Grundlagen der ökologischen Schweinefütterung
Alle im ökologischen Landbau verwendeten Futtermittel müssen laut den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau frei von genetisch veränderten Organismen (GVO) bzw. deren Derivaten sein. Fütterungsantibiotika sowie Leistungs- und Wachstumsförderer sind in der ökologischen Schweinefütterung nicht erlaubt.
Nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau darf der Anteil konventioneller Futtermittelkomponenten (zulässige konventionelle Futtermittel sind in Positivlisten aufgeführt) folgende Mengen nicht überschreiten:
- fünf Prozent für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2011
- null Prozent ab dem 1. Januar 2012
Alle Angaben beziehen sich auf die jährlich verfütterte Trockenmasse. Der zulässige Höchstanteil von konventionellen Futtermitteln an der Tagesration beträgt 25 Prozent der Trockenmasse. Auch vor Ablauf dieser Übergangsfrist müssen die Schweinehalter zunehmend auf ökologisch erzeugte Futtermittel zurückgreifen, sofern diese verfügbar sind, da ihr Einsatz grundsätzlich Vorrang hat.
Unbedingt zu beachten:
Bevor hofeigene Mischungen erstellt werden, sollten unbedingt die Einzelfuttermittel auf Inhaltsstoffe untersucht werden, denn die Inhaltsstoffe schwanken zwischen den Jahren, den Standorten und den Sorten.
Rationsgestaltung
In der praktischen Schweinefütterung ist bei der Energielieferung das Getreide von großer Bedeutung. Die Eiweißversorgung ist mit einheimischen Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen möglich, aber für die Fütterung von Ferkeln und säugenden Sauen suboptimal. Dies resultiert daraus, dass die essentiellen Aminosäuren in diesen Komponenten nicht in den erforderlichen Anteilen vorhanden sind und zum Teil Geschmacksbeeinträchtigungen vorhanden sind (Lupine, Ackerbohne). Eine notwendige Ergänzung mit synthetischen Aminosäuren ist nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau jedoch nicht zulässig. Ebenfalls dürfen keine Extraktionsschrote verwendet werden. Der Eiweiß- und Aminosäureausgleich ist durch Futtermittel wie getoastete Sojabohnen, Sonnenblumen-, Raps- und Sojaexpeller, Bierhefe, Magermilch- oder Molkepulver, Kartoffeleiweiß generell möglich. Für die Produktion nach Verbandsstandard gibt es hierfür weitergehende Einschränkungen bezüglich der konventionellen Futterelemente, die zu beachten sind.
Futtermittel aus der Umstellungsernte dürfen bis zu 30 Prozent in der Ration enthalten sein. Wenn die Umstellungsware vom eigenen Betrieb stammt, dürfen bis zu 100 Prozent der Ration aus Umstellungsware bestehen.
Raufutter ist nach den EU- Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau den Schweinen grundsätzlich zur Verfügung zu stellen. Dies sollte möglichst in Form von Heu, Silage und Grünfutter geschehen, weniger über Stroh.
Sämtliche Kraftfuttermittel, ob Getreide oder Leguminosen müssen trocken geerntet oder getrocknet werden, um einem Pilzbefall vorzubeugen. Schweine reagieren sehr empfindlich auf verpilzte Futtermittel bzw. deren Toxine. Ebenso darf nur einwandfreies, trockenes und unverpilztes Stroh eingesetzt werden. Das Stroh sollte unterdach gelagert werden, um es vor Regen zu schützen.
Aus der Forschung - für die Praxis:
"Erprobung/Untersuchung von Fütterungsstrategien bei Sauen und Ferkeln mit Inulineinsatz, sowie getoasteten bzw. extrudierten Ackerbohnen in der Ferkelaufzucht" (FKZ 07OE024), Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (Landwirtschaftszentrum Haus Düsse): Die Saugferkel der mit Inulin versorgten Sauen entwickelten sich gegenüber der Kontrollgruppe während der Säugezeit leistungsmäßig besser, während der Ferkelaufzucht gab es keine Leistungssteigerungen. Der Einsatz von getoasteten Ackerbohnen führte zu signifikant besseren Ferkelzunahmen gegenüber dem Einsatz von extrudierten Ackerbohnen.
Aus der Forschung - für die Praxis:
"Raufuttergabe an Sauen als Präventivmaßnahme gegen Sauen- und Ferkelerkrankungen" (FKZ 07OE026), Universität Kassel (Fachgebiet Tierernährung/Tiergesundheit): Die verschiedenen Raufuttervarianten (Kleegrassilage, Heu, Maissilage, Topinamburknollen) hatten keine negativen Effekte auf Körperkonstitution und Reproduktionsleistungen der Sauen.
Raufuttergabe an Sauen als Präventivmaßnahme gegen Sauen- und Ferkelerkrankungen
Aus der Forschung - für die Praxis:
Bestimmung der Inhaltsstoffe in Ökofuttermitteln
Die schnelle Erfassung der Inhaltsstoffe von Proteinfuttermitteln ist wichtig, damit Landwirte mit den Schwankungen der Inhaltsstoffe in Ökofuttermitteln umgehen und bedarfsgerechte Futterrationen zusammen stellen können. In einem BÖLN-Forschungsvorhaben haben Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) Kalibrierungen für die Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIRS) entwickelt, die eine einfache und kostengünstige Bestimmung der Rohnährstoffe einschließlich Stärke und Zucker sowie Aminosäuren in getrockneten, vermahlenen Futtererbsen und Ackerbohnen ermöglichen. So kann mit Hilfe der NIRS direkt nach Bereitstellung der Ernteproben eine Futterbewertung vorgenommen werden.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Selektion auf Methioninreichtum bei heimischen Leguminosen
Ziel der ökologischen Wirtschaftsweise ist eine Fütterung der Tiere mit ausschließlich ökologisch erzeugten Futtermitteln. Als Eiweißfuttermittel bieten sich heimische Körnerleguminosen an; bei Schweinen und Geflügel kann sich dabei jedoch das Problem einer unzureichenden Methioninversorgung ergeben. Ein Forschungsvorhaben hat untersucht, wie man den Methioningehalt von Ackerbohne, Erbse und Lupine steigern kann. Die Forscher schätzen die Züchtung von methioninreichen Körnerleguminosen bereits auf Basis der natürlichen Variabilität der Gehalte mit dem bestehenden Sortiment als durchaus erfolgversprechend ein. Sie empfehlen dazu eine breit angelegte Selektion von Einzelpflanzen aus bestehenden Sorten und Linien nach exakt bestimmten Aminosäuregehalten im Samen.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Qualitätssicherung für Soja-Futtermittel aus ökologischer Erzeugung
Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau schreiben eine hundertprozentige Biofütterung ab 2012 vor. Um unter diesen Bedingungen eine bedarfsgerechte Versorgung monogastrischer Nutztiere (Geflügel und Schweine) mit Proteinen, insbesondere mit essentiellen Aminosäuren, sicherzustellen, müssen ökokonforme Eiweißfuttermittel zielgerichtet eingesetzt werden. Verschiedene Sojaprodukte aus ökologischer Erzeugung können dabei eine entscheidende Rolle spielen. In einem Forschungsprojekt wurden ökologisch erzeugte Sojabohnen zu Sojakuchen verarbeitet und verschiedenen Wärmebehandlungsverfahren unterzogen. Der Behandlungserfolg der verschiedenen Verfahren wurde in Fütterungsversuchen unter den Bedingungen einer 100-Prozent-Biofütterung bei Broilern, Legehennen und abgesetzten Ferkeln überprüft.
Näheres zum Projekt:
Qualitätssicherung für Eiweißfuttermittel in der ökologischen Tierernährung: Sojabohnen und -kuchen
Letzte Aktualisierung: 11.01.2012

