Berichte und Ergebnisse der Workshops
Hinweis
Dieser Bericht fasst die Ergebnisse des Workshops zur Außer-Haus-Verpflegung im Mai 2007 auf dem Biohof Bölingen in Grafschaft zusammen.
Genussvolle Bio-Verpflegung für Kinder und Jugendliche im Landkreis Ahrweiler
Der Zeitpunkt war richtig gewählt: Anfang Mai zeigten sich die auf etwa zehn Hektar kontrolliert biologisch angebauten Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume für die Teilnehmer des Workshops auf dem Bio Hof Bölingen in Grafschaft bei Bad Neuenahr in ihrem sattesten Grün. Bioland-Bauer Bert Krämer und seine Partnerin Elke Pape wanderten mit einer Gruppe von zwölf Lehrern, Erziehern und Verpflegungsverantwortlichen durch ihre Obstanlagen und erklärten den Anwesenden kompetent, warum nur auf einem gesunden Boden gesunde Pflanzen gedeihen können. "Der Obstbau als Dauerkultur ist die größte Herausforderung für den biologischen Anbau", so Krämer, "umso wichtiger ist es deshalb das biologische Gleichgewicht zu fördern und zu erhalten. Die Förderung geschieht durch 'Insektenhotels', damit sich Nützlinge, wie Wildbienen, in der Anlage ansiedeln. Viele Mosaiksteine zusammengenommen ergeben das Gesamtwerk".

- Herr Krämer, Landwirt auf dem Biohof Bölingen, erklärt den Teilnehmerinnen des Workshops die Besonderheiten des ökologischen Anbaus von Äpfeln.
(c) BLE, Bonn
Neben biologischer Schädlingsbekämpfung sind dem Bio-Bauern aber auch die Inhaltsstoffe und der gute Geschmack seiner Äpfel und Birnen wichtig. "'An apple a day keeps the doctor away', ist durchaus ernst zu nehmen", erklärt der studierte Wasserbauingenieur, schließlich belegten etliche Untersuchungen seine positive Wirkungen für die Gesundheit. "Der Apfel ist reich an Vitamin C und wenn er dann noch schmeckt, ist er gerade für Sie als Verantwortliche für die Verpflegung Ihrer Schützlinge ein ideal zu verarbeitendes Lebensmittel".
Und damit ist er beim Thema des Workshops. Unter dem Motto: "Bio kann jeder – Genussvolle Verpflegung in Ganztags- Kindergarten und Schule im Landkreis Ahrweiler" veranstaltet die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau den Besuch auf dem Fachwerkhof in Bölingens Mitte. Küchen- und Schulverantwortliche sollen dort praktische Tipps erhalten, wie eine gesunde und kindgerechte Ernährung möglichst in Bio-Qualität kostenneutral in den Speiseplan integriert werden kann. Marianne Bender und Iris Brenner, beide Diplom-Oecotrophologinnen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und seit einiger Zeit erfahrene Berater für den Außer-Haus-Bereich, kennen die Scheu vieler Küchenverantwortlichen vor dem ersten Schritt, ein Bio-Produkt anzubieten. "Viele fürchten einen finanziellen Mehraufwand", erklärt Iris Brenner, "doch viele best-practice-Beispiele in anderen Außer-Haus-Einrichtungen zeigen tagtäglich, dass eine Bio-Küche mit einem saisonalen und regionalen Angebot ohne wesentliche Mehrkosten möglich ist." In ihrem Beitrag gibt sie Tipps über genaue Mengenberechnungen, Vorbereitung des Einkaufs und die richtige Auswahl der Produkte. So könnten allein schon über die Reduzierung der oft zu reichlichen Fleischportionen zugunsten von frischem Gemüse die Kosten wesentlich verringert werden. Anhand von konkreten Rechenbeispielen zeigt Iris Brenner im Detail auf, wie ein Bio-Anteil von mindestens 10 Prozent vom Gesamt-Wareneinsatz durch saisonales und regionales Gemüse nahezu kostenneutral erreicht werden kann.
Doch bei allem theoretischen Vorwissen - Marianne Bender weiß, wie wichtig es für die Küchenverantwortlichen ist, auch praktische Erfahrungen beim Einsatz von Bio-Produkten zu sammeln. Anhand einiger Beispiele erläutert sie die Möglichkeiten von Bio-Produkten in der eigenen Küche oder bei Catering. Was mache ich, wenn ich vom Bio-Großhändler nur bestimmte Mindestabnahmemengen angeboten bekomme? Welche Bio-Produkte biete ich im Winter an, um mein Kostenbudget halten zu können? Wie lagere ich die Produkte am besten, damit sie möglichst lange die Inhaltsstoffe behalten? Viele Teilnehmer nutzen die anschließende Arbeitsgruppe, um mit konkreten Fragen Praxishilfe zu sammeln und Machbares für die eigene Einrichtung zu entwickeln.
Am Ende des Workshops beim gemeinsamen Essen und mit hofeigenem Apfelsaft kann Elke Pape, die auch als Erzieherin tätig ist, von ihren Erfahrungen bei der Bio-Verpflegung von Kindergarten-Kindern berichten: "Es ist viel einfacher, Bio in den Verpflegungsplan von Kindergarten und Schule einzubringen, als allgemein angenommen wird." Und eine Hauswirtschaftsmeisterin, die bereits einen kleinen Bio-Anteil in ihrer Küche verwendet, erklärt ihre Motivation für Bio so: "Ich habe eine besondere Verantwortung, die ich gerne trage. Es geht schließlich um das Wohl von unseren Kindern."
Unter dem Motto "Bio kann jeder" werden 2007 bundesweit noch etwa 100 Workshops durchgeführt, in Rheinland-Pfalz werden weitere 9 Workshops folgen. Die Termine finden Sie unter www.biokannjeder.de.
Der Biohof Bölingen ist Teil des Netzwerks der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau.
Mehr Infos:
www.demonstrationsbetriebe.de
Letzte Aktualisierung: 28.02.2011




