Betriebszweigananalyse Schweinemast
Der Optimierung auf der Spur
Betriebszweiganalysen geben nicht nur Auskunft über Gewinn oder Verlust eines Betriebszweigs, sondern zeigen häufig Verbesserungsmöglichkeiten im Verfahren auf.
Berater schwören auf den Nutzen von Betriebszweigauswertungen (BZA) und bewerten sie als zentrales Instrument zur Schwachstellenanalyse. Betriebsleiter hingegen befürchten oft zusätzlichen Dokumentationsaufwand und können - zumindest auf den ersten Blick - die Vorteile dieses Analyseverfahrens nicht immer erkennen. Im Arbeitskreis Ökologische Schweinehaltung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW) sind Betriebszweigauswertungen Basis der Beratungstätigkeit und vielfach Ausgangspunkt für Verbesserungen in Produktion und Management.
In fast allen untersuchten Betrieben trägt die Schweinemast deutlich weniger als 50 Prozent zum Betriebseinkommen bei. Die Auswertungen im Arbeitskreis beschränken sich daher auf die Erhebung relevanter biologischer Leistungsdaten wie Tageszunahmen, Futterverwertung, Verluste etc. und der Ökonomie bis hin zur Direktkosten-freien Leistung.
Der Aufwand für den Betrieb ist dabei gering, da sich viele Leistungsdaten aus der Dokumentation von Ferkel- und Futterzukäufen sowie Mastschweineverkäufen ergeben. Zur Abgrenzung des gewünschten Auswertungszeitraums - zum Beispiel einem Wirtschaftsjahr - sind lediglich Anfangs- und Endbestand der Tiere (Anzahl und Gewicht) und des gemischten Futters sowie aller Komponenten zu ermitteln und die Verluste zu dokumentieren.
Beispiel 1: Gemüse enthielt zu wenig Energie
Der Landwirt hält im Schnitt etwa 300 Mastschweine. Vor einigen Jahren wurden Längströge eingebaut, um die Rationierung in der Endmast zu optimieren. Im Schnitt der Jahre erzielte der Betrieb Tageszunahmen von 700 Gramm bei einer Futterverwertung von etwa 1:3,4 sowie Magerfleischanteile von etwa 55 Prozent, so dass von leicht überdurchschnittlichen Leistungen gesprochen werden konnte.
Bei einer neuerlichen Auswertung wurden nur 570 Gramm Tageszunahmen bei einer durchschnittlichen täglichen Kraftfutteraufnahme von 1,85 Kilogramm je Tier ermittelt. Nachdem Eingabefehler ausgeschlossen worden waren und Probewiegungen das Ergebnis bestätigten, stellte sich im Gespräch heraus, dass der Betriebsleiter nach dem Einstieg in die Gemüseproduktion den Schweinen in der Endmast Gemüsereste verabreichte und die Kraftfuttermenge von 2,7 auf etwa zwei Kilogramm täglich reduziert hatte. Die Verfütterung von Gemüse und anderem Saft- und Raufutter an Endmastschweine ist grundsätzlich sinnvoll, da es zur Sättigung und Beschäftigung der Tiere beiträgt und Kraftfutter einsparen kann.
Im vorliegenden Fall erhielten 16 Tiere in einer Bucht etwa 25 Kilogramm Frischmasse Gemüse, was 1,6 Kilogramm je Tier entspricht. Aufgrund des niedrigen Trockenmassegehaltes von Gemüse bekamen die Tiere auf diesem Weg aber nur etwa drei Mega Joule umsetzbare Energie (MJ ME). Die Verringerung des Kraftfutters um 0,7 Kilogramm je Tier entspricht aber etwa neun MJ ME. Somit bekamen die Schweine zu wenig Energie und wuchsen nicht entsprechend ihres Leistungsvermögens. Gegebenenfalls hätte auch der Eiweißgehalt in der Futtermischung erhöht werden müssen, um die Ration auszugleichen.
Die ungewollt starke Rationierung hatte eine Erhöhung des Magerfleischanteils um über zwei Prozent auf rund 57 Prozent zur Folge, was bei der damaligen Preismaske rund zwölf Cent je Kilogramm Schlachtgewicht mehr erbrachte. Die Futterverwertung blieb unverändert, da der erhöhte Erhaltungsbedarf bei verlängerter Mast durch den geringeren Fettansatz kompensiert wurde. Für die Bildung von Fett verbraucht der Körper deutlich mehr Energie als für den Aufbau von Muskelfleisch. Im Durchschnitt wurden je Mastschwein auf diese Weise elf Euro mehr erzielt.
Eine ökonomische Beurteilung hängt von den betrieblichen Gegebenheiten ab. Im Falle knapper und teurer Stallplätze können bei verlängerter Mastdauer weniger Schweine verkauft werden, die folglich mit mehr Festkosten belastet sind. Sind Stallplätze hingegen ausreichend vorhanden, weil beispielsweise die Nachfrage nach Schweinen gering ist, stehen als Kostenposition dem Mehrerlös im Wesentlichen nur der erhöhte Arbeitsaufwand (mehr Stalltage) und ein höherer Strohverbrauch gegenüber.
Beispiel 2: Futterration wurde optimiert
Über Jahre zeigte sich der Bestand dieses Betriebes als Musterbeispiel einer gut funktionierenden Öko-Schweinemast. Die Verluste lagen zwischen einem und drei Prozent, die Tageszunahmen zwischen 650 und 700 Gramm bei einem Magerfleischanteil von rund 55 Prozent. Bei Betrachtung mehrerer Auswertungszeiträume zeigte sich jedoch, dass die Futterverwertung schlechter wurde und die Tageszunahmen sich verringerten. Die Verwurmung lag im Schnitt der Jahre um 20 Prozent und kam somit als alleinige Ursache nicht in Frage. Dennoch wurde nach Befund von Wurmeiern im Kot die Empfehlung gegeben, eine Entwurmung durchzuführen und die Entwicklung der Schlachtbefunde im Auge zu behalten.

- Der Energiegehalt des Futters hat Einfluss auf den Magerfleischanteil. ©BLE, Foto: Thomas Stephan
Bei der Überprüfung der Futterration stellte sich heraus, dass seit geraumer Zeit hohe Anteile Gerste in der Vormast eingesetzt wurden. Gerste hat mit 12,5 MJ ME je Kilogramm im Vergleich zu Triticale und Weizen einen um etwa ein MJ ME niedrigeren Energiegehalt. Die Analyse der Vormast-Futtermischung ergab einen Energiegehalt von 12,2 MJ ME bei 0,8 Prozent Lysin (optimal: 13 MJ ME, ein Prozent Lysin). Um den Energiegehalt zu erhöhen, wurde der Anteil Gerste zugunsten von Triticale verringert und auch für die Erhöhung des Eiweißanteils wurde gesorgt. Komponenten mit hohen Anteilen (Getreide, Körnerleguminosen) in der Ration werden nun vorab untersucht, um sowohl Mangel wie Luxuskonsum auszuschließen.
Beispiel 3: Schlachtgewicht gesenkt
750 Gramm Tageszunahmen bei einer Futterverwertung 1:2,9 sind für Öko-Schweine schon herausragend. Allerdings wurden diese Leistungen mit einem Magerfleischanteil von unter 54 Prozent erkauft. Die Analyse ergab ein durchschnittliches Schlachtgewicht von 103 Kilgramm. Eine Verringerung des Schlachtgewichtes um etwa zehn Kilogramm auf 93 bis 95 Kilogramm könnte den Magerfleischanteil um etwa 0,8 bis ein Prozent erhöhen. Etwa die Hälfte der Mastschweine wird am Automaten, die andere Hälfte am Längstrog rationiert. Die Vermutung, dass die Schweine am Automaten stärker auseinander wachsen und teilweise damit auch stärker verfetten, bestätigte sich nicht. Insofern beschränkte sich der Berater auf die Empfehlung, das durchschnittliche Schlachtgewicht zu verringern, was bei der vorhandenen Preismaske fünf Cent je Kilogramm Schlachtgewicht mehr bringen würde. Aufgrund der schlechten Futterverwertung von 1:4 bei über 95 Kilogramm und den zurzeit sehr hohen Futterkosten ist dies momentan sogar dringend anzuraten.
Fazit Betriebszweigauswertungen
Betriebszweigauswertungen zwingen Landwirt wie Berater, sich intensiver mit dem Produktionsverfahren zu beschäftigen. Über die Leistungsdaten bestehen oft nur nebulöse Vorstellungen. Insbesondere die Verluste werden von den Betrieben regelmäßig unterschätzt. Das Bewusstsein, dass nur ein leistungsfähiger und gesunder Tierbestand wirtschaftlichen Erfolg haben kann, wird von der BZA gestützt.
Wichtig für den Betriebsleiter ist jedoch, dass er aus der BZA Verbesserungen ableiten kann. Nicht immer sind die Ursachen so eindeutig wie in den dargestellten Beispielen. In vielen Fällen werden dann weitere Experten hinzugezogen. Stehen beispielsweise gesundheitliche Schwierigkeiten im Vordergrund, kann in Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt der Schweinegesundheitsdienst einbezogen werden.
Autor: Christian Wucherpfennig (Landwirtschaftskammer NRW, Arbeitskreis Ökologische Schweinehaltung)
Erschienen in "bioland", Ausgabe 08/2008
Letzte Aktualisierung: 11.01.2012

