der MLP-Daten

2. Festlegung der Grenzwerte, sofern nicht physiologisch vorgegeben

Werden die Grenzwerte tierindividuell überschritten, sind folgende Schritte erforderlich:

3. Durchführen von Maßnahmen bei Überschreitung der Grenzwerte

  • tierindividuell und/oder
  • betriebsindividuell mit Hilfe der Checklisten von Stufe II

4. Überprüfung des Erfolgs der Maßnahmen mit Hilfe der folgenden MLP-Ergebnisse

Die gleiche Vorgehensweise gilt auch für die Gesundheitsdaten, sofern sie regelmäßig erfasst werden. Damit sind in erster Linie gemeint:

  • Art einer Erkrankung
  • Zeitraum der Erkrankung
  • Art der Behandlung
  • Zeitraum der Behandlung
  • Ergebnis der Erfolgskontrolle

Stufe IV: Tierindividuelle Zusatzuntersuchungen

Landwirt mit Tierarzt im Gespräch im Kuhstall
Der Austausch zwischen Landwirt und Berater bzw. Tierarzt ist ausgesprochen wichtig.
(c) BLE, Bonn

Tierindividuelle Zusatzuntersuchungen sind je nach Gefährdungsgrad und Zeitdauer der Gefährdung erforderlich, um die Art der Gesundheitsstörung der gesamten Herde bzw. einzelner Tiere genauer einschätzen und Maßnahmen gezielter einsetzen zu können.

Diese Zusatzuntersuchungen sollte von dem jeweiligen Berater (vorrangig dem Tierarzt) als Folge der Ergebnisse der ersten drei Stufen veranlasst werden. Die Art der Zusatzuntersuchung ist betriebs- und tierindividuell abhängig.

Letzte Aktualisierung: 10.01.2012

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