Schwachstellen im Bestandsmanagement
Fehler in der Haltung sowie in der Fütterung von Schweinen sind die häufigsten Ursachen für den schlechten Gesundheitsstatus eines Schweinebestandes. Die stressbedingte, permanente Unterdrückung des Immunsystems stellt somit das größte Gesundheitsproblem dar.
Die moderne landwirtschaftliche Nutztierhaltung stellt die Ökonomie in den Vordergrund. Im ökologischen Landbau hingegen stehen Ökologie und artgerechte Haltung im Zentrum der Überlegungen. Ökologie und Ökonomie in der Schweinehaltung müssen sich nicht zwangsläufig widersprechen. Durch ein gutes Betriebsmanagement und fundierte, fachliche Beratung hinsichtlich betriebsspezifischer Vorsorgemaßnahmen lassen sich gute, qualitativ hochwertige Ergebnisse erzielen.
Muttersauen und Ferkel
Die Ferkelproduktion nimmt in der Schweinehaltung eine Schlüsselposition ein. Im Zeitraum um die Geburt werden die Weichen für die Ferkelgesundheit, -entwicklung die Fruchtbarkeit der Sau und den Masterfolg gestellt.
Besonders wichtig ist die Fütterung der Muttersauen. Sie muss auf den Energiebedarf der Tiere zum jeweiligen Zeitpunkt gut abgestimmt sein. Folgen einer unzureichenden und nicht bedarfsgerechten Fütterung können MMA (Mastitis = Gesäugeentzündung, Metritis = Gebärmutterentzündung, Agalaktie = Milchmangel), Verstopfung, kleine Würfe, lebensschwache oder totgeborene Ferkel und auch sogenannte Grätscher sein.
Die Futterqualität und Futterhygiene spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Das Futter muss regelmäßig auf Inhaltsstoffe sowie Pilzbefall und gegebenenfalls den Gehalt an Mykotoxinen (Pilzgiften) untersucht werden. Mykotoxine beeinträchtigen die Fruchtbarkeit der Muttersauen und das Wachstum der Ferkel. Diätetische Maßnahmen wie die Verfütterung von Kleie, Leinsamenschrot oder Hackschnitzeln sowie eine Glaubersalzgabe o.ä. zur Geburtserleichterung können gegebenenfalls Sinn machen. Aber auch hier sollte man sich den Rat des Tierarztes einholen, da eventuell andere Ursachen Auslöser für eine Verstopfung, Durchfall o.ä. sein können.
Das wichtigste Lebensmittel, das Wasser, muss den Schweinen stets in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und seine Qualität muss regelmäßig kontrolliert werden. Wassermangel ist eine der Ursachen für Milchmangel und kann Auslöser für weitere Krankheiten sein.
Nicht nur zur Vorbeugung von MMA ist es wichtig, der Sau Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Bewegung fördert die Darmmotorik und sorgt somit für eine leichtere Geburt. Sie führt auch zu einer Stabilisierung des Kreislaufsystems während der Geburtsphase. Die Möglichkeit des artgerechten Verhaltens wie z.B. die Möglichkeit, den Nestbautrieb über die Einstreu auszuleben, senkt den Stresseinfluss auf die Sau und wirkt einer möglichen Immunsuppression entgegen.
Mögliche Schwachstellen im Bestandsmanagement
Stallklima, Stallwetter
- Temperatur (Schwankungen, Hitze, Kälte)
- Lüftung (Zugluft, Luftfeuchtigkeit)
- Schadgase (Ammoniak, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff)
- Licht (Beleuchtungsdauer, Lichtintensität)
Haltungsformen
- Freiland, Auslauf (Hygiene, Parasiten, Rangordnungskämpfe)
- Gruppenhaltung (Verhaltensanomalien)
- Einzelhaltung (Verhaltensanomalien)
- Einstreu (Hygiene, Mykotoxine)
- Spalten, Beton (Technopathien)
- Umgang mit den Tieren (Ferkelversorgung, Besamung)
Herdenmanagement
- Sauenplaner
- Rotationsberechnung
- Betriebszweiganalyse
Futter
- Eigenmischung (Qualität, Erntebedingungen)
- Zusammensetzung der Inhaltsstoffe
- Pilzbefall (Mutterkorn), Mykotoxine
- Besatz (Staub, Unkrautsamen)
- Wasserqualität (Schwermetalle, Nitrat, E. Coli, Clostridien)
Weitere Informationen:
Aus der Forschung - für die Praxis:
"Optimierung der Haltungsbedingungen von Aufzuchtferkeln im Liegebereich" (FKZ 07OE027), Beratung Artgerechte Tierhaltung e.V. (BAT): Der Liegebereich für Aufzuchtferkel ist in vielen Betrieben nicht optimal und durch zum Teil einfache Maßnahmen (Abdichten des Liegenestes, Wärmedämmung des Bodens, Bodenheizung, Anbringen einer weiteren Wärmequelle) für die Tiere zu verbessern.
Optimierung der Haltungsbedingungen von Aufzuchtferkeln im Liegebereich
Aus der Forschung - für die Praxis
Schweine: Tiergesundheit und Fleischqualität
Betriebsbefragungen und Schlachtkörperanalysen zeichnen ein gemischtes Bild von der Gesundheit der Ökoschweine: Ein Projekt, dass an der Universität Kassel von Professor Sundrum durchgeführt wurde, gibt dazu nähere Informationen.
Näheres zum Projekt:
Qualitätssicherung und Verbraucherschutz bei ökologisch erzeugtem Schweinefleisch (FKZ 03OE408)
Letzte Aktualisierung: 11.01.2012

