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Praxisbericht: Mastschweinefütterung mit Grünfutter

Betrieb Georg Strobl: Grünfutter "bis zum Anschlag"

Freiland-Schweine im Kleegras.
© BLE, Bonn

Ganz "gegen die Lehrmeinung" füttert Georg Strobl aus Rehling in der Nähe von Augsburg seine rund 300 Mastschweine: Nachdem er vor Jahren mit mehrphasiger Fütterung experimentiert hatte, füttert er heute nur noch eine Ration. Ungewöhnlich ist, dass seine Futtermischung rund 20 Prozent Luzerne-Kleegras-Cobs enthält. Die müssen beste Qualität haben: "Mir ist es sehr wichtig, dass das Kleegras aus meinem eigenen Betrieb kommt und ich die Qualität steuern kann", sagt der Mäster.

Strobl schneidet das Gras sehr jung. Denn Dreh- und Angelpunkt ist die Schmackhaftigkeit der Mischung: Wenn die Schweine zu wenig fressen, reicht die Energie der Ration nicht aus. Mit zugekauften Cobs ließe sich sein Verfahren kaum nachahmen: "Ein paar Kollegen haben es versucht, da hat es nicht geklappt." Er selbst hat sich langsam an diese Fütterung herangetastet. Ausgangspunkt war der Kleegrasanbau, den er auf dem Acker nicht missen wollte - und die Schweine sind seine einzigen "Futterverwerter".

Seine Tiere erhalten heute eine Mischung aus 20 Prozent Gras-Cobs, zehn Prozent Sojakuchen, 20 Prozent Erbsen, je 17 Prozent Gerste und Weizen, 13 Prozent Hafer und drei Prozent Mineralfutter. Gefüttert wird ad libitum. Bis auf die Sojabohnen kommt das Futter komplett vom eigenen Betrieb - und auch Soja möchte Georg Strobl selbst anbauen, sobald seine Toasterei sich eine Ölpresse zugelegt hat. Optimieren könne man sicher noch die übliche Mineralmischung, die auf eine getreidereiche Ration zugeschnitten ist, meint Strobl: "Eventuell stimmt das Ca/P-Verhältnis nicht ganz."

Mit der Mischung erreicht der Mäster Tageszunahmen von durchschnittlich 830 Gramm und einen Magerfleischanteil von 57 Prozent bei einem Schlachtgewicht von 100 Kilogramm. Die Tiere der Dreirassenkreuzung (Deutsches  Edelschwein x Deutsche Landrasse und Piétrain) erhalten die Futtermischung ab etwa 30 Kilogramm (wenn sie in den Betrieb kommen) bis zum Mastende. Nach Absprache mit dem Mäster bekommen die Ferkel auch im Sauenbetrieb bereits geringe Mengen Grünmehl, um sich rechtzeitig an das rohfaserreiche Futter gewöhnen. Dafür gibt es kaum Probleme mit Durchfallerkrankungen.

Die Hälfte seiner Schweine vermarktet der Landwirt mit etwa 100 Kilogramm Schlachtgewicht an die Feneberg Lebensmittel GmbH, die andere Hälfte als XXL-Schweine mit 170 Kilogramm Schlachtgewicht an die Hermannsdorfer Landwerkstätten. "Die XXL-Schwein werden mir aber bei den hohen Kraftfutterkosten nicht mehr bezahlt", sagt der Landwirt. Wenn es nicht gelinge, die Abnahmepreise zu erhöhen, müsse er das Schlachtgewicht herunterfahren.

Dieser Bericht entstand Ende 2007.

Aus der Forschung - für die Praxis

Einsatz von Raufuttermitteln in der Freilandhaltung von Mastschweinen

In der ökologischen Tierhaltung soll das Futter soweit wie möglich vom eigenen Betrieb stammen; zudem schreiben die Richtlinien in der Schweinefütterung die tägliche Vorlage von Raufutter vor. In einem Forschungsvorhaben wurden Futteraufnahme und -verwertung bei Mastschweinen in Abhängigkeit vom Feldfutterangebot untersucht. Zudem wurden Parameter zur Tiergesundheit und Schlachtkörperqualität aufgenommen.

"Schweinefleisch mit einem hohen Genusswert, das zudem unter tiergerechten und umweltverträglichen Bedingungen erzeugt wurde, findet bei einer qualitätsbewussten Verbraucherklientel einen hohen Zuspruch", sagt Projektleiter Prof. Dr. Albert Sundrum von der Universität Kassel. "Mit der Freilandhaltung von Mastschweinen können solche Verbraucherwünsche umfassend erfüllt werden. Allerdings muss der Landwirt auf viele Details achten und diese aufeinander abstimmen, damit die gewünschten Produkt- und Prozessqualitäten auch de facto erzielt werden und sich die Produktionskosten in Grenzen halten."

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtEinsatz von Raufuttermitteln (Silage, Weidelgras, Topinambur und Stoppelrüben) im Vegetationsverlauf in der ganzjährigen Freilandhaltung von Mastschweinen

Letzte Aktualisierung: 11.01.2012

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