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Milchleistungsprüfung

Kennzahlen für den schnellen Überblick

Braunviehkühe im Stall
© BLE, Bonn

Jeder Milchviehhalter kennt ihn: den monatlichen Bericht der Milchleistungsprüfung (MLP). Doch wenige schöpfen seine Möglichkeiten vollständig aus. Dabei kann er helfen, auf einen Leistungseinbruch oder bei gesundheitlichen Probleme rasch, etwa mit einer Anpassung der Fütterung, zu reagieren. Da die MLP-Daten meist unkommentiert geliefert werden, sind Entwicklungen in der Herde allerdings nicht unmittelbar ersichtlich. Die Berater der Öko-Anbauverbände können den Landwirten hier weiterhelfen. Verschiedene Dienstleister, wie beispielsweise die Bioland-Beratung, bieten gegen Entgelt eine aufbereitete und kommentierte Auswertung der MLP-Ergebnisse an. Nachfolgend wird dieser Service beschrieben; dies gibt auch wertvolle Hinweise für eine eigne Auswertung der MLP-Daten.

Wie hat sich die Milchleistung entwickelt?

Hat sich jahreszeitlich bedingt die Futtergrundlage verändert oder experimentiert der Tierhalter mit einer neuen Rationsergänzung, so möchte er wissen, wie sich dies auf die Ergebnisse seiner Herde auswirkt. Wie haben sich Milchleistung und Inhaltstoffe entwickelt? Da sich die Zahl der Melktage, die die Kühe hinter sich haben, von Monat zu Monat verändert, ist ein Vergleich der Tankmilch mit den Vormonatswerten nicht unmittelbar möglich. Die Berater vergleichen die Milchleistung daher anhand einer Standardlaktationskurve. So wird der Einfluss des Melktags korrigiert und es zeigt sich, ob die Milchmenge tatsächlich zu- oder abgenommen hat. 

Über die MLP-Auswertung können Landwirte ihre Milchleistungsdaten auch mit denen der Betriebe vergleichen können, die sich ebenfalls an der Auswertung beteiligen. Die nach Leistungsdritteln aufgeteilten Werte erlauben einen detaillierten Blick auf den Verlauf der Kennwerte. Hier kann man zum Beispiel schnell erkennen, ob es gelungen ist, die Milchleistung vom Beginn der Laktation zu halten oder ob die Leistung in den Dritteln jeweils um mehr als die angestrebten 2 kg/Monat zurückgegangen ist.

Wenn die Fütterung nicht zur Leistung passt

Wie Fütterung und Leistung zusammenhängen, zeigt das folgende Diagramm.

Grafik zum Zusammenhang von Fütterung und Millcheistung
Leistungsfähigkeit der Fütterung (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Bioland-Beratung

Fazit

  • Herde ist eher altmelkig, dennoch reicht die angebotene Ration nicht für höhere Leistungen
  • Kühe aus dem ersten Leistungsdrittel sind in ihrer Milchleistung überdurchschnittlich zurückgegangen
  • Unbedingt bessere Weide anbieten und am Trog kein Kraftfutter mehr vorlegen; von diesem haben nur die Niederleistenden profitiert

Jeder Punkt entspricht einer Kuh mit ihrer Milchleistung und dem Eiweißgehalt ihrer Milch. Im Idealfall verläuft die Trendlinie der Punkte waagerecht: Dann sind alle Tiere angemessen versorgt, egal ob sie 15 oder 30 kg Milch geben. Je steiler die Linie nach rechts unten abfällt, desto weniger ausgewogen ist die Energie in der Ration verteilt: "Die hinten haben zuviel und für die vorne reicht es nicht!" An dieser Grafik lässt sich die Wirksamkeit einer gezielten Kraftfuttervorlage genauso ablesen wie die Antwort auf die Frage, ob die aufgewertete Grundration oder die TMR dem aktuellen Leistungsstand entspricht. Unterhalb von 3,2 Prozent Eiweiß - bei Schwarzbunten 3,0 Prozent - beginnt Energiemangel.

Der Schnittpunkt der Trendlinie mit der Grenzlinie zum Energiemangel bezeichnet den - theoretischen - Wert für den Milcherwartungswert aus der Ration. Bei über 3,8 Prozent Eiweiß geht es den Tieren zu gut. Dann ist das Grundfutter für diese Tiere zu energiereich oder sie erhalten zu viel Kraftfutter. Haben sie bereits mehr als 250 Melktage hinter sich, erscheinen sie in der Rubrik "Kühe, die am Ende zunehmen". Hier lässt sich möglicher Luxuskonsum erkennen. Ob diese Tiere auf dem Weg zu einer optimalen Trockensteherkondition sind oder bereits verfetten, muss der Landwirt beurteilen.

Milchfettgehalt gibt Hinweis auf Acidoseverdacht

Ausgewiesen wird auch der prozentuale Anteil der Tiere, deren Milch unter 3,8 Prozent Fett enthält. Diese Angabe steht in Zusammenhang mit den Tieren, die in der "Aktionsliste" (s.u.) als acidoseverdächtig ausgewiesen werden. Liegen etwa 40 Prozent der Tiere unter 3,8 Prozent Fett, aber kaum ein Tier erscheint mit Acidoseverdacht, enthält die Ration gerade noch genug Struktur. Die Ration läuft "am Limit", aber noch ohne erkennbare Probleme beim Einzeltier. Hat der überwiegende Teil der Herde Fettgehalte über 3,8 Prozent, aber etliche Tiere erscheinen mit Acidoseverdacht, handelt es sich eher um Probleme von Einzeltieren als um ein Rationsproblem.

Aktionsliste: Hier müssen Sie aktiv werden!

In der Aktionsliste der MLP-Auswertung werden alle Tiere benannt, die aufgrund verschiedener Kriterien auffällig sind. Die Abweichungen werden nach Kategorien ausgewiesen: "Acidoseverdacht" (FDE < 1), "Ketoseverdacht" (FDE > 1,5), "Verfettungsgefahr" (Eiweiß > 3,8 Prozent), Energiemangel (Eiweiß unter 3,2 Prozent) und "Kuh erhöht Herdenzellgehhalt" (Zellen > 250.000).

Kühe mit einem "Fett durch Eiweiß"-Quotient (FDE) unter 1 und über 1,5 werden getrennt aufgeführt. Liegt der FDE unter 1, das heißt, der Fettgehalt ist niedriger als der Eiweißgehalt, erscheinen die Tiere bei "Acidoseverdacht". Ursache kann eine überhöhte Kraftfuttergabe sein, die den Eiweißgehalt steigert, aber Struktur verdrängt, was zu einem niedrigen Fettgehalt führt. Meist wird die Kraftfuttergabe nach erfolgter Milchkontrolle festgelegt.

Ist eine Kuh von einer Kontrolle zur anderen stark in der Milch gefallen, wurde ihr anschließend möglicherweise zu viel Kraftfutter zugeteilt. Es kann aber auch eine Klauenerkrankung vorliegen, weshalb die Kuh sich im Fressstand nicht mit anderen Tieren auseinandersetzen will und stattdessen nur an die nahe liegende Kraftfutterstation geht. Oder das Tier stibitzt Kraftfutter von anderen Kühen, sei es am Fressplatz oder an der Station.

Die Einteilung in die Kategorie "Ketoseverdacht" erfolgt, wenn der FDE über 1,5 und damit der Fettgehalt deutlich über dem Eiweißgehalt liegt. Davon besonders betroffen sind Kühe zu Laktationsbeginn, die Körperfett abbauen, um die Energielücke zu schließen. Ausgewiesen werden hier Kühe mit einem deutlich verstärkten Körperfettabbau. Erkennbar ist dies an hohen Fettgehalten der Milch, oft bis zu fünf Prozent. Dass diese Energie nicht aus dem Futter kommen kann, zeigen Eiweißgehalte von deutlich unter drei Prozent.

Welche ist die "Problemkuh"?

Die strikte Kategorisierung bringt es mit sich, das Kühe mehrmals in der Aktionsliste erscheinen können: Eine Kuh mit 3,10 Prozent Eiweiß und 3,05  Prozent Fett würde in der Kategorie "Energiemangel"und auch bei "Acidoseverdacht" erscheinen (FDE < 1). Diese Tiere werden auf der Aktionsliste gesondert gekennzeichnet, damit der Tierhalter die doppelte Ausweisung nicht übersieht. Bei derartigen Kühen ist meist umgehend Behandlungsbedarf angesagt, da die normalen Schwankungsbereiche deutlich überschritten sind.

Zellzahlen und Eutergesundheit

In der Zellzahlliste der MLP-Auswertung wird aus allen gemolkenen Kühen ausgewählt. Interessant an dieser Rubrik ist auch die Information, wie stark die betroffene Kuh den Herdenzellgehalt erhöht. Gerade bei kleineren Beständen lässt sich dadurch schnell erkennen, ob sich das Zellzahlniveau der Herde insgesamt verändert hat oder ob es nur am Einfluss einer "Zell-Millionärin" liegt.

Eine Übersicht über die Eutergesundheit im Laktationsverlauf summiert das Geschehen um die Eutergesundheit im Laufe der Laktation: Geht die Anzahl der Neuinfektionen in der aktuellen Laktation über ein übliches Maß hinaus? Regenerieren sich die Tiere in der Trockenphase ausreichend? Ein Fazit zum Gesamteindruck rundet das Bild ab und gibt Handlungshinweise, wenn diese notwendig erscheinen.

Autoren: Dieter Sixt, Bioland Beratung und
Otto Volling, Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen

Erschienen in "bioland", Ausgabe 08/2007

Beratungsservice MLP-Auswertung

Wenn ein Milchviehhalter die Bioland-Beratung mit der MLP-Auswertung beauftragt, schickt der LKV die monatlichen MLP-Daten an den zuständigen Berater. Der Landwirt erhält auf einem Blatt grafische Auswertungen, die einen Überblick über die Herde erlauben. Auf einem zweiten Blatt, der Aktionsliste, sind Kühe mit Namen oder Stallnummern aufgeführt, die bei Inhaltstoffen oder Zellzahlen auffällig sind. Mit der MLP-Auswertung erhält der Landwirt einen zeitnahen und detaillierten Überblick über die Auswirkung der vorgelegten Ration. Bei Bedarf erfolgt eine Nachbesprechung am Telefon, um die Ergebnisse und mögliche Maßnahmen zu diskutieren. Der Service wird inzwischen bundesweit angeboten und ist nicht auf Bioland-Bauern beschränkt. Weitere Informationen gibt die externer Link folgtBioland Beratung

Letzte Aktualisierung: 10.01.2012

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