Wertvolle Futtermittel gezielt einsetzen
Die Futterkosten sind hoch, umso mehr müssen die knappen und teuren Nährstoffe zielgerichtet eingesetzt werden. Auf vielen Betrieben besteht in dieser Hinsicht noch Verbesserungspotential.
Die Preise für Futtermittel aus ökologischer Produktion befinden sich nach einem rasanten Anstieg in den vergangenen Jahren gegenwärtig auf einem Rekordniveau. Die Kosten der biologischen Schweinemast sind in der Folge enorm gestiegen. Daher kann jedem Mäster nur empfohlen werden, die verfügbaren Nährstoffe sehr effizient einzusetzen.
Doch fundierte Informationen darüber, ob und wie dies in der Praxis realisiert wird, fehlen weitgehend. In Forschungsprojekten am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel wurden daher auf biologisch wirtschaftenden Schweinemastbetrieben Analysen von Einzelfuttermitteln und daraus hergestellten Futtermischungen durchgeführt. Dazu wurden Daten zur Futteraufnahme, täglichen Zunahme sowie Schlachtleistungsdaten erhoben.
Nicht auf Tabellen verlassen!
Untersucht man einzelne Futterkomponenten, so stellt man fest, dass die Nährstoffgehalte stark schwanken. Energie- und Eiweißgehalte unterschieden sich sowohl bei gleichen Futtermitteln von verschiedenen Betrieben als auch bei gleichen Futtermitteln von verschiedenen Schlägen eines Betriebs.
So streuten beispielsweise bei Erbsen von unterschiedlichen Betrieben die Proteingehalte zwischen 184 und 248 Gramm pro Kilogramm (g/kg) bei 88 Prozent Trockenmasse (TM). Bei Weizen von unterschiedlichen Schlägen eines Betriebes reichte die Spannweite der Proteingehalte von 83 g bis zu 110 g/kg (88 Prozent TM).
Generell sollte man sich bei der Berechnung von Rationen nicht auf Futterwerttabellen verlassen. Futtermittel ökologischer Herkunft weisen meist deutlich niedrigere Eiweißgehalte auf (siehe Grafiken). Dies kann zum Teil auf den Verzicht auf mineralische Stickstoffdüngemittel zurückgeführt werden. Gelegentlich sind es aber auch schlechte Lagerbedingungen, die einen Nährstoffverlust verursachen. In einzelnen Betrieben waren die Futtermittel teilweise auf feuchten Böden oder in Hallen mit unvollständigem Regenschutz und vorübergehend auch auf Anhängern unter freiem Himmel untergebracht. In feuchtem Futter kann es durch mikrobielle Abbauprozesse zu deutlichen Nährstoffverlusten kommen.
Zu wenig Energie und Eiweiß
Die untersuchten Futtermischungen für Mastschweine bestanden im Mittel zu 67,3 Prozent aus Getreide, zu 18 Prozent aus Körnerleguminosen, zu 6,3 Prozent aus Raps- oder Leinkuchen, zu 5,7 Prozent aus Eiweißfuttermitteln wie Kartoffeleiweiß und zu 2,7 Prozent aus Mineralfutter. Genau wie bei den Einzelfuttermitteln wiesen auch die Nährstoffgehalte der Futtermischungen eine große Schwankungsbreite auf. Auffallend war die Spanne bei Futtermischungen aus zeitlich getrennten Mischvorgängen. Der Energiegehalt einer Anfangsmastration reichte von 12,2 Megajoule Umsetzbare Energie (MJ ME) bis zu 13,8 MJ ME pro Kilogramm (88 Prozent TM).
Auf der einen Seite unterschritten die meisten in die Untersuchung einbezogenen Futtermischungen die empfohlenen Energie- und Eiweißgehalte für Futtermischungen. Gerade in der Anfangsmast ist eine bedarfsgerechte Versorgung zur Ausschöpfung des Wachstumspotentials der Tiere jedoch unerlässlich. Auf der anderen Seite waren die Energie- und Eiweißgehalte in einigen Futtermischungen auch viel zu hoch. Ein Luxuskonsum der Tiere bewirkt aber keine gewünschte Leistungssteigerung und hat lediglich erhöhte Futterkosten zur Folge.
Um Futterrationen bereit zu stellen, die dem Bedarf der Tiere entsprechen, sollte man sämtliche Einzelfuttermittel nach der Ernte oder der Anlieferung grundsätzlich auf ihre Nährstoffzusammensetzung analysieren lassen und die Ration anhand der Ergebnisse mischen. Zusätzlich empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung der Energie- und Proteingehalte in den Mischungen, insbesondere nach einer Änderung der Rezeptur oder nach dem Wechsel von Futtermittelchargen.
In der Praxis, dies zeigten auch die Studien der Universität Kassel, wurden Einzelfuttermittel in den vergangenen Jahren allerdings kaum analysiert. Die Betriebsleiter nutzten häufig die Angaben aus Futterwerttabellen oder verwendeten Analyseergebnisse aus den Vorjahren. Dies führte dazu, dass die vorgesehenen Energie- und Eiweißgehalte in den Futterrationen nur selten erreicht wurden.
Als erschwerender Faktor kommt auf den untersuchten Biobetrieben hinzu, dass die Chargen der einzelnen Futterkomponenten zum Teil klein und die Lagerkapazitäten begrenzt sind. Mitunter wurden unterschiedliche Getreidearten (Weizen, Triticale und Gerste) und verschiedene Körnerleguminosen (Ackerbohne und Erbse) übereinander in ein Silo geschüttet. Repräsentative Nährstoffanalysen und die Herstellung von bedarfsgerechten Futtermischungen sind so nicht mehr möglich.
Futteraufnahme kontrollieren
Nicht nur die Rationszusammensetzung spielt eine Rolle, sondern auch, wieviel Futter die Tiere fressen. Bei ad-libitum-Fütterung zeigten sich große Unterschiede in der Futteraufnahme zwischen Betrieben, aber auch zwischen Mastgruppen desselben Betriebs. In der Anfangsmast reichten die Werte von 1,1 bis 2,8 Kilogramm pro Tier und Tag, in der Endmast von 2,3 bis 3,7 Kilogramm pro Tier und Tag. In keinem der untersuchten Betriebe wurden die verbrauchten Futtermengen der einzelnen Mastgruppen systematisch erfasst. Dies ist aber dringend zu empfehlen, denn ohne Kenntnis oder wenigstens einer Einschätzung der Futteraufnahme kann der Mäster auch bei bekannten Energie- und Proteingehalten letztendlich keine hinreichende Aussage über die Effizienz des Nährstoffeinsatzes treffen.
Einerseits werden die Tiere bei unzureichender Futteraufnahme auch bei bedarfsgerechten Futterrationen unterversorgt. Andererseits muss die Nährstoffkonzentration angepasst werden, wenn die Futteraufnahme hoch ist, sonst entsteht ein Luxuskonsum, den es bei hohen Futterpreisen unbedingt zu vermeiden gilt.
Auf einigen der untersuchten Betriebe kam es in der Anfangsmast aufgrund der Kombination von zu geringer Nährstoffkonzentration im Futter und niedrigem Futterverzehr zu einer Unterversorgung der Tiere. In der Endmast wurden die Bedarfswerte dagegen in vielen Mastgruppen mit ad-libitum-Fütterung durch hohe Futteraufnahmen deutlich überschritten. Weil aber in der Endmast das Muskelwachstum relativ zur Lebendmasse abnimmt, führt eine Überversorgung in dieser Phase zu einem vermehrten Fettansatz sowie zu einer erhöhten Nährstoffausscheidung und damit zu einer schlechten Futterverwertung. Die Futterverwertung einzelner Endmastgruppen erreichte auf diese Weise bis zu 4,5 kg Futter pro Kilogramm Zuwachs. Eine Kontrolle der Futterverzehrsmengen besonders gegen Mastende ist daher unerlässlich.
Verbesserungspotentiale auf den Betrieben
Auf den untersuchten Mastbetrieben besteht ein großes Potential, die Nährstoffeffizienz zu verbessern. Mit einer systematischen Vorgehensweise und einem verbesserten Fütterungsmanagement können die knappen Nährstoffe zielgerichtet eingesetzt und Kosten gespart werden. Wichtig ist, die Futterrationen genau an den leistungsabhängigen Bedarf der Tiere anzupassen. Tabellen- und Durchschnittswerte für die Nährstoffgehalte von Einzelfuttermitteln oder Werte aus vergangenen Jahren sind nicht geeignet, um Rationen zu berechnen. Sie können die Analyse der Einzelfuttermittel nicht ersetzen.
Autoren: Charlotte Marien und Albert Sundrum (Universität Kassel)
Erschienen in "bioland", Ausgabe 07/2008
Letzte Aktualisierung: 11.01.2012



