Katholisches Kinderheim, Augsburg-Hochzoll (Mai 2011)
Steckbrief
Heim: Katholisches Kinderheim Augsburg-Hochzoll
Küchenleiterin: Frau Anneliese Ritter
Gästestruktur: 3 bis 20 Jahre
Mittagessen: ca. 130 Mittagessen
Mitarbeiter: 1 Vollzeit, 4 Auszubildende
Bio-Status: >20 %
Biolieferanten: 2 (Direktvermarkter)
Die Einrichtung

- Rund 130 Kinder werden im Kinderheim versorgt
(c) BLE, Bonn
Das Katholische Kinderheim Augsburg-Hochzoll hat eine 100 jährige Geschichte. Der ursprünglich 1908 erstellte Bau wurde mehrfach erweitert und umgebaut und beherbergt heute etwa 130 Kinder im Alter von 3 bis 20 Jahren. Zum Kinderheim gehören außerdem mehrere Außenwohngruppen sowie eine Heilpädagogische Tagesstätte. Seit rund 22 Jahren ist Anneliese Ritter für die Küche des Katholischen Kinderheims Augsburg-Hochzoll zuständig. Täglich versorgt sie zurzeit rund 130 Kinder und Mitarbeiter mit einem warmen Mittagessen. Frühstück und Zwischenmahlzeiten werden eigenverantwortlich in den einzelnen Wohngruppen zubereitet.
Die Anfänge
Im Jahr 2002 war Frau Ritter noch fest davon überzeugt, dass Bioprodukte für ihre Küche zu teuer, der Einsatz mit dem vorhandenen Budget nicht zu realisieren sei. Auf eine entsprechende Anfrage der Stadt Augsburg reagierte sie deshalb zunächst zurückhaltend. Nach der Besichtigung eines Biohofes und Gesprächen mit dem Betreiber änderte sich ihre Meinung allerdings grundlegend. Selbst aus einer Landwirtsfamilie stammend überzeugten sie die umfassenden Informationen über Anbaubedingungen und biologischen Pflanzenschutz. "Probieren wir´s halt", sagte sich die engagierte Küchenmeisterin und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Lieferanten.
Direkt vor der Haustüre wurde sie fündig. Ein Biogemüsebauer bot dem Katholischen Kinderheim gute Lieferbedingungen bei bester Qualität. Überraschend für alle - die direkt beim Biobauer eingekaufte Saisonware war günstiger als vergleichbare konventionelle Ware beim Großhändler. Die Qualität wesentlich besser. Durch stark verminderte Abfallmengen ergab sich ein weiterer Preisvorteil. Frau Ritter berichtet, dass bei konventionellem Gemüse vom Großhändler oft ein Viertel der Ware Abfall ist. Bei den frisch vom Acker gelieferten Produkten aus der Region ist die Abfallmenge deutlich geringer. Seit 2005 wird die Küche zweimal pro Woche mit frischem Biogemüse und Biokartoffeln aus der Region beliefert. Der Speiseplan wurde umgestellt und stark an das saisonale Angebot angepasst. Teure Importware wird weitgehend vermieden. Auch Fertigprodukte kommen nicht zum Einsatz. Kartoffeln werden selbst geschält und zu Püree, Kartoffelsalat, Pommes oder Pellkartoffeln weiter verarbeitet. Salat und Gemüse kommt frisch vom Acker in die Küche. Mit einer Vollzeitkraft und vier Auszubildenden ist die anfallende Arbeit gut zu bewältigen.
Gute Akzeptanz bei den Kindern

- Den Kindern schmeckt das Essen gut
(c) BLE, Bonn
Die Kinder haben die neue Küche gut angenommen. Parallel zur Einführung von Bioprodukten hat Frau Ritter einen Kochkurs für die Heimkinder entwickelt. Diese sog. Fezzi-Gruppe trifft sich einmal pro Woche in der Heimküche. In Theorie und Praxis erfahren die fünf- bis achtjährigen Kinder dort alles Wissenswerte über die verschiedenen Produkte, die in der Küche eingesetzt werden und erhalten Basiskenntnisse über die fettreduzierte Küche. Damit schlägt die Küchenleiterin zwei Fliegen mit einer Klappe: sie vermittelt Ernährungswissen zur Vorbeugung von Adipositas und zieht sich kochbegeisterten Nachwuchs für die Heimküche heran!

- Die Bio-Qualität hat überzeugt
(c) BLE, Bonn
Seit 2004 stammt auch das in der Küche eingesetzte Rindfleisch aus ökologischer Tierhaltung. Lieferant ist ein Biohof aus der Region in Bobingen. Da Biofleisch gegenüber konventioneller Ware deutlich teurer ist, verwendet Frau Ritter in erster Linie günstige Teile. "Verwechseln Sie günstig nicht mit minderer Qualität, Gulasch aus Wadenfleisch ist saftig und lecker und die Varianten beim Einsatz von Hackfleisch sind schier unendlich", erklärt die Küchenleiterin. Es muss nicht immer Schnitzel, Braten oder Filet sein, meint Frau Ritter, obwohl auch diese Produkte von Zeit zu Zeit auf den Tisch kommen.
Auch beim Biofleisch verweist Ritter auf die Vorteile des Direktbezugs. Durch die Ausschaltung von Zwischenhändlern lassen sich nicht nur günstigere Preise erzielen. Der eigene Einfluss auf die angelieferte Qualität ist ungleich höher. Außerdem macht sich der langjährige persönliche Kontakt zu dem Biobauern bezahlt. Der durch gemeinsame Aktionen wie den jährlichen Besuch des Kinderheims auf dem Biobauernhof verstärkt wird. Die Kinder dürfen mit einer Kutsche den Hof besichtigen und erleben hautnah den Ursprung der Produkte auf ihrem Mittagstisch.
Das Engagement der Küchenleiterin für Bioprodukte und gesunde Ernährung hat inzwischen Kreise gezogen. Anneliese Ritter ist als BioMentorin schon seit längerem freiberuflich in Sachen gesunder Ernährung tätig. Weil ihr Ernährung und Kinder am Herzen liegen, gibt sie in ihrer Freizeit gerne ihr Wissen mit Begeisterung für regionale Bioprodukte weiter.
Letzte Aktualisierung: 03.05.2011


