Moderhinke
Die Moderhinke ist eine chronische Entzündung der Klauenlederhaut und Klauenzwischenhaut, die mit Ablösung des Klauenhorns einhergehen kann. Diese hochansteckende Erkrankung stellt eine der wichtigsten Erkrankungen in Schafherden dar, an der bis zu 100 Prozent der Tiere einer Herde erkranken können. Die Erkrankung findet man auch bei Ziegen, Damwild und sehr selten beim Rind.
Erreger und Symptome
Die Moderhinke wird durch eine kombinierte Infektion von zwei gram-negativen, anaeroben Bakterien hervorgerufen: dem Fusobacterium necrophorum, einem Bewohner des Bodens, sowie dem Dichelobacter nodosus, der nur wenige Tage in trockenem Boden oder auf trockener Weide überleben kann. Auf nassen Weiden, in Einstreu oder auf Nassstellen (Tränke) überlebt er maximal 14 Tage, im Klauenhorn, Rissen, Hornspalten etc. bis zu drei Jahre. In moderhinkeverseuchten Herden geht der Ausbruch der Krankheit also von subklinisch erkrankten Schafen aus.
Die Übertragung wird durch einen warmen (über 4,5 Grad Bodentemperatur), feuchten Untergrund gefördert. Durch das Aufweichen der Klauenhaut können die Fusobakterien in und durch die Haut eindringen und dort eine Entzündung der oberen Hautschichten (Dermatitis) bewirken. Verletzungen fördern das Eindringen der Erreger, ebenso weiches Horn (Genetik) und feuchte Einstreu.
Dichelobacter nodosus kann das Hautgewebe nicht selber zerstören sondern dringt erst sekundär ein. Er verursacht die bösartige Form der Moderhinke, bei der das Klauenhorn von der Lederhaut bis zum vollständigen Ausschuhen gelöst wird. Fusobacterium infiziert als Eitererreger auch Wunden, die aus Verletzungen oder aus Lippengrindschäden entstanden sind.
Darüber hinaus können zahlreiche weitere Krankheitserreger beteiligt sein. Der oft unterschiedliche Verlauf der Moderhinke hängt von der Art und der Kombination der beteiligten Bakterien sowie von weiteren Faktoren ab. Die Erreger erzeugen bei den betroffenen Tieren keine belastbare Immunität.
Nach einer Inkubationszeit von etwa zehn Tagen zeigen die betroffenen Tiere Lahmheiten mit nickender Kopfbewegung beim Treiben, bleiben in der Herde zurück. Sie liegen viel und fressen, indem sie auf den Karpalgelenken "knien". Unter dem hohlen eingerollten Klauenrand und im Zwischenklauenspalt bildet sich grau-schmieriges, später eitriges, süßlich-übelriechendes Sekret. Die Entzündung greift vom Klauenspalt auf die Klauenlederhaut über, das Ballenhorn löst sich ab. Dieser Prozess dehnt sich nach außen zur Klauenwand und nach vorne zur Klauenspitze hin aus. Durch die Schmerzen und die verringerte Futteraufnahme magern die Tiere ab, die Milchleistung sinkt, die Fruchtbarkeit nimmt ab und das Vlies wird stumpf.
Vorbeugung
Das regelmäßige Ausschneiden aller Schafe ist eine der besten Maßnahmen, um eine Ausbreitung der Infektion zu verzögern oder zu verhindern. Erkrankte Tiere sind abzusondern, unheilbar kranke zu merzen. Die Klauen von Zukauftieren sind besonders zu kontrollieren. Gemeinsame Triebwege mit anderen Herden sowie feuchte Weiden und feuchte Tränkstellen sollten gemieden werden. Es gibt die Möglichkeit, im Rahmen eines aufwändigen Sanierungsprogramms zu versuchen, die Moderhinke aus Beständen dauerhaft zu eliminieren. Das ist jedoch nur in Betrieben sinnvoll, die keine oder nur wenige Tiere zukaufen und nur eigene Flächen beweiden.
Vorbeugende Maßnahmen gegen Moderhinke:
- Regelmäßige Klauenpflege zur Vermeidung von Hornspalten und überwachsenen Sohlen
- Tiere vor dem Einpferchen "sauberlaufen" lassen
- Durchlässige Böden, Ackerpferch etc. bevorzugen
- Bei Koppelschafhaltung und Pferchen auf Wiesen die bevorzugten Liegestellen wegzäunen
- Morastige Stellen mit Feuchtkalk oder Kalksand, der gelegentlich mit etwas Branntkalk "aufgefrischt" wird, trockenlegen
- Standort von Tränken, Salzlecken etc. regelmäßig wechseln
- Ausreichende Zeitabstände (14 Tage) bei der Nutzung von Triebwegen
- Kaltstall mit guter Lüftung
- Feuchtigkeit und Schadgase im Stall durch ausreichende Einstreu von Steinmehlen, Hobelspänen, Superphosphat (kein Branntkalk im Stall verwenden!)
Behandlung
Die Klauen erkrankter Schafe müssen nach dem ersten Ausschneiden regelmäßig alle drei bis vier Tage nachkontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden. Alle losen Hornteile müssen restlos entfernt, überwachsene Sohlen freigeschnitten, die Spitze gekürzt werden. Risse und hohle Klauenwände werden ausgeschnitten, bis nur noch sauberes Horn zu sehen ist. Ein Klauenverband ist nur im Ausnahmefall zweckmäßig. Sinnvoll ist es, das Ausschneiden auf einer Plane durchzuführen, um infektiöse Hornteile unschädlich beseitigen zu können.
Desinfektionsmittel, Salben und Antibiotika-Sprays können benutzt werden. Resistenzen spielen bisher bei den Moderhinkeerregern keine Rolle. Systemische antibiotische Behandlungen sind nur in Fällen erforderlich, wenn die Tiere bereits Allgemeinsymptome wie Fieber etc. zeigen. Nach der Behandlung ist der Stall auszumisten und gründlich mit heißem Wasser zu reinigen.
Gegen Moderhinke ist in Deutschland ein Impfstoff, "Footvax", zugelassen. Er enthält inaktivierte Kulturen verschiedener Stämme von D. nodosus. Die in Deutschland vorkommenden Varianten sind weitgehend abgedeckt. Die Herstellung bestandsspezifischer Vakzinen ist aufwendig und hat sich als nicht wirkungsvoller erwiesen.
Klauenbäder werden verwendet
- Als vorbeugende Maßnahme
- Zur Behandlung frisch ausgeschnittener Schafe oder
- Zur Klauendesinfektion bei der Moderhinkesanierung
Letzte Aktualisierung: 10.04.2008

