Erfahrungsaustausch des Expertennetzwerks
Bereits zum zweiten Mal trafen sich die Projektmitglieder der bundesweiten Informationskampagne "Bio kann jeder" zum Erfahrungsaustausch. Das Treffen fand im Februar 2009 bei "Uplus"– Agentur für Umweltkommunikation im Umweltzentrum Hannover satt, dem Durchführungspartner der Kampagne für Niedersachsen. Unter der Moderation von Anke Brückmann, Projektleiterin dieser Kampagne in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), wurden aktuelle Entwicklungen und zukünftig relevante Themeninhalte diskutiert.
Workshops vermitteln Theorie und Praxis
Zu dieser im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau initiierten Kampagne gehören Workshops für alle Akteure, die in Schulen und Kindertageseinrichtungen dafür verantwortlich sind, eine kinder- und jugendgerechte Verpflegung anzubieten. Im Mittelpunkt stehen Informationen, wie insbesondere unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Bioprodukte im Speisenplan integriert werden können. Behandelt werden auch Fragen der technischen Umsetzung und zur Akzeptanz des Verpflegungsangebots. Dauerthemen sind und bleiben auch im fünften Jahr nach Kampagnenstart die Preisgestaltung, die Wahl eines geeigneten Caterers und bei Schulen, die in Eigenregie kochen, die Beschaffung von Bioprodukten.
Aufgebaut sind die Workshops in Einsteiger-Workshops, in denen zunächst die theoretischen Kenntnisse vermittelt werden, und in praxisorientierte Folge-Workshops, wo diese Kenntnisse dann vertieft werden. Angeboten werden Besichtigungen von Biohöfen und Schulen, die über eine ökologisch orientierte Verpflegung verfügen, aber auch gemeinsames Kochen. Während bei Hofbesichtigungen die Grundlagen des ökologischen Landbaus in der Praxis erlebt werden, zeigen die Beispiele an den Schulen und in den Kitas, wie die Umsetzung im Alltag erfolgen kann.
Zufriedenheit äußerten alle Auftragnehmer zu Beginn des Treffens: Nachfrage und Erfolg der Workshops sind von Beginn der Kampagne an ungebrochen. Sensibilität und Interesse für gesundheitliche Aspekte der Mittagsverpflegung sowie der Informationsbedarf über Herkunft und Produktion des Speisenangebots sind bei Eltern und Lehrkräften groß. Entsprechend zuversichtlich ist die Projektgruppe, dass die Workshops auch weiterhin gut besucht sein werden.
Die Akzeptanz des Verpflegungsangebotes muss verbessert werden
Der Erfahrungsaustausch zeigte aber auch, dass sich insbesondere in Schulen die Themenschwerpunkte ändern. Beim Start der Kampagne stand die Frage im Vordergrund, wie eine Schulverpflegung überhaupt eingerichtet werden kann. Erfahrungen dazu waren derzeit nur unzureichend vorhanden. Inzwischen werden vermehrt pädagogische Konzepte nachgefragt, wie sich die Aspekte der Ernährung verstärkt in den Schulalltag einbinden lassen und vor allem wie sich die Akzeptanz des Verpflegungsangebotes verbessern lässt. Nach wie vor beklagen Schulen und Caterer, dass die Zahl derer, die regelmäßig am Mittagessen teilnehmen, unter 20 Prozent liegt. Dies ist frustrierend für die Schulen und bedeutet für die Cateringunternehmen einen erheblichen wirtschaftlichen Verlust.
Die Akzeptanzproblematik wird weiterhin im Blickpunkt stehen, solange es keine verbindlichen Regelungen zur Essensteilnahme der gesamten Schülerschaft gibt. Die schlechte Akzeptanz, so resümiert die Projektgruppe, liegt nicht nur an einem teilweise unattraktiven Speisenangebot, sondern auch in Versäumnissen hinsichtlich der Beteiligung der Schülerinnen und Schüler sowie an räumlichen Gegebenheiten, die wenig ansprechende Atmosphäre bieten. Hier gibt es akuten Handlungsbedarf.
Programme der Workshops berücksichtigen neue Interessen
Für Diskussionen in allen Workshops eines jeden Bundeslands sorgen die Argumente, die den Wechsel zu einer ökologischen und möglichst regionalen Verpflegung erklären und damit auch einen Mehrpreis rechtfertigen. Auch wenn die Nachfrage nach „Bio“ steigt, bedeutet dies im Umkehrschluss nicht, dass auch höhere Preise akzeptiert werden. Hier ist weiterhin Aufklärungsbedarf nötig. Zur Unterstützung kann hier auf die im Rahmen des Projekts entwickelten Kalkulationsbeispiele zurückgegriffen werden.
Bislang stand die Mittagsverpflegung im Mittelpunkt des Interesses. Zunehmend wird auch nach Konzepten für eine regional-ökologische Pausen- und Zwischenverpflegung gefragt. Hier bestand Konsens, bei der Darstellung von Speisenplänen auch diesem Aspekt mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Weitere Übereinstimmung fanden die Projektteilnehmer darin, mehr Kochpraxis anzubieten. Der Bedarf, Bioprodukte auch in der Zubereitung kennen zu lernen, ist groß. Dies soll in den zukünftigen Workshop-Programmen berücksichtigt werden.
Die unter dem Motto "Bio kann jeder" durchgeführten Workshops haben sich als idealer Einstieg erwiesen, mit der Einführung von Bioprodukten zu beginnen. Das Expertenteam, das inzwischen auf fünfjährige Erfahrung zurückblickt, ist in der Ausrichtung der Inhalte richtungsweisend. Auch weiterhin werden die Fachexperten in ihren jeweiligen Bundesländern die Entwicklungen beobachten und im Rahmen ihrer Veranstaltungen mit neuen Themen darauf reagieren.
Bio kann jeder
Weitere Informationen zur Kampagne "Bio kann jeder", Erfolgsgeschichten von Umsteigerbetrieben sowie Termine sind hier im Portal unter www.biokannjeder.de abrufbar. Hier finden Interessierte nicht nur aktuelle Workshop-Termine in ihrer Nähe, sondern auch regionale Ansprechpartner zur Initiierung weiterer Workshops.
Die Info-Kampagne "Bio kann jeder" für die Außer-Haus-Verpflegung von Kindern und Jugendlichen ist Teil des Bundesprogramms Ökologischer Landbau, IN FORM-Projekt, offizielle Maßnahme des Nationalen Aktionsplans der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" und wurde initiiert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Letzte Aktualisierung: 28.02.2011




