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Literatur

  • Hans Hinrich Sambraus: Exotische Rinder (2006). Ulmer Verlag, ISBN 978-3-8001-1778-9
  • Simon Blodau: Stand und Perspektiven der Bisonhaltung in Deutschland (Bachelorarbeit an der Fachhochschule Eberswalde, 2008)

Exotische Rinder – eine Einkommensalternative?

 

In Deutschland werden immer mehr exotische Rinder wie Bisons, Büffel, Wisente und Zebus als Nutztiere gehalten. Die Rinder werden in erster Linie als Fleischlieferanten und für die Landschaftspflege genutzt; bei Büffeln ist zudem die Milchproduktion von Bedeutung. Exotische Rinder werden im Haupt- oder Nebenerwerb von konventionellen oder Biobetrieben gehalten. Für Biobetriebe kann die Haltung dieser Rinder eine interessante Einkommensalternative darstellen, da sie extensiv in ganzjähriger Weidehaltung gehalten werden können, bezüglich der Fütterung relativ anspruchslos und in der Landschaftspflege einsetzbar sind. Das Fleisch exotischer Rinder ist ein gefragtes Nischenprodukt, dessen Markt stetig wächst. Dabei stehen aus Verbrauchersicht die Aspekte extensive Haltung, Feinkost und Gesundheit im Mittelpunkt.

Bisons – anspruchslos in Haltung und Futter

Bisonkuh mit Kalb
Bisons haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten.
Foto: Bio-Bison Weideland GbR Wust

Das Bison (Bison bison) stammt ursprünglich aus der nordamerikanischen Prärie. Bisons haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und leben in großen Familienverbänden mit bestimmtem Rangverhältnis. Bisonkühe sind von Juli bis Anfang August brünstig und können in wirtschaftlicher Haltung jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Sie werden vor allem zur Fleischerzeugung genutzt. Auch die Nebenprodukte wie Fell und Schädel können vermarktet werden. Nicht zuletzt stellen Bisonherden auch eine touristische Attraktion dar.

Seit Mitte der 1980er Jahren werden in Mitteleuropa nordamerikanische Bisons gehalten, die Zahl Tiere und Betriebe nimmt seither stetig zu. Bei der Haltung von Bisons gilt es zu beachten, dass diese nicht als landwirtschaftliche Nutztiere gelten. Werden sie gewerbsmäßig gehalten, ist eine Genehmigung nach § 11 des Tierschutzgesetzes erforderlich. Weiterhin ist eine Genehmigung zum Betrieb eines Wildgeheges nach Bundesnaturschutzrecht obligatorisch.

Im Jahr 2004 wurden hierzulande rund 700 Bisons gehalten. Da die Tiere sehr robust, widerstandsfähig und anspruchslos sind, kommen sie mit den hiesigen Gegebenheiten gut zurecht. Üblich ist die ganzjährige Freilandhaltung, die den natürlich Ansprüchen und Bedürfnissen der Tiere am nächsten kommt. Um den Aufwuchs optimal zu nutzen, werden Umtriebsweiden empfohlen. Ist nicht genügend Aufwuchs vorhanden, muss Raufutter zugefüttert werden. Kraftfutter wird nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Minerallecksteine sowie der ständige Zugang zu sauberem und eisfreiem Tränkwasser sollten zur Verfügung stehen.

Ein Witterungsschutz sollte den Tieren bei nasskaltem und auch bei sehr heißem Wetter angeboten werden. Dazu können natürliche Schutzmöglichkeiten wie immergrüne Hecken, Büsche und Waldränder genutzt, aber auch Schutzwände aus Strohballen aufgebaut werden. Nur bei extremen Witterungen ist ein einseitig geschlossener Unterstand mit Dach notwendig. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Witterungsschutz allen Tieren der Herde ausreichend Platz bietet.

Ein wichtiger Aspekt bei der Bisonhaltung ist die Umzäunung. Es sollte eine Höhe von mindestens 1,6 Metern eingehalten werden. Der Außenzaun muss außerdem sehr stabil sein, da bei vermeintlicher Gefahr das Fluchtverhalten einsetzt und dabei alles im Weg stehende überrannt wird. Daran lässt sich erkennen, dass im Umgang mit den als Wildtieren geltenden Bisons Vorsicht geboten ist. Die Tiere werden nie handzahm; deshalb sind alle Maßnahmen, die am Tier durchgeführt werden müssen, mit einem vergleichsweise hohen Aufwand verbunden. Um die Tiere zu fixieren, ist eine Fanganlage nötig, die optimalerweise aus einem Korral, einem Treibgang und dem Behandlungsstand besteht. Diese Anlage sollte sich außerdem auf der Weide befinden, um die Tiere daran zu gewöhnen.

Bisonfleisch ähnelt im Geschmack Rindfleisch, hat aber aus ernährungsphysiologischer Sicht etwas andere Eigenschaften: Im Vergleich zu Rindfleisch ist der Fett- und Energiegehalt niedriger, der Proteingehalt aber deutlich höher. Daneben ist das Fettsäuremuster günstig und der Eisen- und Selengehalt hoch. Abhängig vom Produkt liegt der Erlös pro Kilogramm Schlachtgewicht bei rund zehn bis zwölf Euro (2008).

Da die Schlachtung im Schlachthof für die nicht domestizierten Tiere einen immensen Stressfaktor darstellen würde, werden Bisons auf der Weide mittels Kopf- oder Trägerschuss betäubt und anschließend ausgeblutet. Dafür sind Ausnahmegenehmigungen bezüglich der Tierschutzschlachtverordnung und des Waffenrechts nötig. In der Regel werden die Tiere nach dem Ausbluten zu einer Schlachterei gebracht, wo das Ausnehmen und die Fleischbeschau erfolgen.
Aus ökonomischer Sicht sprechen die bessere Futterverwertung im Vergleich zu Rindern sowie die höheren Fleischpreise für die Bisonhaltung. Daneben ist aufgrund der extensiven Haltung der Arbeitsaufwand relativ gering. Jedoch sind mit der Bisonhaltung einzelne arbeitsintensive Tätigkeiten wie der Herdenumtrieb und das Durchführen der Routinemaßnahmen unter Fixierung verbunden. Dazu kommen die Anfangsinvestitionen für eine bisonsichere Umzäunung, einen Witterungsschutz und eine Fangeinrichtung zur Durchführung von Routinemaßnahmen und zur Behandlung im Krankheitsfall. Da aber kein Stallgebäude für die Bisonhaltung benötigt wird, ist der Kapitalbedarf dennoch relativ gering. Zwar erzielt Bisonfleisch einen relativ guten Erlös, bedacht werden sollte aber auch das im Vergleich zu Rindern geringere Ausschlachtergebnis von rund 50 Prozent sowie der vergleichsweise hohe Aufwand für die Weideschlachtung. Insgesamt erfordert die Bisonhaltung viel Hintergrundwissen und Erfahrung, nicht zuletzt um die Gefahr im Umgang mit den Tieren zu minimieren.

Büffel – vielfältig nutzbar

Büffel in der Suhle, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Büffel benötigen für ihr Wohlbefinden eine Suhle.
Foto: Biohof Elite

Der Wasserbüffel (Bubalus arnee) stammt ursprünglich aus Südasien und ist seit langer Zeit domestiziert. In Deutschland begann die Büffelhaltung in den 1980er Jahren, seitdem nahm die Anzahl der gehaltenen Tiere auf rund 2000 (im Jahr 2008) zu. Büffel werden gerne in der Landschaftspflege eingesetzt. Vor allem werden sie aber für die Fleischproduktion, zum Teil auch zur Milchproduktion gehalten.

Büffel haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und bilden innerhalb einer Herde eine stabile Sozialstruktur. Die Herde besteht in der Regel aus Mutterkühen mit ihren Kälbern, die Bullen sind eher einzelgängerisch. Büffelkühe können das ganze Jahr über brünstig werden und kalben im Durchschnitt etwa alle zwei Jahre. Da die Kühe im Gegensatz zu Hausrindern noch mit 25 Jahren kalben können, ist die Nutzungsdauer sehr lang.

Büffel können sowohl auf der Weide als auch im Stall gehalten werden. Bei der Weidehaltung ist zu beachten, dass Büffel auf kalten Wind, aber auch auf Hitze empfindlich reagieren. Deshalb sollte Büffeln auf der Weide entweder ein natürlicher Witterungsschutz (Hecken, Waldrand) oder eine Schutzwand (zum Beispiel aus Strohballen) angeboten werden. Bei ganzjähriger Weidehaltung ist ein zwei- bis dreiseitig geschlossener Unterstand vorteilhaft. Wichtig ist die ausreichende Größe des Witterungsschutzes: Bietet er nicht allen Herdenmitgliedern genügend Platz und Ausweichdistanz, wird er nicht angenommen. Die Haltungsform richtet sich in vielen Betrieben nach der Nutzungsrichtung: Mutterkühe werden häufig in extensiver Weidehaltung gehalten, während Büffelkühe, die gemolken werden, im Sommer meist nur zeitweise Zugang zur Weide haben. Aber auch in diesem Fall ist eine permanente Weidehaltung im Sommer möglich; die Tiere werden dann mit einer mobilen Melkeinrichtung auf der Weide gemolken.

Den Winter verbringen Milchbüffel in der Regel im Stall. Sie können auf der Weide auch zusammen mit anderen Hausrinderrassen gehalten werden. Die Umzäunung der Büffelweide sollte sicher und fest sein, eine Mindesthöhe von 1,2 Metern wird empfohlen. Als Beweidungsform werden Portions- oder Umtriebsweiden angeraten, bei ungenügendem Aufwuchs muss zugefüttert werden. Im Winter bietet sich aus Sicht des Wärmehaushalts der Büffel die Liegeboxenlaufstallhaltung mit Laufhof an. Wo die Witterung es erlaubt, ist aber eine ganzjährige Weidehaltung die beste Option. Sowohl auf der Weide als auch im Laufhof ist das Vorhandensein einer Suhle bzw. eines Wasserbeckens erforderlich, da das Suhlen ein natürliches Verhalten zur Thermoregulation und zur Körperpflege darstellt.

Büffel haben grundsätzlich ein ähnliches Nahrungsspektrum wie Hausrinder, sind dabei aber sehr leichtfuttrig. Abgesehen von Weidegras kann ihnen auch Heu und Stroh als Raufutter sowie Gras- und Maissilage angeboten werden. Silage kann aber den Geschmack der Milch verschlechtern und schnell zu Verfettung führen. Die Gabe von Kraftfutter sollte auf ein Minimum reduziert werden, dafür sollten frei zugängliche Minerallecksteine zur Verfügung stehen. Den Tieren muss jederzeit der Zugang zu sauberem, nach Möglichkeit lauwarmem, Trinkwasser ermöglich werden. Aus gesundheitlichen Gründen sollte es vermieden werden, dass die Tiere Wasser aus der Suhle trinken.

Büffel sind als domestizierte Tiere vertrauten Menschen gegenüber zahm und verhalten sich ähnlich wie Hausrinder, sind aber etwas sensibler. Zur Durchführung von Maßnahmen und  Behandlungen ist auf der Weide entweder eine Fang- und Fixiereinrichtung oder ein Viehtriebwagen nötig. Generell gelten Büffel als besonders robust und wenig krankheitsanfällig, sie können aber prinzipiell unter denselben Erkrankungen wie Hausrinder leiden.

Büffel werden in Deutschland oft ganzjährig in der Landschaftspflege zur Offenhaltung von Feuchtgebieten eingesetzt, die aufgrund der hohen Feuchtigkeit nicht gemäht werden können. Für diese Haltungsform eignet sich die extensive Mutterkuhhaltung besonders. Im Winter ist bei ganzjähriger Freilandhaltung aber häufig eine Zufütterung nötig. Jungtiere aus der Mutterkuhhaltung werden häufig zur Fleischproduktion herangezogen. Das Schlachtalter liegt in der Regel zwischen 18 und 19 Monaten. Büffelfleisch ist vergleichbar mit dem Fleisch von Hausrindern, weist aber einen geringeren Fettanteil, ein günstigeres Fettsäurenmuster und einen höheren Anteil an ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf. Daneben ist der Cholesterolgehalt sehr gering und der Protein- und Mineraliengehalt höher als beim Rindfleisch. Je nach Qualität und Sorte werden für Büffelfleisch Erlöse zwischen 6 (Suppenfleisch) und 46 (Rückenfilet) Euro pro Kilogramm erzielt (2008). Geschlachtet werden Büffel entweder im Schlachthof, wo ein speziell für Büffel konzipiertes Bolzenschussgerät verwendet werden muss; mit den entsprechenden Genehmigungen ist auch die Tötung per Kugelschuss auf der Weide möglich, bei Büffeln aber nicht die Regel.

Büffel können auch zur Milcherzeugung gehalten werden, wobei die Milchleistung stark vom Büffeltyp, der Rasse und der Futterversorgung abhängig ist. Die Laktationsperiode ist mit rund 208 Melktagen in der 2. Laktation deutlich kürzer als bei Milchkühen, jedoch gibt es starke Schwankungen der Laktationslänge. Büffelkühe werden zweimal täglich gemolken und sind wegen der physiologischen Gegebenheiten des Euters schlechter melkbar als Hausrinder. Büffelkühe werden mit acht bis 13 Jahren relativ lange genutzt. Büffelmilch weist einen durchschnittlichen Fettgehalt von 8,5 Prozent auf und enthält im Vergleich zu Kuhmilch mehr Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine. Außerdem wird sie von Kuhmilchallergikern meist problemlos vertragen. Büffelmilch wird entweder als Milch vermarktet oder zu Joghurt und Käse, klassischerweise Büffelmozzarella, verarbeitet. Für Frischmilch können Erlöse von bis zu zwei Euro erzielt werden, für Büffelmozzarella rund 2,50 Euro pro 100 Gramm.

Aus ökonomischer Sicht sprechen die bessere Futterverwertung im Vergleich zu Rindern sowie die höheren Erlöse bei Fleisch und Milchprodukten für die Haltung von Büffeln. Der Arbeitszeitbedarf ist stark abhängig von der Haltungs- und Nutzungsform. So bedarf eine extensive Mutterkuhhaltung im Freiland deutlich weniger Arbeitszeit als die Stallhaltung von Milchbüffeln. Je nach der Haltungsform fällt auch der Investitionsbedarf (in der Milchbüffelhaltung zum Beispiel Stall, Melkanlage) unterschiedlich hoch aus. Zwar erzielt Büffelfleisch in guter Qualität einen relativ guten Erlös, bedacht werden sollte aber auch das im Vergleich zu Rindern geringere Ausschlachtergebnis von rund 50 Prozent. Wie auch bei der Bisonhaltung ist die Rentabilität der Büffelhaltung stark abhängig von der Größe der Herde und der Möglichkeit zur Nutzung bereits vorhandener Flächen und Gebäude.

Die Vermarktung der Produkte von Büffeln und Bisons bietet gut Perspektiven, da häufig die Nachfrage größer ist als das Angebot. Die Produkte werden oft direkt (auch über das Internet) vermarktet und die gestiegenen Durchschnittsumsätze in diesem Bereich zeigen, dass dieser Vermarktungszweig für Büffel- und Bisonprodukte geeignet ist. Weitere mögliche sind Metzgereien und Gastronomiebetriebe.

Letzte Aktualisierung: 06.07.2011

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