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Hof Ziegenland, Jübeck (Schleswig-Holstein)

 

Militärdepots zu Ziegenställen

Landwirte mit ihrer Ziegenherde
Ulf Clausen und Peter Stucker (v.l.) mit ihrer bunten Herde.
Foto: U. Hoffmeister

Ziegen brauchen gute Stallluft und Auslauf. Beides fanden Peter Stuckert und Ulf Clausen auf einem ehemaligen Bundeswehr-Gelände. 2006 gründeten sie dort den Hof Ziegenland, einen Betrieb mit 500 Milchziegen.

Ein riesiges Doppeltor versperrt den breiten Eingang zum Hof Ziegenland. Daneben steht das ehemalige Wachhaus. Davor wartet Peter Stuckert. Er hat gerade eine Besuchergruppe aus Bosnien verabschiedet. Hof Ziegenland hat viel Besuch. In der Fachwelt gilt das Konzept des Betriebes als vorbildlich und in Bosnien sind Ziegenprodukte eine Delikatesse. Norddeutschland hingegen tut sich mit Ziegen und ihren Produkten noch schwer.

Peter Stuckert und Ulf Clausen sind die Gründer der Hof Ziegenland GbR. Drei Jahre ist es her, dass sie auf das verlassene Militärgelände stießen. Das Bundeswehr-Materiallager wurde im Jahr 2002 geräumt. Hallen, Werkstätten, Verwaltungsgebäude und Wachhäuser standen leer, waren aber noch gut in Schuss. Die Gebäude verbindet ein Netz aus breiten, asphaltierten Straßen. Viel Platz, große Hallen, befestigte Wege, dichter Zaun - ein nahezu idealer Standort für einen Ziegenhof, stellten Peter Stuckert und Ulf Clausen fest. Die Entscheidung war gefallen. 

"Wir hatten wenig Eigenkapital, aber ein gutes Konzept", erklärt Peter Stuckert. Öffentliche Fördermittel gab es nicht. Basis waren ihr fachliches Know how und eine langfristige Abnahmevereinbarung für die Ziegenmilch. Eine Regionalbank finanzierte die Neugründung.

Mit Ziegen Geld verdienen?

Zwischen der Idee und der ersten Ziege verging nicht einmal ein Jahr. Peter Stuckert und Ulf Clausen arbeiteten damals im Institut für ökologischen Landbau in Trenthorst wissenschaftlich mit Ziegen. "Wir haben immer wieder darüber gesprochen, dass man sich eigentlich selbständig machen müsste", erinnert sich Peter Stuckert. Dann kam der Zufall ins Spiel. Ein Betriebsausflug führte beide zur Ziegenkäserei Hof Backensholz. Die Bioland-Hofkäserei ist zwölf Kilometer von Jübek entfernt und nahm gerade Anlauf für den Sprung in die Handelsmärkte. Sie stellt nicht nur ein ausgewähltes Sortiment von Rohmilchkäse her, sondern vermarktet auch Ziegenmilch an den Lebensmitteleinzelhandel. 

"Vor sieben Jahren hätte ich mir nicht erträumt, dass man mit Ziegen Geld verdienen kann", sagt Peter Stuckert. Mit Backensholz stand dann ganz plötzlich die Chance vor der Tür. Und die war so reizvoll, dass Peter Stuckert und Ulf Clausen ihre sicheren Arbeitsplätze kündigten und an ihrem Unternehmenskonzept feilten. Sie reisten nach Sachsen, Holland und Frankreich, um sich große Milchziegenbetriebe anzusehen. Sie errechneten, dass sie 400 bis 500 Ziegen bräuchten, um davon zwei Familien ernähren zu können. Sie schauten sich bei Züchtern und Haltern nach geeigneten Tieren um.

Von Anfang an wurde der Betrieb auf Zuwachs ausgelegt. Die beiden Jungunternehmer kauften neun Hektar des ehemaligen Militärgeländes und 500 Ziegen der Rassen Weiße Edelziege und Weiße Saanenziege sowie einige Böcke der Bunten Deutschen Edelziege. Ziel ist es, die Bunte Deutschen Edelziege zurückzuzüchten. Die dunklen Böcke haben schon ordentlich Farbe in den Bestand der Jungtiere gebracht.

Spaceboards statt Blech

In fünfzehn Jahren wollen Peter Stuckert und Ulf Clausen schuldenfrei sein. Zehn Jahre werden sie auch brauchen, um die zehn Hallen nach und nach ziegengerecht umzubauen. Die rund 1.000 Quadratmeter großen Hallen sind noch mit Blechplatten verkleidet. Die Wände werden jetzt durch Spaceboards ersetzt, die für gutes Raumklima sorgen. Inzwischen ist das Melkhaus fertig. Peter Stuckert und Ulf Clausen, die vor ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung Handwerksberufe erlernt haben, können die Bauarbeiten fast komplett in Eigenleistung bewältigen.

Stallhygiene ist ganz besonders wichtig für die Milchqualität. "Wir versuchen, Futter-Mist-Achsen zu vermeiden", sagt Stuckert. Deshalb liegt der Futtertisch gut eineinhalb Meter über dem Niveau des Stallbodens. Der Futtertisch trennt den Stall in zwei Hälften. Nur eine Hälfte hat direkten Zugang zum Auslauf. Die Ziegen können aber durch Tunnel unter dem Futtertisch zwischen beiden Stallhälften pendeln.

Landwirt verteilt Grünfutter an eine Ziegenherde im Offenstall
Hell und luftig sind die umgebauten Hallen.
Foto: U. Hoffmeister (Bild durch Anklicken vergrößern)

Stall-Strukturen wie Treppen, Hügel und Wände mit eingezogenen Stockwerken lenken die Ziegen und lenken sie ab. Damit die Ziegen ungestört fressen können, führt eine schräge Ebene hinauf zum Futterplatz. Das hat zwei Vorteile. Erstens: Die Ziegen können nicht direkt vor dem Futterplatz liegen und ihn verschmutzen. Zweites: Rangniedrigere Tiere werden nicht durch Hornstöße am Euter verletzt. Denn die von hinten drängenden Ziegen müssen den Kopf hoch halten, wenn sie die Schräge bergauf laufen.

Ulf Clausen hat in diesem Jahr schon 800 Quadratmeter im Melkgebäude gefliest. "Im Melkhaus verdienen wir unser Geld", erklärt er. "Das muss funktionell und mit guter Technik ausgestattet sein." Zweimal am Tag laufen die Ziegen durch den Side-by-Side-Melkstand mit 48 Melkplätzen. Ein Sensor erfasst die Einzelleistung jedes Tieres. Die Milchleistung der Ziegen liegt im zweiten Jahr bei 700 bis 750 Litern; sehr gute Ziegen liefern deutlich mehr. Zuchtziel ist die 1.000-Liter-Ziege mit hoher Milchqualität. Die Tagesleistung von Hof Ziegenland liegt bei 1.250 Litern Milch. Alle zwei Tage wird die Milch zur Käserei Backensholz gefahren. Auf dem Rückweg bringt der Schlepper Grundfutter mit: Grassilage, Maissilage und GPS vom Bioland-Betrieb Backensholz.

Mist gegen Futter

Das ganze Jahr stehen die Ziegen im Stall mit Auslauf. Im Sommer bekommen sie zusätzlich Weideauslauf auf einer Kleegraswiese. Um die Gefahr von Parasiteninfektionen zu minimieren, werden sie erst mittags auf die Weide gelassen, wenn der Klee abgetrocknet ist. Die Kleegraswiese gehört dem Bioland-Betrieb Christiansen, der auf Gemüseanbau spezialisiert ist. Mit ihm ist Hof Ziegenland eine von insgesamt drei Futter-Mist-Kooperationen eingegangen. "Damit haben wir die Futterproduktion komplett ausgelagert. Die hätten wir selbst personell nicht geschafft", erklärt Peter Stuckert. Der Biolandhof Christiansen bekommt im Gegenzug für die Kleegraswiese Ziegenmist. Der landwirtschaftliche Betrieb Hof Backensholz, der Silage liefert, nutzt Ziegenmist für seine Biogasanlage.

Dritter Kooperationspartner ist "Bunde Wischen", ein Betrieb, der Pachtflächen vor Verbuschung schützt, indem er Galloways auf ihnen weiden lässt. Im Sommer helfen ihnen dabei die Ziegen. Dann werden 350 Jungziegen und Bocklämmer auf eine "Bunde-Wischen"-Fläche ausquartiert. Auch wenn sie monatelang draußen sind, werden sie nicht scheu; Ziegen-Eigenschaften, die Peter Stuckert in Trenthorst zu schätzen lernte. "Ziegen sind zutraulich, auf Menschen bezogen, extrem anhänglich und sehr neugierig."

Die Ziegen sind hinsichtlich CAE (Caprine Arthritis-Encephalitis) unbedenklich, in diesem Jahr hat Hof Ziegenland 250 weibliche Lämmer an süddeutsche Betriebe verkauft. Bocklämmer vermarkten die Betriebsleiter über das Handelsunternehmen "tegut...". Den kleineren Teil nimmt die Bioland-Fleischerei Schröder aus Hamburg ab und beliefert damit den norddeutschen Naturkosthandel.

In den nächsten Jahren wird sich viel tun auf Hof Ziegenland. Eine Halle nach der anderen wird umgebaut. Das Verwaltungsgebäude soll zum Wohnhaus werden, das Wachhaus am Eingangstor zu einem Hofladen. Peter Stuckert und Ulf Clausen wollen den Betrieb für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Beide können sich vorstellen, dass nicht nur Kindergärten und Schulklassen, sondern auch Reisebusse mit Tagesausflüglern das Ziegenland besuchen. Dann werden sie nach dem Rundgang im Hofladen Delikatessen aus Ziegenmilch probieren können. Und dann wird sich auch in Norddeutschland ganz langsam die Skepsis gegenüber Ziegen und Ziegenmilchprodukten legen.

Mehr Infos

externer Link folgtwww.hof-ziegenland.de

Autorin: Ulrike Hoffmeister (Bioland)
Erschienen in "bioland", Ausgabe 11/2008

Letzte Aktualisierung: 10.01.2012

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