Ausläufe für Ökoschweine
Richtliniengerecht, effizient und hygienisch

- ©BLE, Bonn
Betriebe mit ökologischer Schweinehaltung müssen für alle Abschnitte der Schweinehaltung Auslauf anbieten. Die zurzeit geltende Ausnahmegenehmigung zur auslauflosen Haltung kann bis Ende 2013 mit einer entsprechenden Begründung bei der Kontrollbehörde des jeweiligen Bundeslandes verlängert werden.
Gesetzliche Vorgaben
Die EU-Rechtsvorschriften fü den ökologischen Landbau legen fest, welche Mindestflächen je Tier ein Auslauf in dem jeweiligen Haltungsabschnitt aufweisen muss Sie regeln in Grundzügen auch die Ausgestaltung der Ausläufe.
Haltungsabschnitt | Lebendgewicht | Mindestfläche |
|---|---|---|
*) Einzelbuchten für Sauen mit Ferkeln benötigen aufgrund der Buchtenbreite etwa 6 qm Auslauf. | ||
Aufzuchtferkel (über 40 Tage alt) | bis 30 | 0,4 |
Mastschweine | bis 50 | 0,6 |
> 50 - 85 | 0,8 | |
> 85 - 110 | 1,0 | |
> 120 | 1,5 | |
Zuchtsauen ohne Ferkel | keine Angabe | 1,9 |
Zuchtsauen mit Ferkeln (bis 40 Tage alt) | keine Angabe | 2,5* |
Eber | keine Angabe | 8,0 |
Die Tiere müssen jederzeit Zugang zum Auslauf haben. Mindestens 50 Prozent der der Stallgesamtfläche müssen planbefestigt sein. Im Auslauf ist Wühlmaterial anzubieten. In der Praxis werden die Ausläufe überwiegend planbefestigt ausgestaltet und mobil entmistet.
Welche Anforderungen muss ein Auslauf erfüllen?
Schweine sind Erkundungstiere, die ausreichend Beschäftigungsmaterial benötigen, um die ihnen angeborene Verhaltensweisen wie Wühlen und Entdecken der Umwelt ausleben zu können. Der Auslauf sollte für die Tiere so attraktiv sein, dass sie dort viel Zeit verbringen und von den Vorteilen profitieren können. Darüber hinaus sorgt ein gut gestalteter Auslauf dafür, dass die Tiere Kot und Harn draußen absetzen.
Auslegung der Richtlinien
Die Auslegung der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau lässt bei der baulichen Gestaltung der Ausläufe Spielräume zu, die in den unterschiedlichen Bundesländern verschiedene Ausprägung finden. Dies betrifft insbesondere die Überdachung, den Zugang zum Auslauf für ferkelführende Sauen bis zur dritten Lebenswoche der Ferkel und die Einstreu der Ausläufe.
Die Vorgaben für die maximale Überdachung des Auslaufs variieren zwischen 50 und 90 Prozent je nach Produktionsphase und Bundesland. Berater und Kontrollstellen geben Auskunft über die jeweiligen Anforderungen in den verschiedenen Regionen.
Die Kontrollbehörden der Bundesländer interpretieren die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zudem dahingehend, dass Spaltenböden keine geeignete Ausgestaltung von Freigelände oder Ausläufen sind.
Tiere vor dem Wetter schützen
Damit die Schweine den Auslauf unabhängig vom Wetter nutzen können und Einstreumaterial gespart wird ist es sinnvoll, einen Teil des Auslaufs zu überdachen. Schweine sind empfindlich gegen Sonnenbrand. Besonders auf der Südseite wird daher in vielen Fällen ein zusätzlicher Sonnenschutz gegen intensive Einstrahlung notwendig sein. Unter dem Dach finden die Tiere auch bei starken Regenfällen trockene Liegemöglichkeiten. Dadurch bleiben sie deutlich sauberer, man kommt mit weniger Einstreu aus und das Hygienerisiko durch nasse Einstreu wird verringert.

- Kreative Lösung für einen Mastschweinestall: Lang gestreckter, überdachter Auslauf auch an den Giebelseiten
©BLE, Bildautor: S. Fritzsche
Den Auslauf attraktiv gestalten
Die Schweine legen ihren Kotbereich gerne draußen im feuchten und zugigen Bereich an und der Stall bleibt sauberer. Den natürlichen Verhaltensweisen der Schweine, dem Wühlen und Graben, kommen neben der Einstreu auch Raufutterraufen an der Außenseite des Auslaufs entgegen.
Tränken im Auslauf haben sich besonders bewährt, oft werden sie auch nur im Auslauf angebracht. Darüber hinaus kann man den Tieren Beschäftigungsmaterial wie Spielketten anbieten. Angesichts der zunehmend heißen Sommer gewinnen auch Schweineduschen an Bedeutung.
Drei Varianten der Auslaufgestaltung sollen nachfolgend näher vorgestellt werden: planbefestigte Ausläufe mit bzw. ohne Einstreu sowie Ausläufe auf Spaltenboden. Die Daten sind als Anhaltspunkte zu verstehen. Wie der Auslauf konkret ausgestaltet werden soll (Einstreu, Spalten, Überdachung), sollte mit dem Berater abgeklärt werden.
Arbeitszeitbedarf für Entmistung und Einstreuen
Der im planbefestigten Auslauf anfallende Kot und Harn muss regelmäßig entfernt werden. Für eingestreute Ausläufe muss häufig weniger Arbeitszeit aufgewendet werden als bei planbefestigten Ausläufen ohne Einstreu, da der Auslauf nicht mehr täglich, sondern nur noch einmal in der Woche abgeschoben und wieder eingestreut werden muss.
Arbeitsgang | Mastschweine | Zuchtsauen | Aufzuchtferkel | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
*) AKh=Arbeitskraftstunden | ||||||
Häufig- | AKh*/ Tierplatz und Jahr | Häufig- | AKh/ Tierplatz und Jahr | Häufig- | AKh/ Tierplatz und Jahr | |
Einstreuen und Entmisten (eingestreuter Auslauf) | 1 | 0,27 | 1 | 1,70 | 1 | 0,34 |
Entmisten (Auslauf ohne Einstreu) | 7 | 0,45 | 2 | 1,59 | 7 | 0,40 |
Investitionsbedarf
Der Investitionsbedarf für einen Quadratmeter (qm) plan befestigten Auslauf bei Mastschweinen beträgt ohne MwSt. knapp 150 Euro gegenüber knapp 240 Euro bei Spaltenboden. Bei Zuchtsauen liegt der Investitionsbedarf für plan befestigte Ausläufe bei knapp 190 Euro/qm und für Aufzuchtferkel bei knapp 180 Euro/qm.
Etwa 50 Prozent des Investitionsbedarfs eines planbefestigten Auslaufs für Mastschweine sind für die Bodenplatte mit Aushub und Fundamenten notwendig. Für die Ausstattung einschließlich Schwenkgitter und beheizter Tränken sind 35 Prozent erforderlich. Das zusätzliche Güllelager erfordert bei teilüberdachtem Auslauf nur drei Prozent, die Überdachung etwa zehn Prozent des Investitionsaufwandes. Bei einem Auslauf mit Spaltenboden liegt der Anteil des Investitionsbedarfs für den Spaltenboden mit Flüssigmistkanälen bei 70 Prozent der Gesamtsumme.
Gesamtkosten
Zu den jährlichen Gesamtkosten für einen Auslauf gehören die Abschreibung und Zinsen der Investitionen, die Kosten für die Einstreu einschließlich der Lagerung, die Unterhaltungskosten und die mit dem Auslauf verbundenen Arbeitskosten für das Entmisten und gegebenenfalls Einstreuen. Der Arbeitsaufwand für das Ablassen der Güllekanäle, die Reinigung und Desinfektion des Auslaufs sowie die Dungausbringung ist nicht berücksichtigt.
Die Gesamtkosten sind bei der Bewirtschaftung eines planbefestigten und eingestreuten Auslaufs am höchsten. Sie liegen 30 bis 60 Prozent über denen der kostengünstigsten Variante. Ein planbefestigter Auslauf ohne Einstreu und ein Auslauf mit Spaltenboden liegen in den Kosten nah beieinander. Der planbefestigte Auslauf ohne Einstreu ist aufgrund der niedrigen Investitionskosten trotz der höheren Arbeitskosten die günstigste Variante.
Beim eingestreuten Auslauf fallen bei den Gesamtkosten die Kosten für die Einstreu stark ins Gewicht. Der Spaltenboden liegt trotz hoher Investitionskosten nur wenig über der günstigsten Variante, da keine Kosten für Einstreu und Entmisten anfallen. Allerdings müssen die Spalten auch gepflegt werden. Die Gesamtkosten je Mastplatz beziehungsweise je Tier für einen planbefestigten Auslauf ohne und mit Einstreu sind erheblich. Die Kosten für den Auslauf eines Mastschweins betragen etwa elf bis 13 Euro, für ein Ferkel bis zum Absetzen vier bis sechs Euro und weitere zwei bis drei Euro in der Ferkelaufzucht. Im Stallbereich kann sich der Arbeitsaufwand und Einstreubedarf durch einen Auslauf verringern.
Aspekt Hygiene beachten
Bei der Ausbreitung von Krankheitserregern und für den Befall mit Spulwürmern stellt das Entmisten planbefestigter Ausläufe quer über die Buchtenreihe hinweg ein erhöhtes Infektionsrisiko dar. Hygiene ist eine ständige und sorgfältige Managementaufgabe, die durch bauliche Maßnahmen wesentlich unterstützt werden kann.

- Auslauf für Mastschweine mit motorgetriebenen Rollos als Sonnenschutz
©BLE, Bildautor: S. Fritzsche
Den Bestand wurmfrei halten
Mäster müssen darauf achten, nur wurmfreie Ferkel einzukaufen. Für Ferkelerzeuger gilt dagegen, bei allen Tierzugängen auf Entwurmung und Quarantäne zu achten. Mit regelmäßigen Kotproben kann der Hygienestatus kontrolliert werden. Zeigen diese Proben, dass der Bestand befallen ist, so ist es wichtig, die Tiere konsequent zu entwurmen; einmalig in der Ferkelaufzucht und zweimalig in der Mast. Daneben ist die sorgfältige Reinigung und Desinfektion von Stall und Auslauf erforderlich, um den Entwicklungszyklus der Würmer zu unterbrechen und den Bestand im Idealfall wieder wurmfrei zu bekommen.
Hygienisch getrennte Einheiten schaffen
Die Übertragung von Parasiten und Krankheitserregern kann eingedämmt werden, wenn beim Entmisten der Laufflächen im Stall und im Auslauf darauf geachtet wird, verschiedene Haltungsabschnitte nicht zur gleichen Zeit zu entmisten. Um im Rein-Raus-Verfahren zu wirtschaften, lässt sich auch ein Stall mit Auslauf durch eine Teilung des Auslaufes in der Gebäudemitte in hygienische Einheiten unterteilen, die jeweils von den Stirnseiten arbeitswirtschaftlich noch vertretbar entmistet werden können. Ein Schwachpunkt dieses Konzeptes bleibt die mobile Entmistungstechnik, die konsequenterweise nach jedem Abschieben gereinigt werden müsste.
Ist Spaltenboden hygienischer?
Regelmäßiges gründliches Abschieben eines plan befestigten Auslaufs bringt den Kot fast vollständig aus dem Kontaktbereich der Tiere. Bei Spaltenböden ist aufgrund des relativ geringen Tierbesatzes die Selbstreinigung nur unvollständig. Für die Übertragung zur Nachbarbucht bilden die bevorzugt an den Buchtentrennwänden auftretenden Kotecken günstige Voraussetzungen. Ein Spaltenboden ist gegenüber einem planbefestigten Auslauf deshalb in hygienischer Hinsicht nicht unbedingt besser.
Neubaulösungen
Ein Neubau bietet den Vorteil, dass die Gebäudestruktur und die Buchtenmaße optimal auf die Funktionssicherheit und die Bewirtschaftung ausgerichtet werden können. Für den nachträglichen Anbau eines Auslaufs ist Voraussetzung, dass jede Bucht an einer Außenwand liegt und um das Gebäude genügend Fläche für einen Auslauf zur Verfügung steht.
Aus der Forschung - für die Praxis
Thermische Verfahren zur Bodendesinfektion
Bei der Freilandhaltung kann es zu einer Anreicherung von Krankheitserregern und Fäkalkeimen in den oberen Bodenschichten kommen, die unter Umständen Desinfektionsmaßnahmen erforderlich macht. Mit dem Ziel, umweltfreundliche und praktikable Verfahren der Bodendesinfektion zu entwickeln, wurde an der Universität Hohenheim die Wirksamkeit verschiedener thermischer Verfahren getestet. Dabei wurden unterschiedliche Standorte, Bodenarten und Witterungsbedingungen berücksichtigt.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Entwicklung eines Schweinepest-Überwachungsprogramms
Die klassische Schweinepest (KSP) ist eine der wirtschaftlich folgenschwersten Tierseuchen weltweit und führt bei jedem Auftreten zur Tötung zahlreicher (meist gesunder) Tiere. Hauptansteckungsquelle für Hausschweine sind infizierte Wildschweine. In schweinepestgefährdeten Gebieten unterliegen Betriebe mit Schweinehaltung strengen Überwachungsmaßnahmen und Handelsrestriktionen. Dazu gehört z.B. das Verbot der Freilandhaltung, wovon vor allem ökologisch wirtschaftende Betriebe betroffen sind. In einem Forschungsvorhaben wurde nach Alternativen in der Diagnostik und Überwachung der Schweinepest gesucht.
Näheres zum Projekt:
Letzte Aktualisierung: 21.11.2010

