Schweine - Rassenwahl
Bei der Wahl der Rassen oder Zuchtlinien stehen die Anpassungsfähigkeit der Tiere an die Umwelt, ihre Vitalität sowie ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten im Vordergrund. Auf Rassen und Linien mit typischen Krankheiten oder Gesundheitsproblemen (beispielsweise Stressanfälligkeit, Kreislaufschwäche oder Schwergeburtsneigung) soll laut den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau verzichtet werden. Einheimische Rassen und Linien bzw. Rassen mit regionaler Anpassungsfähigkeit können bevorzugt im ökologischen Landbau aus Marketinggründen sinnvoll sein.
Mastschweine
Der Lebensmitteleinzelhandel verlangt bis auf sehr wenige Ausnahmen grundsätzlich ein mageres, fleischreiches Schlachtschwein mit einem Magerfleischanteil von mindestens 54 Prozent. Optimal sind 56 Prozent. Bisher waren die Ferkelherkünfte, die diese Anforderungen auch unter den ökologischen Bedingungen gut erfüllen können von der Mutterseite durch Deutsche Landrasse (DL), Deutsches Edelschwein (DE) und deren Kreuzungen (59 Prozent) und von der Vaterseite von Piétrain (Pi) und dessen Kreuzungen (77 Prozent) geprägt.
Robustrassen, zum Beispiel Duroc (Du), Angler Sattelschwein (AS), Schwäbisch Hällisches Schwein (SH), Buntes Bentheimer Schwein (BB) mit eindeutig geringerer Stressanfälligkeit und einem höheren intramuskulären Fettanteil werden jedoch zunehmend eingesetzt, um bessere sensorische Qualitäten zu produzieren, und ihre regionalen Merkmale im Marketing zu verwerten. Die Muttersauen der Robustrassen werden auch mit Magerfleischebern (zum Beispiel Piétrain) gekreuzt, um eine zu starke Verfettung zu vermeiden. Die Schlachtschweine der Robustrassen werden hauptsächlich über die Direktvermarktung oder die regionalen Metzger abgesetzt.
Im Diagramm fällt der sehr hohe Anteil des Piétrain-Ebers auf. Er soll bei den Mastschweinen für die Fleischfülle sorgen. Bei den Mutterlinien sind schon Anteile von Robustrassen wie Angler Sattelschwein, Buntes Bentheimer Schwein und Schwäbisch Hällisches Schwein zu erkennen.
Ferkelerzeugung
In der Ökoferkelerzeugung dominiert bei den Sauen die Deutsche Landrasse, gefolgt vom Deutschen Edelschwein sowie deren Kreuzungen mit Duroc und Large White (LW). Aber auch Sauen der Rasse Angler Sattelschwein und Schwäbisch Hällisches Schwein werden genutzt. Bei den Vaterrassen dominiert der Piétrain-Eber oder dessen Kreuzungen mit Hampshire (Ha), Duroc oder Deutsche Landrasse. Robustrassen mit eindeutig geringerer Stressanfälligkeit und höherem intramuskulärem Fettanteil wie Duroc und dessen Kreuzungen, zum Beispiel mit Hampshire oder Angler Sattelschwein werden jedoch zunehmend eingesetzt, um bessere sensorische Qualitäten zu produzieren, wobei die Bezahlung dieser oft geforderten besseren sensorischen Qualität bisher zu selten gewährleistet ist.
Auch ökologische Ferkelerzeuger aus Deutschland nutzen als Vatertier in hohem Maße den Piétrain-Eber. Die Mutterrassen sind stark gestreut. Es dominieren Sauen der Rasse Deutsche Landrasse.
Die im Diagramm genannte Schweinerasse Leicoma (Lc ) wurde nach den Zuchtbezirken der ehemaligen DDR (Leipzig - Cottbus - Magdeburg) benannt und dient auch heute noch als Mutterrasse in der Rotationskreuzung (mit DE und DL) und Dreirassenkreuzung (mit DE und Schwerfurter Fleischrasse) sowie in Einfachkreuzungen mit Piétrain-Ebern in einigen Betrieben in den neuen Bundesländern. Die Rasse setzt sich aus den Ausgangsrassen Deutsche und Niederländische Landrasse (49 Prozent), Duroc (46 Prozent), Estnische Baconrasse (drei Prozent) und Deutsches Sattelschwein (zwei Prozent) zusammen. Das Hülsenberger Zuchtprogramm (Hü) der Firma Schaumannproduziert F1-Sauen der Kreuzungen Du x DL und Euroc x DL (Hybrid-Sauen).
Letzte Aktualisierung: 11.01.2012


