Fütterung von Zuchtsauen
Bei den leeren und tragenden Sauen stellt die Rationszusammenstellung in der Regel kein Problem dar. Säugende Sauen stellen höhere Ansprüche an ein leistungsgerechtes Futter und Energie und Eiweißversorgung müssen aufeinander abgestimmt sein.
Bei der Fütterung leerer und tragender Sauen ist eine ausreichende Eiweißversorgung über Körnerleguminosen in der Kraftfutterration und die Gabe größerer Mengen Raufutter möglich. Die Ration für säugende Sauen sollte bezüglich der Eiweißversorgung durch Eiweißträger mit hohen Methionin- und Cystingehalten ergänzt werden.
Kraftfutter
Die Eiweißversorgung mit einheimischen Leguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen ist nicht immer als günstig zu beurteilen, da unter Umständen der Bedarf an essentiellen Aminosäuren über diese Eiweißlieferanten nicht vollständig gedeckt wird. Die prophylaktische Anwendung synthetischer Aminosäuren und Fütterungsantibiotika ist laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau nicht zulässig. Auch dürfen keine Extraktionsschrote verwendet werden. Der Eiweiß- und Aminosäurenausgleich ist durch Futtermittel wie Sojabohnen (getoastet), Sonnenblumen- Raps- und Sojabohnenexpeller, Bierhefe, Magermilch- oder Molkepulver und Kartoffeleiweiß generell möglich, soweit andere Bestimmungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau davon nicht betroffen sind (zum Beispiel GVO-Freiheit). Die Palette der Ölpresskuchen ist in Ökoqualität verfügbar, zum Teil in begrenzten Mengen auch als Verbandsware.
Grundsätzlich werden die Rationen nach der Futterkurve der Sauen erstellt. Je nach Kondition der Sau und Anzahl der Ferkel wird der tägliche Nährstoffbedarf über die Futtermenge gesteuert.
Raufutter
Grundfutter ist nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau grundsätzlich zu Verfügung zu stellen. Dies kann sowohl in Form von Heu, Silage und Grünfutter als auch über Stroh geschehen.
Generell nehmen Sauen Grundfutter wie frisches Gras bzw. sehr gute und schmackhafte Grassilage gerne auf. In der Sauenhaltung ist die zeitweise Weidehaltung während der Vegetationszeit für die Aufnahme von Grünfutter gut geeignet. Drei Viertel der Sauenhalter füttern vor allem frisches (Klee-)Gras oder (Klee-)Silage. Wird nur Stroh zur Beschäftigung und als Allein-Grobfutter gegeben, müssen bei einer Haltung in einer Drei-Flächenbucht ein Kilogramm pro Tier und Tag und in einem Tieflaufstall drei bis vier Kilogramm pro Tier und Tag gegeben werden.
In dänischen und englischen Versuchen wurde festgestellt, dass 50 Prozent des täglichen Energiebedarfes tragender Sauen durch Gras- bzw. Grassilage zur Verfügung gestellt werden können. Durchschnittlich fressen die Sauen bis zu zwölf Kilogramm Gras bzw. sechs bis sieben Kilogramm Grassilage pro Tag. Das entspricht etwa 30 Prozent des täglichen Energiebedarfes tragender Sauen. Selbstverständlich ist die individuelle Kondition der Sau zu berücksichtigen.
Während der Säugephase sollten für die Anregung des Verdauungsapparates kleine Mengen an Gras- bzw. Grassilage und Erde (Eisen!) gegeben werden, was durch Weidegang der Ferkel führenden Sauen einfach erreicht werden kann.
Aus der Forschung - für die Praxis:
Bestimmung der Inhaltsstoffe in Ökofuttermitteln
Die schnelle Erfassung der Inhaltsstoffe von Proteinfuttermitteln ist wichtig, damit Landwirte mit den Schwankungen der Inhaltsstoffe in Ökofuttermitteln umgehen und bedarfsgerechte Futterrationen zusammen stellen können. In einem BÖLN-Forschungsvorhaben haben Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) Kalibrierungen für die Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIRS) entwickelt, die eine einfache und kostengünstige Bestimmung der Rohnährstoffe einschließlich Stärke und Zucker sowie Aminosäuren in getrockneten, vermahlenen Futtererbsen und Ackerbohnen ermöglichen. So kann mit Hilfe der NIRS direkt nach Bereitstellung der Ernteproben eine Futterbewertung vorgenommen werden.
Näheres zum Projekt:
Aus der Forschung - für die Praxis
Qualitätssicherung für Soja-Futtermittel aus ökologischer Erzeugung
Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau schreiben eine hundertprozentige Biofütterung ab 2012 vor. Um unter diesen Bedingungen eine bedarfsgerechte Versorgung monogastrischer Nutztiere (Geflügel und Schweine) mit Proteinen, insbesondere mit essentiellen Aminosäuren, sicherzustellen, müssen ökokonforme Eiweißfuttermittel zielgerichtet eingesetzt werden. Verschiedene Sojaprodukte aus ökologischer Erzeugung können dabei eine entscheidende Rolle spielen. In einem Forschungsprojekt wurden ökologisch erzeugte Sojabohnen zu Sojakuchen verarbeitet und verschiedenen Wärmebehandlungsverfahren unterzogen. Der Behandlungserfolg der verschiedenen Verfahren wurde in Fütterungsversuchen unter den Bedingungen einer 100-Prozent-Biofütterung bei Broilern, Legehennen und abgesetzten Ferkeln überprüft.
Näheres zum Projekt:
Qualitätssicherung für Eiweißfuttermittel in der ökologischen Tierernährung: Sojabohnen und -kuchen
Letzte Aktualisierung: 11.01.2012

