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Mutterkühe - Rassenwahl

 

Die Wahl der "richtigen" Rasse ist bei allen Tierarten und Nutzungsrichtungen, so auch im ökologischen Landbau, von den Anforderungen an das Produkt bestimmt. Zum Anderen sind die Gegebenheiten des Standortes und die Qualität der Futteraufwüchse ausschlaggebend für die Rasenwahl. Dort, wo die Mutterkuhhaltung im Nebenerwerb oder als nachrangiger Betriebszweig ausgeübt wird, ist die Rassenentscheidung oft weniger mit wirtschaftlichen Kriterien verbunden. Mögliche Motivationen sind etwa die Absicht, einen Beitrag zur Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen zu leisten (Pinzgauer, Murnau Werdenfelser, Tiroler Grauvieh etc.), die Präferenz für zurückgedrängte Lokalrassen (zum Beispiel Gelbvieh, Vogelsberger Rind ) oder eine Vorliebe für selten vorkommende Spezialrassen.

Erfolgt die Rassenwahl mit Blick auf die Bedingungen am Markt, sollten gerade im ökologischen Landbau bei der Rassenwahl die spezifischen Erzeugungsbedingungen (höhere Kraftfutterkosten, geringere Bedeutung von Maissilage als Grundfutter etc.) beachtet werden.

Checkliste für die Rassen-Entscheidung in der Mutterkuhhaltung

  • Welche Vermarktungswege sollen bedient werden?
    • Fleisch-Direktvermarktung von Absetzern: Angus, Hereford, Fleckvieh, Limousin, Pinzgauer, Salers, Galloway, Hochlandrind
    • Fleisch-Direktvermarktung von Jungmastrindern:
      Angus, Fleckvieh, Limousin, Hereford, Pinzgauer, Salers, Galloway, Hochlandrind
    • Fleisch-Direktvermarktung von ausgemästeten Tieren: Angus, Fleckvieh, Limousin, Hereford, Pinzgauer, Salers, Galloway, Hochlandrind
    • Absetzerverkauf für die Weitermast an Ökobetriebe: Charolais, Fleckvieh, Limousin, Pinzgauer, Salers
    • Absetzerverkauf für die Weitermast an konventionelle Betriebe: Charolais, Limousin, Fleckvieh, Blonde d’Aquitaine, Pinzgauer, Salers
  • Welche Futtergrundlage ist vorhanden?
    • extensives Grünland, Ganzjahresweide: Galloway, Hochlandrind, Angus
    • mittlere Grünlandstandorte und/ oder Kleegrassilagen: (Angus), Fleckvieh, Limousin, Pinzgauer, Salers, Blonde d’Aquitaine, Charolais

Nachfolgend werden für die einzelnen Rassengruppen einige Rinderrassen hinsichtlich ihrer Eignung für die Mutterkuhhaltung beschrieben. Die Auswahl erfolgte exemplarisch und stellt keine Aufwertung genannter oder Abwertung nicht genannter Rassen dar.

Rassengruppen

Nachfolgend werden für die einzelnen Rassengruppen einige Rinderrassen hinsichtlich ihrer Eignung für die Mutterkuhhaltung beschrieben. Die Auswahl erfolgte exemplarisch und stellt keine Aufwertung genannter oder Abwertung nicht genannter Rassen dar.

Zuordnung der Rassengruppen

  • klein- bis mittelrahmige Robustrassen: Galloway, Hochlandrind
  • mittelrahmige Fleischrassen: Angus, Hereford
  • mittel- bis großrahmige Fleisch- oder Zweinutzungsrassen: Charolais, Fleckvieh, Limousin, Pinzgauer, Salers
  • großrahmige Intensivrassen: Blonde d’Aquitaine, Charolais

Klein- bis mittelrahmige Robustrassen für die Direktvermarktung

Schottische Hochlandrinder
Schottische Hochlandrinder sind robuste Freiland-Fleischrinder mit feinfaserigem, wohlschmeckenden Fleich.
(c) BLE, Foto: T. Stephan

Diese genügsame Rassengruppe ist bestgeeignet für die ganzjährige Freilandhaltung und zur Verwertung von extensivem Restgrünland.

  • Galloway zeichnen sich durch eine ausgezeichnete Fleischqualität bei relativ kleinem Schlachtkörper aus.
  • Hochlandrinder (Highlandcattle) sind robuste Freiland-Fleischrinder und stammen ursprünglich aus dem schottischen Hochland. Das Fleisch ist feinfaserig und wohlschmeckend.
  • Weitere Beispiele: Welsh Black

Mittelrahmige Rassen - besonders für Direktvermarktung geeignet

Schwarze Angus-Herde mit rotem Angus-Bullen
Das Angus-Rind ist ein robustes Fleischrind, je nach Futtergrundlage mit mittleren bis guten Tageszunahmen und schneller Jugendentwicklung. Schwarze Angus-Mutterhuhherde mit rotem Angus-Bullen.
(c) Binder

Diese Rassengruppe kann, bedingt durch das geltende Handelsklassensystem, die genetisch bedingten Fleischqualitätsvorteile nicht immer ausspielen. Ihr Vorteil ist unter anderem das schnelle Wachstum und die damit verbundene hohe Umtriebsrate.

  • Angus: Das Fleisch der Angus-Rinder ist durch eine genetisch bedingt feine Fleischfaser und einen hohen intramuskulärem Fett-(IMF)-Gehalt gut marmoriert und ausgesprochen zart. Insbesondere Färsen erreichen auch bei höherer Energiedichte im Futter nicht immer die wunschgemäßen hohen Schlachtkörpergewichte und Klassifizierungsergebnisse. Die genetisch hornlose Angus-Rasse ist in der Haltung relativ unkompliziert.
  • Weitere Beispiele: Aberdeen Angus, Hereford

Großrahmige Rassen für die Direktvermarktung und/ oder Weitermast

Ochse der Rasse Blonde d'Aquitaine
Diese großrahmigen langen Tiere zeichnen sich durch einfache Haltung aus, da sie relativ anspruchslos und robust sind. Blonde d'Aquitaine-Ochse.
(c) Binder

Die Masttiere erreichen ihr Leistungsvermögen nur bei hoher Energiedichte im Futter. Die notwendige Kraftfuttergabe und/ oder die erforderlichen Grundfutteranteile aus Maissilage machen die erfolgreiche Haltung auf extnsiven Grünlandstandorten schwieriger

  • Blonde d´Aquitaine: Sie weisen wegen des feingliedrigen Knochenbaus eine hervorragende Ausschlachtung auf.
  • Charolais sind eher für die intensive Fleischrinderhaltung ideal. Sie sind sehr robust und besitzen einen hohen Fleischanteil. Diese französische Fleischrinderrasse bietet eine gute Tageszunahme. Ihre Mutterkuhkälber werden in der Weitermast gut nachgefragt.
  • Weitere Beispiele: Chianina, Piemonteser

Mittelrahmige Rassen für Weitermast und Direktvermarktung

Fleckvieh-Mutterkuh mit Kreuzungskalb
Das Fleckvieh ist ein sehr verbreitetes Rind für die Milch- und Fleischproduktion.
(c) Binder

Besonders bei verbesserter Futtergrundlage (Mais/Getreideschrot) können mit dieser Rassengruppe erfolgreich unterschiedliche Märkte bedient werden.

  • Fleckvieh: Als Zweinutzungsrasse wird das Fleckvieh insbesondere zur Steigerung der Milchleistung für die Kreuzung mit Fleischrinderrassen eingesetzt.
  • Limousin: Dieses französische Fleischrind besitzt einen mittleren Rahmen und erreicht gute Tageszunahmen mit einer hohen Schlachtausbeute. Die Rasse wird besonders auf der Vaterseite gerne für Kreuzungen mit Zweinutzungsrassen verwendet und bringt bei unterschiedlicher Fütterungsintensität und unterschiedlichen Mastendgewichten gute Leistungs- und Qualitätsergebnisse.
  • Weitere Beispiele: Uckermärker, Luing, Gelbvieh. Zur Kreuzung mit Fleischrassen: Braunvieh, Holstein

Lokalrassen

Beispiele für ursprünglich nur lokal bedeutende Rassen.

  • Pinzgauer werden im Ursprungsgebiet (die Hohen Tauern in Österreich) sowohl für die Milch- als auch die Fleischproduktion genutzt.
  • Die Salers aus dem französichen Zentralmassiv haben insbesondere in den neuen Bundesländern Bedeutung in der Fleischrinderhaltung erlangt.

Bei beiden Rassen führt das feinfaserige Fleisch zu wachsender Beliebtheit in der Direktvermarktung und bei der Belieferung qualitätsorientierter lokaler Gastronomiebetriebe.

Weitere Bespiele: Murnau-Werdenfelser, Tuxer Rind, Waldviertler Blondvieh, Tiroler Grauvieh

Letzte Aktualisierung: 10.01.2012

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