Fütterung von Mastschweinen
In der Vor- und Endmast ist die Mischfutterzusammenstellung aufgrund der allgemein vorhandenen Futtermittel weitestgehend unproblematisch. Allerdings können einige Futtermittel wie Kartoffeleiweiß und Expellerfuttermittel knapp am Markt sein, bzw. sie sind teuer.
Kraftfutter
Grundsätzlich sollten die Rationen nach der Futterkurve von Mastschweinen erstellt werden - eine mehrphasige Fütterung wird empfohlen. Eine Multiphasenfütterung ist empfehlenswert aber aufgrund der hohen technischen Anforderungen und der entsprechenden Kosten der Fütterungsanlage eher selten. Oft ist die Anzahl der Mastplätze der Betriebe zu gering, bzw. die Technik (zum Beispiel Flüssigfütterung) ist nicht vorhanden.
Das Fressplatz-Tier-Verhältnis sollte bei Automatenfütterung nicht mehr als 1:5 betragen, damit die schwächeren Tiere auch angemessenen Zugang zu den Automaten bekommen.
Im Folgenden werden einige Beispielrationen vorgestellt. Innerhalb der normalen Toleranzbereiche werden mit diesen Mischungen die berechneten Nährstoffinhalte auch in der Realität erreicht.
Die Preisangaben für eigene Futtermittel der Erzeuger stellen Netto-Verkaufspreise der Landwirte vom Frühjahr 2003 dar. In den Preisen sind keine Mahl- und Mischerkosten enthalten. Bei den Mischungen mit Kartoffeleiweiß ist der im Frühjahr und Sommer 2003 sehr hohe Preis zu berücksichtigen, der dazu führt, dass die Futtermischungen mit einem Anteil von 100 Prozent Ökofuttermitteln zum Teil billiger sind als Futtermischungen mit konventionellen Anteilen.
Futtermittel | Anteil in % | Euro/dt | Euro/Anteil |
|---|---|---|---|
Quelle: Die Öko-Berater, geändert | |||
Weizen | 24 | 28 | 6,72 |
Triticale | 30 | 26,5 | 7,95 |
Hafer | 10 | 27,4 | 2,74 |
Gerste | 10 | 28 | 2,80 |
Erbsen | 15 | 38 | 5,70 |
Ackerbohnen | 4 | 38 | 1,52 |
Kartoffelweiß konv. | 5 | 125 | 6,25 |
Mineralfutter | 2 | 65 | 1,30 |
100 | 34,98 | ||
Nährstoff | Empfehlung | Fertige Ration |
|---|---|---|
*) MJ ME = Mega Joule metabolic energy (Umsetzbare Energie) (Quelle: Die Öko-Berater, geändert) | ||
Trockenmasse | 880 | 882 |
Rohprotein | 170 | 165 |
Lysin | 9 | 9,1 |
Methionin/ Cystin | 5,5 | 5,8 |
Rohfaser | 40 | 40 |
Calcium | 8 | 8 |
Phosphor | 6 | 5,9 |
Natrium | 1,5 | 1,9 |
Energiegehalt | 12,8 MJ ME* | 12,9 MJ ME* |
Die Ration enthält noch sieben Prozent konventionelle Bestandteile (ohne Mineralfutter). Der Proteingehalt liegt leicht unter dem Normwert. Die Werte für Lysin und Methionin/ Cystin liegen im Rahmen der Normwerte.
Futtermittel | Anteil % | Euro/dt | Euro/Anteil |
|---|---|---|---|
Quelle: Die Öko-Berater, geändert | |||
Roggen | 15 | 26 | 3,90 |
Gerste | 30 | 29 | 8,70 |
Triticale | 17,5 | 28 | 4,90 |
Hafer | 15 | 26 | 3,90 |
Erbsen | 11 | 44 | 4,40 |
Ackerbohnen | 16 | 43 | 6,88 |
Kartoffelweiß konv. | 3,5 | 125 | 4,38 |
Mineralfutter | 3 | 65 | 1,95 |
100 | 39,01 | ||
Futtermittel | Anteil % | Euro/dt | Euro/Anteil |
|---|---|---|---|
Quelle: Die Öko-Berater, geändert | |||
Weizen | 24 | 20 | 6,96 |
Triticale | 30 | 18 | 8,40 |
Hafer | 10 | 17 | 2,60 |
Gerste | 10 | 18 | 2,90 |
Erbsen | 15 | 32 | 6,60 |
Ackerbohnen | 4 | 33 | 1,72 |
Kartoffelweiß konv. | 5 | 125 | 6,25 |
Mineralfutter | 2 | 65 | 1,30 |
| 100 | 36,73 |
|
*) MJ ME = Mega Joule metabolic energy (Umsetzbare Energie) (Quelle: Die Öko-Berater) | ||
Nährstoffe | Empfehlung | Fertige Ration |
|---|---|---|
Trockenmasse | 880 | 880 |
Rohprotein | 150 | 150 |
Lysin | 7,5 | 8 |
Methionin/ Cystin | 4,5 | 4,7 |
Rohfaser | 60 | 53 |
Calcium | 6,5 | 7 |
Phosphor | 4,5 | 5,5 |
Natrium | 1,5 | 1,7 |
Energiegehalt | 12,5 MJ ME* | 12,4 MJ ME* |
Die Ration enthält noch 3,5 Prozent konventionelle Bestandteile (ohne Mineralfutter). Der Energiegehalt liegt leicht unter dem Normwert. Die Werte für Lysin und Methionin/ Cystein liegen etwas über dem Normwert. Das Futter sollte restriktiv gefüttert werden.
Raufutter
Erfahrungsgemäß nehmen Schweine Grundfutter - wie frisches Gras oder gute und schmackhafte Silagen - gerne auf, sofern sie schon während der Säugezeit daran gewöhnt worden sind. In dänischen Versuchen wurde festgestellt, dass selbst bei einer Fütterung ad libitum die Tiere noch bis zu fünf Prozent des Energiebedarfes aus Gras bzw. Grassilage decken.
Zu Beginn der Vormast ab 30 Kilogramm Lebendmasse sind Mengen von 400 Gramm Kleegras bzw. 200 Gramm Kleegrassilage pro Tier und Tag möglich, die bis zur Endmast mit rationierter Fütterung auf zwei Kilogramm Kleegras bzw. ein Kilogramm Grassilage gesteigert werden können. Gerade in der Endmast oder der Mast von schweren Verarbeitungsschweinen (so genannte XXL-Schweine) verhindert diese Form der Fütterung eine zu starke Verfettung. Die täglichen Zunahmen gehen jedoch mit der Grundfutterfütterung im Bereich von zehn bis 15 Prozent etwas zurück. Wird nur Stroh als Grundfutter verwendet, sollte dies von besonders guter Qualität sein. Mastschweine sind sehr empfindlich gegenüber den Mykotoxinen der Fusarienpilze im Getreidestroh. Im Stallinnenbereich ist zur Beschäftigung als Wühlmaterial und als Allein-Grobfutter eine Mindestmenge an Stroh von 200 bis 300 Gramm pro Tier und Tag erforderlich.
Literatur
Hansen et. al., 2000: Effects of feeding including roughage on pig performance, technological meat Quality and and eating Quality of pork, Proceedings of the 13th International IFOAM Scientific Conference, Geneva, Switzerland
Aus der Forschung - für die Praxis
Qualitätssicherung für Soja-Futtermittel aus ökologischer Erzeugung
Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau schreiben eine hundertprozentige Biofütterung ab 2012 vor. Um unter diesen Bedingungen eine bedarfsgerechte Versorgung monogastrischer Nutztiere (Geflügel und Schweine) mit Proteinen, insbesondere mit essentiellen Aminosäuren, sicherzustellen, müssen ökokonforme Eiweißfuttermittel zielgerichtet eingesetzt werden. Verschiedene Sojaprodukte aus ökologischer Erzeugung können dabei eine entscheidende Rolle spielen. In einem Forschungsprojekt wurden ökologisch erzeugte Sojabohnen zu Sojakuchen verarbeitet und verschiedenen Wärmebehandlungsverfahren unterzogen. Der Behandlungserfolg der verschiedenen Verfahren wurde in Fütterungsversuchen unter den Bedingungen einer 100-Prozent-Biofütterung bei Broilern, Legehennen und abgesetzten Ferkeln überprüft.
Näheres zum Projekt:
Qualitätssicherung für Eiweißfuttermittel in der ökologischen Tierernährung: Sojabohnen und -kuchen
Aus der Forschung - für die Praxis
Einsatz von Raufuttermitteln in der Freilandhaltung von Mastschweinen
In der ökologischen Tierhaltung soll das Futter soweit wie möglich vom eigenen Betrieb stammen; zudem schreiben die Richtlinien in der Schweinefütterung die tägliche Vorlage von Raufutter vor. In einem Forschungsvorhaben wurden Futteraufnahme und -verwertung bei Mastschweinen in Abhängigkeit vom Feldfutterangebot untersucht. Zudem wurden Parameter zur Tiergesundheit und Schlachtkörperqualität aufgenommen.
"Schweinefleisch mit einem hohen Genusswert, das zudem unter tiergerechten und umweltverträglichen Bedingungen erzeugt wurde, findet bei einer qualitätsbewussten Verbraucherklientel einen hohen Zuspruch", sagt Projektleiter Prof. Dr. Albert Sundrum von der Universität Kassel. "Mit der Freilandhaltung von Mastschweinen können solche Verbraucherwünsche umfassend erfüllt werden. Allerdings muss der Landwirt auf viele Details achten und diese aufeinander abstimmen, damit die gewünschten Produkt- und Prozessqualitäten auch de facto erzielt werden und sich die Produktionskosten in Grenzen halten."
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Kompensatorischer Proteinansatz in der Ökoschweinemast
Bei der Vermarktung von Mastschweinen spielt der Muskelfleischanteil des Schlachtkörpers eine wesentliche Rolle. Dieser hängt neben der Genetik vor allem vom Lysin-Energie-Verhältnis in der Futterration ab. In der ökologischen Tierfütterung ist die Verfügbarkeit von Eiweißfuttermitteln mit hochwertigem Aminosäurenmuster begrenzt. Daher besteht das Risiko zu geringer Lysingehalte in der Anfangsmastration, woraus eine zu starke Verfettung des Schlachtkörpers resultieren kann. Ein Forschungsvorhaben am Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst sollte klären, ob nach einer Lysin-Unterversorgung in der Anfangsmast nach geeigneter Realimentation in der Endmast ein kompensatorischer Proteinansatz stattfindet.
Näheres zum Projekt:
Ausnutzung eines kompensatorischen Proteinansatzes in der ökologischen Schweinemast
Letzte Aktualisierung: 19.10.2010

