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Mastitis (Euterentzündung)

 
Euter einer Milchkuh. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Basis der Milchproduktion: Ein gesundes Euter.
(c) BLE

Mastitis als Begriff für die Entzündung der Milchdrüse umfasst eine Fülle von Ausprägungen, die sich unter anderem durch den Schweregrad oder den zeitlichen Ablauf differenzieren lassen. Die Mastitis stellt eine klassische "Faktorenerkrankung" dar: Erreger, Kuh und Umwelt stehen in einem engen Wechselverhältnis, das durch Veränderungen bei jeder der drei Komponenten verschoben werden kann.

Eutererkrankungen verursachen durch Qualitäts- und Leistungseinbußen, kürzere Nutzungsdauer sowie Behandlungs- und Sanierungskosten weltweit einen hohen wirtschaftlichen Schaden. Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) schätzt für Deutschland einen Betrag von 1,4 Milliarden Euro pro Jahr. Pro gehaltener Kuh sind das je nach betrieblicher Situation 50 bis 400 Euro pro Jahr.

Wirtschaftliche Verluste durch Mastitis

Neues Fenster: Bildvergrößerung der Darstellung wirtschaftlicher Kosten durch Mastitis
Grafik aus: Leitlinien zur Behandlung der Mastitis des Rindes als Bestandsproblem, 4. Auflage 2002, Gießen, DVG (Klick auf das Bild vergrößert die Bildansicht)
 

Erreger

Die Mikroorganismen, die für die Entstehung von Mastitiden verantwortlich sind, lassen sich in Umwelt- und Kuh-asssoziierte Erreger unterteilen. Dabei hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass Umweltkeime eine immer stärkere Rolle bei der Entstehung von Euterentzündungen spielen.

Symptome

Man spricht von einer subakuten klinischen Mastitis beim Auftreten von Flocken im Sekret, ohne dass die Drüse zusätzliche klinische Symptome aufweist. Von einer akuten klinischen Mastitis spricht man, wenn zusätzlich offensichtliche Entzündungssymptome an der Drüse festgestellt werden. Chronische Mastitiden werden charakterisiert durch längerfristiges Nichtansprechen auf therapeutische Maßnahmen. Betroffene Euterviertel können kleiner werden, weniger Milch geben und zeitlebens anomale klinische Befunde aufweisen.

Der Zellgehalt der Milch ist ein Ausdruck der zellulären Abwehr des Euters und somit stark variabel. Eine strenge Grenzlinie zwischen gesund und krank kann nicht gezogen werden. Es ist nach derzeitigem Kenntnisstand anzunehmen, dass ab einer Zellzahl von 100.000 Zellen pro Milliliter mit hoher Wahrscheinlichkeit eine entzündliche Erkrankung der Milchdrüse vorliegt.

Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft nennt als Orientierungswert Tankmilchzellgehalte von mehr als 250.000 Zellen je Milliliter im geometrischen bzw. mehr als 300.000 Zellen je Milliliter im arithmetischen Mittel über drei Monate. Bei Überschreitung werden zusätzliche Eutergesundheitsmaßnahmen erforderlich.

Bei Herdengrößen über 100 Tieren gilt als weitgehend gesichert, dass Tankzellzahlen von mehr als 250.000 Zellen je Milliliter auf erhebliche Eutergesundheitsstörungen hinweisen. Ein Anteil von über zehn Prozent an Kühen mit Gesamtgemelkszellzahlen oberhalb von 400.000 Zellen je Milliliter ist als Warnsignal zu sehen. Allerdings lässt der Tankmilchzellgehalt nur sehr ungenaue Rückschlüsse auf das Mastitisgeschehen zu, sicherer sind Untersuchungen von Viertelgemelken.

Vorbeugung

Bei der Bekämpfung der Mastitis sind alle Maßnahmen zur Vorbeuge entscheidend. Dazu zählt die Kontaminations- und Invasionsbegrenzung sowie die Abwehrsteigerung im Euter, die auf die Einflussfaktoren Mensch, Einzeltier, Herde, Erreger und Umwelt abgestimmt werden muss. Dazu kommt die Gewährleistung einer möglichst stressarmen Umwelt, um die Tiere in einem physiologischen Gleichgewicht zu halten.

Behandlung

Ziel des Einsatzes antibiotischer Therapeutika zur Behandlung von Mastitiden ist die Verkürzung der Erkrankungsdauer und eine Verringerung der Neuinfektionsrate. Nach dem Zeitpunkt der Therapie unterscheidet man die Laktations- von der Trockenstelltherapie. Mit der Therapie sollen die Mastitiserreger reduziert und so die Effizienz der immunologischen Mechanismen im Sinne einer Selbstheilung gesteigert werden.

Für akut entzündete Euter stehen chemotherapeutische Wirkstoffe für die Einbringung über den Strichkanal zur Verfügung. Allerdings hat man beobachtet, dass alle über den Strichkanal angewendeten Antibiotika die Zellreaktionen im Eutergewebe über längere Zeit erhöhen. Bei systemischer Applikation muss sich der Wirkstoff im Eutergewebe und im Sekret anreichern, um eine ausreichende Wirkstoffkonzentration zu gewährleisten.

Die Heilungserfolge liegen je nach Definition zwischen 50 und 93 Prozent für klinische, 22 und 93 Prozent für bakteriologische sowie 14 und 76 Prozent für vollständige (bakteriozytologische) Heilungen.

Vielfach wird die Anwendung antibiotischer Trockensteller aufgrund ihrer therapeutischen und präventiven Wirkung empfohlen. Allerdings muss man auch hier die unbefriedigenden Heilungs- und Präventionsergebnisse betrachten. Unter ökonomischen und ökologischen Aspekten ist von einer generellen, nicht den Einzeltierstatus berücksichtigenden Anwendung abzusehen. Zudem ist es unbedingt notwendig, ausreichende flankierende Maßnahmen und ein ausgewogenes hygienisch-therapeutisches Konzept zu gewährleisten.

Die begrenzte Zahl an wissenschaftlichen Studien über den Einsatz von Homöopathika bei Mastitiden lässt eine einheitliche Beurteilung des Behandlungserfolges bislang nicht zu. Die größte Schwierigkeit in der homöopathischen Mastitistherapie und -prophylaxe liegt im Problem, das korrekte Mittel zu finden und der häufig mangelnden Erfahrung der Therapeuten.

Literatur

  • Leitlinien zur Behandlung der Mastitis des Rindes als Bestandsproblem, 4. Auflage 2002, Gießen, DVG
  • Krömker, V. (2006): Kurzes Lehrbuch der Milchkunde und Milchhygiene. Parey Verlag, Stuttgart

Aus der Forschung - für die Praxis

Milchvieh: Vorbeugende Tiergesundheitskonzepte

Euterentzündungen, Lahmheiten und Stoffwechselstörungen bei Milchkühen stellen ökologische Landwirte ebenso wie ihre konventionellen Kollegen vor große Herausforderungen. Tierärzte und Berater sind überzeugt, dass die Tiergesundheit verbessert werden kann. Dazu muss vor allem vorhandenes Wissen besser umgesetzt werden.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtPräventive Tiergesundheitskonzepte in der ökologischen Milchviehhaltung (FKZ 03OE406)

Aus der Forschung - für die Praxis

Einsatz von Homöopathika gegen Mastiden

Euterentzündungen (Mastitiden) zählen zu den wirtschaftlich bedeutendsten Krankheiten in der Haltung von Milchrindern. Ihre Behandlung erfolgt derzeit meist durch Antibiotika, auch in biologisch wirtschaftenden Milchviehbetrieben. Aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit ist Biomilch bei Antibiotokaverabreichung für zehn Tage nach der Kalbung nicht verkehrsfähig, was erhebliche ökonomische Verluste für den Bio-Landwirt bedeuten kann. Daher sollte in einem Forschungsvorhaben ein Therapiesystem entwickelt werden, in dem antibiotische Trockensteller durch homöopathische Nosoden ersetzt werden.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtKlinische Prüfung von Homöopathika (Nosoden) in der Kontrolle von Mastitiden des Rindes (FKZ 02OE410)

Aus der Forschung - für die Praxis:

Tierarzneimitteleinsatz in der Ökomilchviehhaltung reduzieren

Tierhaltende Biobetriebe wollen ein hohes Niveau an Tiergesundheit und Wohlergehen durch gutes Management erreichen. Ziel des europäischen Forschungsvorhabens ANIPLAN war es, den Tierarzneimitteleinsatz in der ökologischen Milchviehhaltung durch aktive Tiergesundheitsplanung zu senken. An dem dreijährigen Verbundprojekt waren elf Forschungsinstitutionen in sieben europäischen Ländern beteiligt. Im deutschen Teilprojekt wurden betriebsindividuelle Tiergesundheitspläne entwickelt und optimiert sowie regionale "stable schools" zur Tiergesundheit und Tiergerechtheit initiiert.

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowMinimising medicine use in Organic dairy herds through animal Health and welfare planning (2006-1903)

Aus der Forschung - für die Praxis:

Einstreumaterialien und -Management in der Ökomilchviehhaltung

Die Richtlinien des ökologischen Landbaus schreiben für Säugetiere als Einstreu natürliche Materialien wie Stroh vor, um den Tieren Komfort und Wohlbefinden zu gewährleisten. Organische Einstreumaterialien können jedoch auch Mastitiserregern optimale Wachstumsbedingungen bieten und somit die Entstehung von Euterentzündungen begünstigen. In einem Forschungsprojekt haben Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts und der Fachhochschule Hannover auf 106 Projektbetrieben Daten zum Einstreumanagement erhoben und das Einstreumaterial beurteilt. Auf 30 dieser Betriebe nahmen die Wissenschaftler zudem Proben der Einstreu, Tupferproben der Zitzenhaut und des -kanals sowie Viertelanfangsgemelksproben.

Auf den untersuchten Betrieben wurde überwiegend Stroh von guter bis sehr guter Qualität als Einstreumaterial eingesetzt. Die Forscher stellten keine grundsätzlich im Ökolandbau vorhandenen Risikofaktoren fest, vielmehr machten sie einzelbetriebliche Schwachpunkte aus. Auf den 30 genauer untersuchten Betrieben wurden die empfohlenen Grenzwerte für den Besatz der Einstreu mit äskulinpositiven Streptokokken und E. coli nur selten überschritten. Dafür fanden die Wissenschaftler im Großteil der Proben coliforme Erreger in kritischer Anzahl. Diese Grenzwertüberschreitungen konnten jedoch nicht mit speziellen Managementmaßnahmen in Verbindung gebracht werden.

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowEinstreumaterialien und -Management - ihre Bedeutung für die Entwicklung von Mastitiserregern und das Infektionsgeschehen in der Ökologischen Milchviehhaltung

Letzte Aktualisierung: 10.01.2012

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