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Praktikerbericht zur Zucht auf Lebensleistung

 

Ganzheitliches und nachhaltiges Wirtschaften wird auf dem Betrieb von  Martin Ertl in Kärnten (Österreich) groß geschrieben. Bereits vor der Umstellung auf die ökologische Bewirtschaftung hatte der Betrieb eine erfolgreiche Milchviehhaltung und war bekannt für seine Zuchttiere. Zwei Erfahrungen führten Martin Ertl schließlich zur Umstellung und zur Zucht auf Lebensleistung: Während eines Praktikums 1976 auf einem Milchviehbetrieb in den USA wurde er mit Gesundheitsproblemen konfrontiert, die er bis dahin nicht kannte. Hinzu kam ein Vortrag von Prof. Bakels (siehe unten).

Betriebsspiegel

Der Betriebsspiegel zeigt die wichtigsten Merkmale der heutigen Bewirtschaftung auf:

  • Auf dem Hof leben die Großmutter, Eltern, fünf Kinder von 15 bis 24 Jahren, im Sommer manchmal ein Praktikant.
  • 20 Hektar Dauergrünland, 20 Hektar Acker, davon 15 Hektar gepachtet, 25 Hektar Wald, 125 Hektar Alm (1400 m bis 2000 m Seehöhe), 40 Kilometer vom Hof entfernt.
  • Biomasseheizwerk, gemeinsam mit einem zweiten Bauern.
  • Seit 1979 wird der Hof biologisch bewirtschaftet (Verband "Ernte für das Leben").
  • Düngung: Mistkompost, Jauche, Urgesteinsmehl, Kalk.
  • Fruchtfolge: Luzernegras (3 Jahre), Dinkel, Roggen, Silomais, Weizen.
  • Fütterung: Es wird nur auf dem Hof erzeugtes Futter verfüttert. 
    • Im Sommer: Weidegang, zusätzlich Luzernegras und Kleegras im Stall. 
    • Im Winter: Heu, Maissilage und Grassilage.
    • Zusätzlich werden bis zu 200 Kilogramm eigenes Getreideschrot pro Kuh pro Jahr, Salz und Mineralstoffe verfüttert.
  • Bei den guten, älteren Kühen werden bewusst längere Zwischenkalbezeit eingehalten. Die Belegung erfolgt etwa 150-160 Tage nach der Kalbung (spätreife Kühe haben eine sehr gute Persistenz, daher ist das Trockenstellen ohne Antibiotika sehr schwierig).
  • Die Kälber bleiben ein bis zwei Wochen bei der Kuh und bekommen dann vier Monate Vollmilch.
    Quelle: Martin Ertl (2003)

In Österreich lag im Zeitraum 2000 bis 2001 der Anteil der Herde mit einer durchschnittlichen Lebensleistung von 50.000 bei 4,6 Prozent (nur Betriebe mit Kühen der Rasse Holstein-Friesian). Demgegenüber liegt auf dem Betrieb Ertl im Zeitraum von 1994 bis 2003 der Anteil an Kühen, mit einer Lebensleistung (LL) von 50.000 Kilogramm Milch und mehr nahezu fünfmal höher.  

Anteil der Kühe mit hohen Lebensleistungen (in den Jahren 1994-2003)

Lebensleistung (kg)

Anzahl Kühe

Anteil der Herde (%)

Quelle: Martin Ertl (2003)
* die Summe dieser Prozentzahlen ergibt nicht 100, da es so gelesen werden muss: 50,8 % der Gesamtherde erreichen mehr als 30.000 kg LL, aber nur 38,0 % der Gesamtherde erreichen mehr als 40.000 kg LL etc.

über 50.000

7,2

24,0*

über 40.000

11,6

38,0*

über 30.000

17,4

50,8*

Der Erfolg von Martin Ertl, der auch Obmann der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Lebensleistungszüchter (AöLZ) ist, kann anhand folgender Diagrammen verdeutlicht werden.

Kurvendiagramm zur Darstellung der Steigerung der Nutzungsdauer. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Nutzungsdauer konnte kontinuierlich von etwa 2,5 Jahren (1975) auf 9,0 Jahre (2000) gesteigert werden.
(c) Ertl
 
Kurvendiagramm zur Darstellung der Entwicklung der Lebensleistung. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Entwicklung der Lebensleistung verläuft parallel zur der Nutzungsdauer. Sie wurde von etwa 15.000 kg (1975) auf rund 55.000 kg gehoben.
(c) Ertl
 

Dieser Bericht wurde im Oktober 2003 erstellt.

Weitere Informationen:

Literatur-Empfehlung:

POSTLER, G.: Naturgemäße Rinderzucht. Ganzheitliche Betrachtungsweisen in der naturgemäßen Viehwirtschaft. 3.Auflage, 2002, ISSN 0945-876K, Bezug:

Dr. Günter Postler, Hermannsdorf 7, D-85625 Glonn

Literatur:

  • BAKELS, F. (1981): Rinderzucht auf Lebensleistung. Vortragsmanuskript. Besamungsstation Uelzen, BRD.
  • HAIGER, A. (2002): Naturgemäße Rinderzucht. In: Mitgliederinformation, ERNTE für das Leben, Nummer Mai 2002, Seiten 13-17
  • ZOKLITS, M. (2002): Familie Ertl aus Spittal/Drau züchtet nach Prof. Bakels. In: Mitgliederinformation, ERNTE für das Leben, Nummer Mai 2002, Seiten 25-27

Letzte Aktualisierung: 10.01.2012

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