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Milchfieber, Gebärparese

 
Milchkühe am Fressgitter. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine bedarfsgerechte Fütterung ist die beste Gesundheitsvorsorge.
(c) FiBL

Milchfieber, auch Gebärparese genannt, ist eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen der Milchkuh. Ausgelöst wird die Krankheit durch akuten Calcium-Mangel nach der Geburt.

Mit 20 Kilogramm Milch werden etwa 24 Gramm Calcium ausgeschieden. Das ist ein vielfaches dessen, was im Körper direkt verfügbar ist. In der Folge wird die aktive Aufnahme von Calcium aus dem Futter sowie die Mobilisation aus den Knochen aktiviert. Die Calcium-Aufnahme erfolgt jedoch bei den betroffenen Tieren nicht mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Calcium-Abgabe, so dass es zu dem Defizit kommt.

Bei Milchfieber kommt es wenige Stunden bis zu drei Tage nach der Geburt  zu verringerter Futteraufnahme, Muskelzittern, unsicherem Gang, verminderter Pansentätigkeit und Festliegen. In schweren Fällen oder nach längerer Dauer fallen die Tiere in ein Koma und können ohne Behandlung verenden.

Entstehung

An der Entstehung des auch Gebärparese genannten Milchfiebers sind unter anderem folgende Faktoren ursächlich beteiligt:

  • Hohes Calcium-Phosphor-Verhältnis vor der Geburt: Werden mehr als 20 bis 25 g Ca über das Futter (2 g pro kg TM) aufgenommen, werden die aktive Calcium-Aufnahme im Darm sowie die Mobilisierung aus dem Knochen stark eingeschränkt.
  • Ungünstige Kationen-Anionen-Bilanz in der Trockenstehzeit: Ein hoher Gehalt an Kationen (K+, Na+) erhöht das Gebärparese-Risiko, ein hoher Anionengehalt (Cl-, SO42-) senkt es. 
  • Hohe Phosphatgehalte in der Ration vor der Geburt: Bei einer Aufnahme von mehr als 80 g pro Tag kommt es zu einer Hemmung der Vitamin-D3-Synthese und damit zu einer verringerten Calcium-Aufnahme im Darm.
  • Abrupte Futterumstellungen kurz vor der Geburt: Durch eine schnelle Umstellung hin zu einer energiereichen Ration kommt es zu einer Verminderung der Futter- und damit auch der Calciumaufnahme nach der Geburt. Dies verstärkt den Mangel noch zusätzlich.
  • Steigendes Alter (>3 Jahre): Mit dem Alter nimmt die Zahl der Vitamin-D-Rezeptoren im Darm ab, so dass weniger Calcium aufgenommen werden kann. Auch die Mobilisierung aus dem Knochen ist verlangsamt.
  • Hohe Milch-Einsatzleistungen nach der Geburt: Der bei der Gebärparese regelmäßig zu beobachtende Phosphormangel ist ebenfalls Folge einer unzureichenden Aufnahme aus dem Darm bei gleichzeitig erhöhter Ausscheidung über Milch, Urin und Speichel. Diese Prozesse sind hormongesteuert.

Vorbeugung

Zum Vorbeugen tragen folgende Maßnahmen bei:

  • Verabreichung einer calciumarmen und phosphorreichen Ration vor der Geburt (Calcium:Phosphor-Verhältnis 1:1, besser 1:2; Ca-Aufnahme 3 g/kg Trockenmasse) 
  • Senkung des pH-Wertes in der Ration in den letzten zwei Wochen vor der Geburt durch organische Säuren (Essigsäure) oder saure Salze (z.B. 100-140 g NH4Cl /Tag und Kuh). Das Kationen-Anionen-Verhältnis in der Trockensteh-Ration sollte negativ sein. Ansäuern der Ration mit sauren Salzen fördert die Resorption von Calcium, da Calcium dann stärker als Ion in der Ration vorliegt.
  • Angebot großer Mengen von Calcium (2-3 x 100 g CaCl2) zwischen 24 Stunden vor und 24 Stunden nach der Geburt oral
  • Verabreichung von Vitamin D3 oder Metaboliten drei bis fünf Tage vor der Geburt

Aus der Forschung - für die Praxis:

Tierarzneimitteleinsatz in der Ökomilchviehhaltung reduzieren

Tierhaltende Biobetriebe wollen ein hohes Niveau an Tiergesundheit und Wohlergehen durch gutes Management erreichen. Ziel des europäischen Forschungsvorhabens ANIPLAN war es, den Tierarzneimitteleinsatz in der ökologischen Milchviehhaltung durch aktive Tiergesundheitsplanung zu senken. An dem dreijährigen Verbundprojekt waren elf Forschungsinstitutionen in sieben europäischen Ländern beteiligt. Im deutschen Teilprojekt wurden betriebsindividuelle Tiergesundheitspläne entwickelt und optimiert sowie regionale "stable schools" zur Tiergesundheit und Tiergerechtheit initiiert.

Näheres zum Projekt:

Opens external link in current windowMinimising medicine use in Organic dairy herds through animal Health and welfare planning (2006-1903)

Letzte Aktualisierung: 10.01.2012

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