Ökologischer Futterbau
Was ändert sich durch die Umstellung?
Auf chemisch-synthetische Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel (auch Einzelpflanzenbehandlung im Grünland) muss verzichtet werden. Die Düngung basiert vor allem auf Wirtschaftsdünger und zugelassenen organischen Zukaufdüngen, deren optimale Verteilung auf allen Flächen im ökologischen Landbau besonders wichtig ist. Auf Grünlandstandorten kommt der Etablierung von Weißklee in der Grünlandnarbe eine große Bedeutung zu.
Auf Grünland kann es in den ersten Umstellungsjahren zu einem stärkeren Ertragsrückgang kommen; er kann aber durch Narbenpflege und Nachsaaten mit Weißklee vermindert oder sogar vermieden werden. Im Ökobetrieb muss versucht werden, den Pflanzenbestand stärker mit Leguminosen anzureichern, was durch eine geringere Düngungsintensität begünstigt wird.
Auf dem Ackerland werden Futterleguminosen (zum Beispiel Kleegras, Luzerne, Seradella) als Haupt- oder Zwischenfrüchte angebaut. Dieses Futter vom Ackerland oder aus mehrjährigen Ackerfuttergemengen gilt als anerkanntes Ökofutter, wenn die Umstellung mindestens 24 Monate vor der Aussaat erfolgte. Liegt die Umstellung zwölf Monate zurück, kann das Futter mit begrenzten Anteilen an der Futterration als Umstellungsfutter verwendet werden. Wenn das Umstellungsfutter aus dem eigenen Betrieb stammt, kann es zu 100 Prozent in der betrieblichen Futterration eingesetzt werden.
Der Kleegrasanbau hat für Boden und Betrieb eine große Bedeutung:
- liefert wirtschaftseigenes Grundfutter
- fördert die Stickstoff-Fixierung durch Bakterien an den Wurzelknöllchen
- schützt vor Wind- und Wassererosion
- verbessert die Bodenstruktur durch Beschattung und Durchwurzelung
- trägt durch Beschattung und Schnitt zur Beikrautregulierung bei
- ist Lebensraum für Nutzinsekten (Bienenweide)
- reichert durch Blatt- und Wurzelmasse Humus an
- verhindert die Auswaschung von Nährstoffen
- trägt zur Unterbodenlockerung bei
- mobilisiert Nährstoffe aus dem Unterboden
Silo- und Körnermais benötigen eine sorgfältige, termingerechte Beikrautregulierung, da Mais wenig tolerant gegenüber Begleitkulturen ist. Der Stickstoffbedarf von Mais ist hoch - ebenso wie die Erträge. Der Anteil von Silomais in der Fruchtfolge ist im ökologischen Anbau auf etwa 25 Prozent zu begrenzen. Eine etwas spätere Aussaat, mehrere Bearbeitungsgänge vor dem Säen und Auflaufen sowie die später eingesetzte Maschinenhacke und der Striegel (vier bis sechs Arbeitsgänge) halten die Verunkrautung in Grenzen. Ein Problem kann auch der Vogelfraß darstellen.
Saatgut muss aus ökologischer Erzeugung stammen. Nur wenn Ökosaatgut nicht verfügbar ist, kann nach Genehmigung durch die Kontrollstelle auch ungebeiztes Saatgut aus konventioneller Vermehrung verwendet werden. Ob Ökosaatgut verfügbar ist, wird anhand der offiziellen lnternetdatenbank
www.OrganicXseeds.de geprüft. Verwendet werden sollten durch Landwirtschaftskammern und Landwirtschaftsämter empfohlene Sorten und Mischungen, soweit diese für den ökologischen Anbau geeignet und aus ökologischer Vermehrung verfügbar sind.
Futter vom Grünland kann als Umstellungsfutter genutzt werden, wenn die Flächen vor der Ernte mindestens zwölf Monate gemäß der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau bewirtschaftet wurden. Der günstigste Umstellungsbeginn für Grünland ist zu Beginn der Weideperiode.
Welche Probleme sind zu bewältigen?
Die Tierhaltung muss sorgfältig auf den Standort und die Fruchtfolge abgestimmt sein. Es ist eine Futterplanung zu erstellen, wobei je nach Standort mit 0,5 bis 1,2 Hektar Futterflächenbedarf je RGV (Rindergroßvieheinheit) zu rechnen ist. Um den Viehbestand auf die mögliche Futterlieferung abzustimmen, muss gegebenenfalls Mastvieh verkauft oder im Milchviehbetrieb die Nachzucht reduziert werden. Da Kraftfutter relativ teuer ist und daher zurückhaltend eingesetzt wird, sollte das billigere Grundfutter in optimaler Qualität gefüttert werden und die Grundfutterleistung gesteigert werden. Entsprechend ist mehr Grundfutter zu erzeugen, und es sind Futterreserven einzuplanen. Eventuell müssen Flächen zugepachtet werden. Qualitätsverbesserungen können erzielt werden, indem zum Beispiel die Anwelkzeit von Heu durch Mähaufbereiter oder Unterdach-Trocknung verkürzt wird.
Je nach bisheriger Intensität kann der Futterertrag um 30 bis 50 Prozent zurückgehen. Dieser Ertragsrückgang lässt sich verringern: Die Auswahl von standortgemäßen Futterpflanzen und Sorten, richtige Bestands- und Weideführung, Narbenpflege sowie optimale Mist- und Güllewirtschaft spielen eine wichtige Rolle, um hohe Futtererträge zu sichern. So kann das Wachstum von Weißklee und wertvollen Gräsern im Grünland durch angepasste Nutzung und Pflege (Nachsaaten) gefördert werden. Eventuell sollte auch Ackerrotklee im Grünland (bei ausschließlicher Schnittnutzung) nachgesät werden. Bei der Wirtschaftsdüngerverteilung dürfen das Grünland und hofferne Flächen nicht vernachlässigt werden. Wenn einzelne Grünlandflächen früher intensiv mit Stickstoff gedüngt wurden, muss nach der Umstellung eine schrittweise Reduzierung der Düngung erfolgen. Wichtig sind standortgemäße pH-Werte, Phosphor- und Kalium-Gehalte, die überprüft werden sollten.
Schon vor der Umstellung sind ampferfreie Bestände anzustreben. Es empfiehlt sich, speziell auf Ampfer gereinigtes Ökosaatgut einzusetzen, für wüchsige und dichte Bestände zu sorgen, sowie durch Narbenpflege und Nachsaaten Lücken zu vermeiden. Von Vorteil ist auch das Nachsäen mit standortgemäßen, konkurrenzstarken Gräsern. Ampfer nutzt den Stickstoff, der in tiefere Bodenschichten verlagert wurde. Um dies zu unterbinden, sollte die Düngung optimal auf die Nutzung abgestimmt werden. Zur direkten Bekämpfung sollten Einzelpflanzen ausgestochen werden (Ampferstecher). Eine starke und häufige Schnittnutzung reduziert den Ampferbesatz.
Letzte Aktualisierung: 11.01.2012
