Paratuberkulose, IBR und BVD/MD
Paratuberkulose
gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Rindererkrankungen, da der Verdacht besteht, dass es über den Milchkonsum zu Erkrankungen beim Menschen kommen kann. Den betroffenen Tieren sind häufig keine Krankheitssymptome anzusehen, auch eine verringerte Leistung tritt wahrscheinlich erst später auf. Häufig werden Kälber über die Biestmilch erkrankter Mütter oder über andere Kühe infiziert. Da der Erreger auch im Freien lange überlebensfähig ist, kann er über das Futter wieder aufgenommen werden. Daher ist entscheidend, die bakterienausscheidenden Tiere festzustellen und auszuselektieren - was im Einzelfall gar nicht so einfach ist, da der Test nicht unbedingt eindeutig ist. Es wird angenommen, dass durchschnittlich 15 bis 20 Prozent der Herde betroffen sind.
IBR (Infektiöse Bovine Rhinotracheitis)
Diese hochgradig ansteckende Krankheit verläuft nach wenigen Tagen Inkubationszeit mit hohem Fieber und Anzeichen von Erkältungskrankheiten sowie Appetitlosigkeit und endet nicht selten tödlich. Eindeutig geklärt ist der Übertragungsweg noch nicht - doch spielt Stress im Management eine Verbreitungsrolle. Gegen diese Krankheit wird inzwischen geimpft (Impfbestimmungen der Bundesländer beachten!). Sie ist in vielen Herden anzutreffen, ohne dass sie je zum Ausbruch kommt.
Gegen alle Atemwegserkrankungen gilt es vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, die in der Rinderhaltung leicht möglich sind:
- frühzeitige Gabe von Kolostralmilch
- gut belüftete, zugfreie Ställe
Wenn weiterhin Probleme bestehen, kann für größere Einheiten nach Lösungen gesucht werden durch
- geschlossene Systeme von der Zucht bis zur Mast
- stallspezifische Impfstoffe.
Zur Behandlung stehen neben konventionellen Antibiotika (einmalige Anwendung bei Masttieren!) auch Homöopathika - nach tierärztlicher Verschreibung - zur Verfügung.
BVD/MD (Bovine Virusdiarrhoe/Mucosal Disease)
Die BVD/MD ist eine weltweit verbreitete Virusinfektion des Rindes, die auch in Deutschland endemisch ist. Sie führt in der Rinderhaltung zu massiven wirtschaftlichen Verlusten. In Abhängigkeit von der Virulenz (krank machenden Eigenschaften) des Virusstammes und der individuellen Abwehrlage des Tieres verlaufen die Infektionen oft symptomlos als subklinische Infektionen oder einhergehend mit Durchfällen, respiratorischen Erkrankungen und Leistungsabfall. Es werden aber auch schwere Erkrankungsfälle mit Todesfällen als Folge von unstillbaren Durchfällen und generalisierten Hämorrhagien beobachtet (Genotyp II). Nach überstandener Infektion (transiente Infektion) vermitteln körpereigene, gegen das BVDV gebildete Antikörper jahrelangen Schutz.
PI-Tiere scheiden lebenslang große Mengen an BVDV aus und spielen die Hauptrolle bei der Übertragung der Infektion. Ungefähr die Hälfte der PI-Tiere ist bei der Geburt klinisch gesund. Die andere Hälfte bleibt in der Entwicklung zurück und wird als "Kümmerer " auffällig. Die meisten (etwa 90 Prozent) PI-Tiere sterben im ersten Lebensjahr an Mucosal Disease (MD), einer Sonderform der BVDV-Infektion. Es werden jedoch auch fünf- bis siebenjährige Kühe als persistent infiziert erkannt. PI-Tiere gebären immer PI-Tiere
Ziel jeglicher Vorbeugungsmaßnahmen ist die Verhinderung der Entstehung von PI-Tieren, welche die Hauptrolle bei der Übertragung der Infektion spielen. Trächtige Rinder müssen vor der Infektion geschützt werden. Durch Hygienemaßnahmen, kontrollierte Zukäufe und Impfung kann das Infektionsrisiko vermindert werden.
Bei der Bekämpfung der BVDV-Infektion steht das Auffinden und Entfernen von PI-Tieren und die Verhinderung des Viehverkehrs mit PI-Tieren im Vordergrund. Die vollständige Eliminierung (Eradikation) des BVDV aus der Rinderpopulation stellt den letzten Schritt dar.
"Freie" Bestände sind nicht anzustreben (wegen ungeschützter Immunität), wohl aber der "unverdächtige" Status. Dauerausscheider merzen und Wiedereinschleppung verhindern. Stallspezifische Impfstoffe sind möglich.
Letzte Aktualisierung: 10.01.2012
