oekolandbau.de - Das Informationsportal



Mehr Infos

Lesetipp

Bioargumente

Die Broschüre "Nachgefragt: 28 Antworten zum Stand des Wissens rund um Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel" des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) informiert sachlich und fundiert.

externer Link folgtWeitere Informationen

Auf Ökolandbau umstellen - warum (nicht)?

 
Verladung von palettierter Sackware mit Gabelstapler auf LKW
Wesentlicher Faktor bei Überlegungen zu einer Betriebsumstellung ist die Vermarktungsmöglichkeit der ökologisch erzeugten Produkte.
© BLE

Kann mein Betrieb ökonomisch leistungsfähig bleiben? Wie werde ich meine Produkte vermarkten? Diese Fragen stehen im Zentrum des Interesses, wenn Betriebsleiter heute eine Umstellung auf ökologischen Landbau erwägen. Die ökologische Wirtschaftsweise stellt für umstellungsinteressierte Landwirte meist eine von mehreren möglichen betrieblichen Entwicklungsstrategien dar.

Im Jahr 2003 haben die Agrarwissenschaftler Jörg Schramek und Gitta Schnaut vom Institut für Ländliche Strukturforschung (IflS), Frankfurt/M., 362 landwirtschaftliche Betriebsleiter besucht. Konventionell und ökologisch wirtschaftende Landwirte gaben Auskunft über ihre Hoffnungen, Befürchtungen und Erfahrungen in Bezug auf die Betriebsumstellung.

Wer stellt heute um auf Öko?

Ein deutliches Ergebnis der Befragungen war: Wer seinen Betrieb vor allem aus "ideologisch-ökologischen" Beweggründen heraus umstellt, hat das bereits getan. Heute gilt für die meisten der befragten konventionellen Betriebsleiter: Eine ökologische Bewirtschaftung kommt oft nur in Frage, wenn dies für den Betrieb betriebswirtschaftliche Vorteile bringt oder langfristige Perspektiven eröffnet sowie mit der aktuellen Situation des Betriebs einfach vereinbar ist.

Umstellung wagen...

Für bereits extensiv wirtschaftende Landwirte erfordert der Schritt zum Ökolandbau nur geringe Veränderungen in der Wirtschaftsweise. Stadtnahe Betriebe hoffen mit Bio-Siegel oder Verbandslogo auf eine bessere Stellung in der Direktvermarktung. Diese und weitere ökonomische Motive waren gewichtige Argumente für Umstellungsinteressierte.

…oder weiter machen wie bisher?

Zum Zeitpunkt der Befragung im Frühjahr 2003 litten mehrere wichtige Produktgruppen (vor allem Milch und Fleisch) unter Absatzschwierigkeiten im Ökomarkt. Die Befürchtung, eine Umstellung könne ökonomische Einbußen mit sich bringen, wurde vor diesem Hintergrund von konventionellen wie von bereits ökologisch wirtschaftenden Berufskollegen geteilt. Veränderungen im Betrieb setzen häufig erhebliche Investitionskosten voraus. Vor allem Tierhalter erwarteten eine hohe Belastung durch Umbaumaßnahmen, um den Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau gerecht zu werden.

Mechanische Beikrautregulierung mit Striegel im Winter-Roggen.
Als ein Umstellungshemmnis stellte sich die Furcht vor Verunkrautung der Ökoäcker heraus.
©BLE

Für Marktfruchtbetriebe - vor allem solche mit Zuckerrübenkontingent - stand der Verlust einer gewinnbringenden Kultur im Vordergrund. Mit der Reform der Zuckermarktordnung im Jahr 2006 sind die Gewinne im konventionellen Zuckerrübenanbau deutlich gesunken. Allerdings ist die Zuckerrübe im ökologischen Landbau deutlich schwieriger und nur mit viel Handarbeit anzubauen. Die Furcht vor übermäßiger Verunkrautung  der Ökoäcker war bei der Befragung weit verbreitet und nicht ganz unbegründet: Die Ökobauern berichteten von erheblichen Schwierigkeiten vor allem in den ersten Jahren der Umstellung. 

Wissenslücken schließen

Die Umstellung auf ökologischen Landbau ist für jeden Landwirt auch eine fachliche Herausforderung. Interessierte konventionelle Landwirte wollten sich vor allem zu folgenden Fragen des Ökolandbaus weiterbilden:

  • Absatzmöglichkeiten, Marktsituation und Marktpreis
  • Betriebswirtschaftliche Auswirkungen einer Umstellung
  • Fördermöglichkeiten

Bereits ökologisch wirtschaftende Betriebe waren außerdem an Fachinformationen zu pflanzenbaulichen Fragen interessiert.

Gespräche und Fachliteratur

Für die Unterstützung der Umstellungsentscheidung geht nichts über das Gespräch mit erfahrenen Berufskollegen und die Besichtigung von Biobetrieben - darin waren sich konventionell wie ökologisch wirtschaftende Landwirte einig. Daneben verließen sich konventionelle Landwirte vor allem auf die Fachpresse, während sich die bereits ökologisch wirtschaftenden Kollegen in der Umstellungsphase verstärkt an Berater gewandt hatten.

Umstellung unterstützen

Um den ökologischen Anbau weiter auszudehnen, so betonen die Autoren der Studie, sollten die Bedürfnisse von zwei Zielgruppen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen: 

  • Konventionelle Landwirte, die dem Ökolandbau aufgeschlossen gegenüber stehen.
    Landwirte mit einer desinteressierten oder ablehnenden Haltung zur Ökolandwirtschaft werden eine Betriebsumstellung auch unter günstigen Rahmenbedingungen nicht in Betracht ziehen.
  • Bereits ökologische wirtschaftende Betriebe.

Die beste Basis für die Ausweitung bilden die erfahrenen, ökologisch wirtschaftenden Betriebe. Hier gilt es für Politik, Wirtschaft und Beratung, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Entwicklung der Betriebe fördern und damit Rückumstellungen auf konventionelle Betriebsweise verhindern.

Instrumente einer wirkungsvollen Umstellungsförderung werden vor allem in folgenden Bereichen gesehen: 

  • Frühzeitige und umfassende persönliche Beratungs- und Informationsangebote für umstellungsinteressierte Landwirte
  • Förderung der Umstellung durch Prämien und Investitionsbeihilfen 
  • Verbesserung der Vermarktungsstrukturen

Hintergrund:

Die Umfrage wurde im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau durchgeführt. Ausführliche Ergebnisse enthält der Schlussbericht des Projektes in der Datenbank Organic Eprints:

externer Link folgtHemmende und fördernde Faktoren einer Umstellung auf ökologischen Landbau aus Sicht landwirtschaftlicher Unternehmer/innen in verschiedenen Regionen Deutschlands (unter Einbeziehung soziologischer Fragestellungen)

Aus der Forschung - für die Praxis

Broschüre "Landwirtschaftliche Flächen an ökologischen Landbau verpachten"

Eigentümer landwirtschaftlicher Nutzflächen haben bisweilen Bedenken, wenn es um die Verpachtung ihrer Flächen an Biobetriebe geht. Fragestellungen der Verunkrautung oder der Entwicklung der Bodenfruchtbarkeit stehen dabei im Mittelpunkt. Eine Broschüre soll Antworten auf die kritischen Fragen und Befürchtungen von Verpächtern und konventionellen Berufskollegen geben.

"Früher dachte man oftmals, Biobauern haben keine ausreichenden Instrumente gegen Unkräuter und Schädlinge und die Flächen wären deshalb nicht sauber zu halten. Deshalb zögerten einige Verpächter, ihre Äcker an Ökobauern zu verpachten. Aber daran hat sich viel geändert. Heute kennen mehr und mehr Landbesitzer die ausgefeilten Methoden des Ökolandbaus, mit denen Unkräuter und Schädlinge effektiv unter der Schadensschwelle gehalten werden. Und sie wissen, dass mit der Umstellung auf den Ökolandbau mehr Vielfalt auf den Flächen und eine vom Verbraucher gefragte Produktion verbunden sind", sagt Projektleiter Bernhard Jansen vom Verein EkoConnect.

Die Broschüre kann auf der Website des Vereins kostenlos heruntergeladen werden:

externer Link folgtEkoConnect e.V.: Landwirtschaftliche Flächen an ökologischen Landbau verpachten - Fragen und Antworten

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtErarbeitung einer Informationsbroschüre für Verpächter und Eigentümer landwirtschaftlicher Nutzflächen als Argumentationshilfe für umstellungsinteressierte Landwirte und bestehende Bio-Betriebe

Aus der Forschung - für die Praxis

Neues Beratungstool: " Der Betriebs-Check"

Der Markt für ökologische Lebensmittel wächst seit Jahren deutlich. Trotzdem stellen zu wenige Betriebe in Deutschland auf ökologischen Anbau um; im inländischen Biomarkt herrscht Rohstoffknappheit. Wie können weitere Betriebe zur Umstellung bewegt und wie kann das Potenzial bestehender Biobetriebe besser ausgeschöpft werden? Ein Forschungsvorhaben hat neue Instrumente für Beratungseinrichtungen entwickelt.

Näheres zum Projekt:

externer Link folgtEntwicklung und Implementierung eines Betriebschecks und anderer Methoden der strategischen Prozessberatung in Beratungseinrichtungen

Letzte Aktualisierung: 11.01.2012

Seitenende