Zehn Tipps aus der Praxis
Tipp 1: Schließtore an Kraftfutterstationen reduzieren die Verletzungsgefahr
Tipp 2: Kälbergesundheit durch Abkalbeboxen verbessern
Tipp 3: Kälbergesundheit - Haltung optimieren
Tipp 4: Stoffwechselstörungen vorbeugen - Grundfutteraufnahme mit Futterresten steigern
Tipp 5: Stoffwechselstörungen vorbeugen - Gruppenfütterung, aber richtig
Tipp 6: Mykotoxine - Toxinbelastung im Futter vermeiden
Tipp 7: Ketose - Transitfütterung überprüfen
Tipp 8: Fruchtbarkeit durch Stallklima und Licht verbessern
Tipp 9: Proteinversorgung und Tiergesundheit
Tipp 10: Liegekomfort verbessert die Tiergesundheit
Tipp 1: Schließtore an Kraftfutterstationen reduzieren die Verletzungsgefahr
Die Transponderfütterung ist in den ökologischen Laufstallbetrieben meist das Kraftfutterfütterungssystem der Wahl, um teures Kraftfutter gezielt einzusetzen und hohe Einzelgaben zu vermeiden.
Problem: Vielfach können rangniedere Kühe ihr Kraftfutter nicht abrufen, da sie von stärkeren Tieren aus der Station vertrieben werden. Bei diesen Auseinandersetzungen entstehen nicht selten Verletzungen, die neben dem Leiden des schwächeren Tieres einen nicht unbeträchtlichen ökonomischen Schaden anrichten.
Lösung: Automatische Schließtore, in Eigenbauweise oder als Komplettlösung vom Transponderhersteller, können dieses Problem stark reduzieren.
Tipp 2: Kälbergesundheit durch Abkalbeboxen verbessern
Kühe sind im Kalbezeitraum gegenüber Stress besonders empfindlich. Sie haben eine eingeschränkte Beweglichkeit und benötigen für die Geburtsphase viel Platz. Gleichzeitig sind für das neugeborene Kalb möglichst keimarme Bedingungen erforderlich, da es mit wenig Abwehrkräften zur Welt kommt und erst durch das Kolostrum mit umweltspezifischen Antikörpern der Kuh versorgt wird.
Problem: In vielen Betrieben fehlen Abkalbeboxen, oder sie werden wegen ihrer schlechten Lage (beispielsweise mitten im Stall) wenig genutzt. Oft sind sie auch zu klein bemessen.Viele Kühe kalben nach wie vor im Boxenlaufstall oder in Anbindeställen: Verletzungen durch starre Boxeneinrichtungen und harte Bodenoberflächen (Laufgang) und Schwergeburten aufgrund von zu geringer Bewegungsmöglichkeit bei der Abkalbung sind die Folge.
Lösung: Abkalbeboxen sollten großzügig bemessen sein (mindestens 4 x 5 Meter). Hierfür empfiehlt sich der Außenbereich (beisepielsweise Anbauten oder Maschinenhalle), da hier der Kostenfaktor Grundfläche eine geringere Rolle spielt. Auch dem Bedürfnis des Kalbes nach einem keimarmen Geburtsort kommt der Außenbereich entgegen.
Tipp 3: Kälbergesundheit - Haltung optimieren
Die Haltung der Kälber im Kuhstall führt häufig zu extremen Gesundheitsbelastungen. Durchfälle und Grippesymptome sind regelmäßig in immer den gleichen Betrieben zu beobachten.
Problem: Aus geringen Luftaustauschraten im Bereich der Kälberboxen resultiert eine hohe Schadgasaufnahme. Nicht selten sind die Kälber Zugluft ausgesetzt. Oft sind die Möglichkeiten zur Boxendesinfektion erschwert, somit werden Krankheitserreger von Kalb zu Kalb verschleppt.
Lösung: Kälber sollten im Freien, separat vom übrigen Rinderbestand, gehalten werden. Die Lösung der Wahl ist in vielen Fällen das Kälberiglu. Es erfüllt die Anforderungen hinsichtlich Luftqualität und Hygiene bei geringem finanziellem Aufwand. Um die Arbeitsqualität zu verbessern - und insbesondere für Betriebe in windexponierten Lagen - empfiehlt sich der Bau von Schutzdächern und die Aufstellung von Windschutznetzen.
Tipp 4: Stoffwechselstörungen vorbeugen - Grundfutteraufnahme mit Futterresten steigern
Ziel der Fütterung ist eine möglichst hohe Grundfutteraufnahme. Sie gewährleistet eine physiologische Pansentätigkeit und trägt hiermit wesentlich zur Stoffwechselgesundheit der Kuh bei. Neben der Leistung haben die Futterqualität und das Fütterungsmanagement den größten Einfluss auf die Trockensubstanz-Aufnahme.
Optimierung: Bei gleichem Ausgangsmaterial kann die Futteraufnahme noch gesteigert werden, wenn Futterreste von zehn bis 20 Prozent toleriert werden. Somit bekommt die Kuh die Möglichkeit, sich das beste und schmackhafteste Futter auszusuchen. Gleichzeitig steigen hierdurch die Grundfutteraufnahme und die Energiekonzentration des Futters.
Tipp 5: Stoffwechselstörungen vorbeugen - Gruppenfütterung, aber richtig
Die Vorteile der Totalmischration (TMR) sind unbestritten, man kann energiereiche Futterkomponenten mit strukturwirksamen kombinieren und so die Wiederkaugerechtheit der Ration gezielt steuern.
Nachteile: Die Kühe sind in der zweiten Laktationshälfte überversorgt und neigen zum Verfetten. Dadurch steigt das Ketoserisiko in der Folgelaktation. Außerdem ist bei den hohen Kraftfutterkosten im Öko-Landbau der nicht gezielte Kraftfuttereinsatz wirtschaftlich fragwürdig.
Lösung: Eine gezielte Fütterung in getrennten Fressbereichen durch Selektionstore. Dies erlaubt auch im Öko-Landbau den Einsatz der TMR ohne den Nachteil, teures Kraftfutter für niedrig leistende Kühe aufzuwenden und gleichzeitig die Gefahr des Verfettens der Kühe in Kauf zu nehmen.
Tipp 6: Mykotoxine - Toxinbelastung im Futter vermeiden
Toxinaufnahme über das Grundfutter stellt ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar. Toxine belasten das Immunsystem der Kuh und steigern ihre Krankheitsanfälligkeit.
Problem: Hauptquelle sind nicht ausreichend abgeräumte Silagen, bzw. Schimmelschichten in schlecht verdichteten und trockenen Silagen.
Lösung:
Vorbeugende Maßnahmen:
- Alle Schritte des Silierens prüfen und verbessern.
- Futterverschmutzung minimieren, Erde enthält einen natürlich hohen Anteil an Pilzen
- Bei Sandwich-Silagen vor dem erneuten Befüllen den bereits silierten Silostock auf Stellen mit schimmeligem oder fauligem Material kontrollieren und gegebenenfalls abräumen.
- Optimales Walzen im Silo, um einen anaeroben Gärprozess zu gewährleisten.
Fütterungstechnik:
- Silostock vor der Futterentnahme auf verdorbenes Material hin kontrollieren und konsequent abräumen. Diese Zeit bringt einen hohen Stundenlohn!
Tipp 7: Ketose - Transitfütterung überprüfen
In den letzen drei Wochen vor dem Abkalben werden die wesentlichen Voraussetzungen für den Gesundheitsstatus der Kuh in der folgenden Laktation geschaffen.
Problem: Bei sinkendem Futteraufnahmevermögen der Kuh (das Wachstum des Kalbes schränkt das Pansenvolumen ein), steigt der Nährstoffbedarf - für die letzte Entwicklungsphase des werdenden Kalbes und für die Eutervorbereitung. Daher steigt der Bedarf hinsichtlich der Energiekonzentration in der Zeit von der Frühtrockenstehphase bis zur letzten Trächtigkeitswoche von 4,5 auf 6,5 MJ/ kg TS. Oft wird der Mittelwert von etwa 5,5 MJ/ kg TS genommen (in der Praxis entspricht dies etwa dem Heu in der Blüte), um beiden Extremen gerecht zu werden. Die Folge ist, dass die Frühtrockensteher oft verfetten, dagegen in der letzten Phase vor dem Abkalben unter einem Energiedefizit leiden, was besonders bei alten Kühen Ketosen schon vor dem Kalben hervorruft.
Lösung:
- Die Körperkondition (BCS) der Kühe in der Spätlaktation überprüfen. Steigt sie über 3,5, müssen die Kühe vorzeitig trockengestellt werden oder energieärmer gefüttert werden (max. 5,3 MJ/ kg TS.
- Zwei Wochen vor dem Kalben werden die Kühe aus der Trockenengruppe genommen und gezielt angefüttert. Dies geschieht idealerweise in einer separaten Gruppe. Die Ration sollte dann aus dem Grundfutter der laktierenden Kühe bestehen, wenn möglich mit Heu angereichert.
- Kraftfutter sollte langsam angefüttert werden.
- Ist eine separate Haltung nicht möglich, dann kann die Vorbereitungsphase auch in der laktierenden Herde geschehen. Dann sollte aber eine separate Mineralstoffversorgung möglich sein, zum Beispiel durch ein separates Kraftfutter mit einem hohen Phosphoranteil.
- Die Steigerung der Kraftfuttergaben nach dem Kalben sollte langsam vorgenommen werden.
Tipp 8: Fruchtbarkeit durch Stallklima und Licht verbessern
Licht und Luft sind genauso wichtig für die Tiergesundheit und Fruchtbarkeit wie Wasser und Futter.
Problem: Alte Ställe sind meist zu dunkel und haben zu niedrige Luftwechselraten. Letzteres gilt vor allem für den Liegebereich der Kühe - hier atmet die Kuh etwa 30 cm über dem Boden. Die Kältetoleranz einer Kuh liegt (bei isolierter Liegefläche) im negativen Celciusbereich. Dagegen benötigt die Kuh schon ab 25 Grad Celsius zusätzliche Energie, um den Körper zu kühlen.
Lösung: Entfernen einer Seitenwand, möglichst im windgeschützten Bereich. Für die Wintermonate sollte die Möglichkeit geschaffen werden, mit sinkender Temperatur den Lufteinfall zu verringern. Für den Sommer sollten Luftdurchzugsschneisen eingerichtet werden. Ist dies aus baulichen Gründen nicht möglich, muss über Ventilatoren Luft zugeführt werden.
Tipp 9: Proteinversorgung und Tiergesundheit
Die Proteinversorgung ist für die Tiergesundheit essentiell. Protein ist nicht nur Baustein der Körpersubstanz, es ist Initiator und Katalysator wichtiger Stoffwechselvorgänge. Deshalb beeinträchtigt nicht nur Proteinüberschuss, sondern auch Proteinmangel die Tiergesundheit. Für die Milchkuh gilt das insbesondere, da sie Protein gleichzeitig in großen Mengen für die Milchproduktion benötigt. Ein Mangel macht sich zwangsläufig entweder in der Leistung, der Fruchtbarkeit oder in der Tiergesundheit negativ bemerkbar. Überschuss dagegen muss in Form von Ammoniak in der Leber zu Harnstoff abgebaut werden. Der LKV-Bericht, bzw. der darin enthaltene Harnstoffbericht, gibt relativ zeitnah Informationen über die Proteinversorgung der Milchkühe.
Problem: Die Auswahl an Futtermitteln für eine leistungsgerechten Proteinversorgung ist im Ökolandbau begrenzt. Saisonal liegt im Sommer vielfach ein Proteinüberschuss vor (Milchharnstoff über 30 mg/ dl), weil das betriebseigene Kleegras meist grün gefüttert wird. Im Winter dagegen ist in fast allen Rationen ein deutlicher Proteinmangel zu verzeichnen (Milchharnstoff unter 15 mg/ dl), da die Grundfutterkonserven in der Regel proteinarm sind und als Ausgleichkomponenten bei 100 Prozent Ökofütterung fast nur Körnerleguminosen zur Verfügung stehen.
Lösung: In der praktischen Fütterung wird angestrebt, innerhalb eines Milchharnstoffgehaltes von 20-30 ml/ dl zu bleiben. Im Sommer sollte das Grundfutter nicht ausschließlich aus Kleegras bestehen. Als Ergänzung bieten sich Maissilage, Getreideschrot und Heu an. Wenn möglich wird ein Teil des Kleegrases siliert und stattdessen Wiesengrünfutter eingesetzt. Kleegras- und Wiesengraskonserven sind die Grundlage der Winterfütterung. Wird Getreideschrot als Leistungsfutter eingesetzt, so muss es in der Regel mit Körnerleguminosen aufgewertet werden.
Um den Proteingehalt einer Ration zu kalkulieren, kann die RNB (Ruminale Stickstoffbilanz) berechnet werden. Sie sollte im jedem Fall positiv sein.
Tipp 10: Liegekomfort verbessert die Tiergesundheit
Eine weiche und isolierte Liegebox ist Voraussetzung für die Gesundheit der Kuh. Sie muss der Kuh ein gefahrfreies und gelenkschonendes Abliege- und Aufstehverhalten ermöglichen. Die Tiefbox ist zweifellos die billigste Liegeboxenausführung, gleichzeitig gilt sie als die tiergerechteste Bauweise.
Problem: Gerade in der kalten Jahreszeit muss gewährleistet werden, dass die Kuh über die Liegefläche nicht zuviel Wärme abgibt. Der Untergrund muss weich und isolierend sein. Trotzdem haben viele Betriebsleiter Probleme mit der Herstellung einer dauerhaften Matratze. Umweltbedingte Euterentzündungen, meist hervorgerufen durch Streptokokken, sind ein häufiges Problem. Es zeigt sich besonders bei leichtmelkenden Kühen, da hier beim Liegen in der Zwischenmelkzeit Keime aus der Matratze in die Zitzen aufsteigen.
Lösung: Tiefboxen für Milchkühe optimieren:
- Die hintere Aufkantung der Box muss mindestens 15 Zentimeter betragen.
- Vorne ist eine Bugschwelle anzubringen, die das korrekte Abliegen der Kuh gewährleistet, aber auch dafür sorgt, dass das Einstreumaterial nicht nach vorne verschoben wird.
- Seitlich sollte eine halbrunde Schwelle zwischen den Liegeboxen auf den Boden gedübelt werden, damit die Einstreu nicht von der Kuh während des Liegens und beim Aufstehen seitlich weg geschoben wird.
- Als Einstreumaterial sollte mindestens fünf Zentimeter langes Stroh verwendet werden.
- Die Länge der Liegefläche ist mit etwa 175 Zentimetern* von Hinterkante Bugschwelle bis zum Ende der Liegefläche anzusetzen.
- Das Diagonalmaß vom Nackenriegel bis zum Ende der Liegefläche ist mit etwa 190 Zentimetern* zu veranschlagen.
- Als Gesamtlänge der Box ist darauf zu achten, dass der Kuh die oft genannten 250 Zentimeter nicht ausreichen, wenn für das Tier kein zusätzlicher Platz vorhanden ist, um den Kopfschwung nach der Seite hin auszudehnen. In diesem Fall sind für die Gesamtlänge eher 280 - 300 Zentimeter zu veranschlagen.
- Natürlich kommt eine flexible Nackenbegrenzung der Tiergerechtheit entgegen.
*Alle Maße sind von der tatsächlichen Kuhgröße (Rasse) abhängig, die genannten Werte gelten nur als Richtwerte.
Letzte Aktualisierung: 10.01.2012







