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Maßvoll füttern - Kosten senken

 

Jede Möglichkeit, die Futterkosten zu senken, sollte ausgeschöpft werden, um angesichts der aktuellen Futterpreise zurechtzukommen. Was bei der Schweinefütterung zu beachten ist, beschreibt Berater Jan Hempler.

Schweine an Rundtrögen
Futterhygiene und die Vermeidung von Futterverlusten sind gleichermaßen wichtig.
© BLE, Foto: Thomas Stephan

Die Futterkosten in der Schweinemast befanden sich im Wirtschaftsjahr 2007/2008 auf einem Rekordniveau. Diese Kostensind in jeder Phase eines Schweinezyklus von entscheidender Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast. Wer in Zukunft mit der Schweinemast Geld verdienen will, der sollte alle Einflussfaktoren optimieren, um eine möglichst günstige Futterverwertung zu erzielen und damit Futterkosten zu sparen.

Die Futterkosten machen einen Anteil von 47 Prozent an den Gesamterzeugungskosten in der Schweinemast aus; dies allerdings bei einer durchschnittlichen Futterverwertung von 1:3,3.

Tortendiagramm zur Darstellung der unterschiedlichen Kostenfaktoren in der Schweinemast
Grafik: J. Hempler; Bild zum Vergrößern anklicken

In vielen Betrieben haben die Futterkosten einen Anteil von weit mehr als 50 Prozent an den Gesamtkosten. Betriebszweigauswertungen aus dem Beraterpraxisnetzwerk zeigen, dass die Spanne bei der Futterverwertung von 1:3,02 bis zu 1:4,54 bei der Erzeugung von XXL-Schweinen reicht. Aber auch eigene Mastkontrollergebnisse bestätigen, dass die Futterverwertung selbst auf vermeintlich guten Betrieben oft unter 1:3,45 liegt. Häufigste Fehlerquellen sind Mischungsfehler, Unkenntnis über Qualität der Einzelkomponenten, mangelnde Futterhygiene, fehlendes oder falsches Futtermanagement sowie falsches Mastmanagement.

Gelingt es, die Futterverwertung um 0,2 zu steigern, so erhöht dies bei einem Futterpreis von 48,50 Euro pro Dezitonne und einem Zuwachs von 99 Kilogramm je Schwein den Deckungsbeitrag um zusätzliche 9,65 Euro je Tier. Unterstellt man 2,5 Umtriebe, ergeben sich zusätzliche Kostenvorteile von rund  24 Euro je Mastplatz. 

Futterverwertung und -kosten bei Zuwachs von 99 Kilogramm/Tier

Ist die Futterverwertung
 1: ...

Betragen die Futterkosten
pro Tier (Euro)*

3

144

3,1

148,85

3,2

153,65

3,3

158,45

3,4

163,25

3,5

168

36

172,85

*) bei Futterkosten von 48,50 Euro/Dezitonne

Futteranalysen sollten Standard sein

Wie optimiert man die Futterverwertung? Neben einer guten Futterhygiene und der Vermeidung von Futterverlusten durch geeignete Technik ist dazu natürlich eine angepasste und ausgeglichene Rationsgestaltung notwendig. Dazu muss man unbedingt die Inhaltstoffe der Einzelfuttermittel kennen.

Untersuchungen der LWK Niedersachsen haben ergeben, dass mit herkömmlichen Analyseergebnissen in der Futterberechnung nicht viel anzufangen ist. Ökologisch erzeugte Futtermittel weisen in der Regel bis zu 18 Prozent geringere Rohproteinwerte auf. Entsprechend geringer ist auch der Gehalt der essentiellen Aminosäuren. Falsche Energie/Eiweiß-Verhältnisse führen zu schlechten Schlachtergebnissen und in der Regel zu hohen Futterkosten.

Futteranalysen sollten daher auf jedem Betrieb Standard sein. Beim Getreide erbringt das kostengünstige NIR-Verfahren (Nahinfrarot-Spektroskopie) schon recht genaue Ergebnisse. Bei Leguminosen lässt sich dieses Verfahren allerdings nicht anwenden, hier muss eine Vollanalyse durchgeführt werden.

Um die Ration anschließend optimal zusammenzustellen, sollte man auf die Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Schweinen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie zurückgreifen (externer Link folgthttp://www.gfe-frankfurt.de/). Die Anforderungen der Tiere an das Futter sind bei allen Haltungsbedingungen grundsätzlich gleich.

Bei der Futterrezeptur sollte man auch auf die Wirkung einzelner Futtermittel achten. Einige Einzelfuttermittel sind aufgrund ihrer Inhaltsstoffe und ihres Eigengeschmacks je nach dem Alter der Tiere nur begrenzt einsetzbar, dafür gibt es Orientierungswerte. Eine Summierung schlecht schmeckender Komponenten wie Ackerbohnen, Roggen, Rapsschrot oder Kartoffeleiweiß kann auf die Futteraufnahme verheerende Auswirkungen haben. Bei der Rationsgestaltung sollte man also Erfahrungen und die betrieblichen Bedingungen unbedingt berücksichtigen.

Zunehmend werden bei knappem Leguminosenangebot Ölkuchen in die Ration genommen, die eine interessante Aminosäuren-Zusammensetzung aufweisen. Ihr Einsatz wird allerdings durch den relativ hohen Anteil von Polyensäuren begrenzt, die zu einer unerwünschten Fettkonsistenz im Schlachtkörper führen.

Der Bedarf an Energie und Aminosäuren ändert sich im Mastverlauf:

  • Im Jugendalter (VM) wird Muskelmasse aufgebaut.
  • Im Jugendalter wird viel Protein und Energie benötigt.
  • Im Jugendalter ist die Futterverwertung gut, am Mastende wird die Futterverwertung immer schlechter.
  • Zum Mastende (EM) wird Fett aufgebaut.
  • Zum Mastende wird weniger Protein benötigt, Energie muss begrenzt werden.
  • Energie und essentielle Aminosäuren, wie Lysin, Methionin und Cystin, Threonin und Tryptophan müssen im richtigen Verhältnis stehen.
 

Zu guter Letzt sind Futterplan und das angestrebte Mastendgewicht natürlich von der Herkunft der Ferkel abhängig. Je nach Genetik und Geschlecht müssen in der Endmast angepasste Fütterungsstrategien gefahren werden. Nur so können gute Mastergebnisse und geringe Futterkosten erzielt werden.

Fütterungsstrategien

Genetik

Futteraufnahme

Vormast

Endmast

mittlere Magerfleischanteile
(Deutsches Edelschwein x Pietrain)

hoch

ad libitum

rationiert

hohe Magerfleischanteile, Sauen
(Kreuzung x Pietrain)

mittel

ad libitum

ad libitum/rationiert

hohe Magerfleischanteile, Börge
(Kreuzung x Pietrain)

hoch

ad libitum

rationiert

Einfachkreuzungen mit Pietrain
(Deutsches Edelschwein x Pietrain)

niedrig

ad libitum

ad libitum

Durstige Tiere fressen weniger

Wasser ist das wichtigste Futtermittel und wird häufig vernachlässigt. Nicht selten sind schlecht laufende Tränken oder eine falsche Tränketechnik die Ursache für geringe Mastleistungen oder zu hohe Futteraufwendungen. Wenn die Tiere durstig sind, fressen sie zu wenig und die Futterverluste sind hoch, da bei der ständigen Wassersuche während der Fresszeiten Futter verloren geht.

Tipps:

  • In der Vormast eine Steinplatte unter die Tränke legen
  • Den Wasserdruck an Ferkeltränken unter 2,5 bar halten
  • Vorratsbehälter regelmäßig reinigen
  • Vor Neuaufstallung alle Tränken längere Zeit durchlaufen lassen
  • Tränkebecken regelmäßig reinigen
  • Tränken täglich kontrollieren
Wasserversorgung

Empfehlungen für Tränken

Bedarf je Tag (Liter)

Tränkehöhe (Zentimeter)

Durchflussmenge (Liter je Minute)

Mastschweine bis 60 Kilogramm

2-7

Nippeltränke 40

0,8

Mastschweine über 60 Kilogramm

6-11

Nippeltränke 60

1,2

Wer gute Mastergebnisse erreichen will, sollte schließlich einen Managementfahrplan erstellen und einhalten. Denn oft lassen sich schon in erheblichem Maße Futterkosten einsparen, wenn Hygienemaßnahmen eingehalten werden, den Altersgruppen das passende Kleinklima angeboten und die Fütterung dem Mastabschnitt angepasst werden.

Managementfahrplan

Leerzeit

  • Liegeflächen reinigen, desinfizieren und trocknen
  • Ausläufe reinigen, desinfizieren und trocknen

Vormast: 1. bis 5. Woche, ab 30 Kilogramm

  • Aufstallen, in Auslauf treiben
  • Buchten doppelt belegen
  • Kleine Ferkel aussortieren
  • Wasser kontrollieren
  • Wärmebedarf
  • Begrüßungsfutter
  • Langsam anfüttern
  • Vormastmischung ad libitum 13,2 ME/1,05 Lysin
  • Eine Woche vor Umstallung in Endmast entwurmen
  • Heu, Stroh als Raufutter
  • Torf anbieten

Mittelendmast: 6. bis 9. Woche, ab 50 Kilogramm

  • Wiegen
  • Nach Größe, ggf. Geschlecht sortieren
  • Auf Mittel-, Endmastfutter umstellen
  • Futter 12,8 ME/0,95 Lysin
  • Heu, Stroh als Raufutter
  • Kranke in Krankenstall

Endmast: 10. Woche, ab 70 Kilogramm

  • Futter rationieren
  • Endmastfutter 12,8 ME/0,85 Lysin
  • Raufutter
  • Saftfutter

Endmast: 15. Woche, ab 100 Kilogramm

  • Wiegen
  • Kennzeichnen
  • Anmelden zum Verkauf
  • Ferkel kaufen

Verkauf: 18. bis 22. Woche, 120-130 Kilogramm

  • Wiegen
  • Verkauf
  • Vor Verkauf nüchtern
  • Sauen 130 Kilogramm
  • Börge (kastrierte Eber) 125 Kilogramm
  • Nach jedem Verkauf Futterplan neu

Autor: Jan Hempler
Erschienen in "bioland", Ausgabe 10/2008

Letzte Aktualisierung: 11.01.2012

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