LWL-Kliniken Lengerich und Münster (März 2011)
Steckbrief
Klinik: LWL-Kliniken Lengerich und Münster
Küchenleiter: Alfred Grotke
Gästestruktur: Klinikpersonal, Bewohner, Patienten
Mittagessen: ca. 700 Mittagessen je Standort
Mitarbeiter: 32 Voll- und Teilzeit je Standort
Biostatus: Zehn Prozent
Biolieferanten: 4 (zwei Hersteller, ein Vollsortimenter, eine Werkstatt für Behinderte)
Tagessatz: 4,30 EURO
Der Beginn...

- Rund 700 Personen werden pro Standort täglich versorgt
(c) BLE, Bonn
Die LWL-Kliniken in Lengerich und Münster gehören mit 16 weiteren Häusern und 13 Küchen zum LWL-PsychiatrieVerbund des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Die beiden Küchen versorgen an sieben Tagen in der Woche das ganze Jahr über jeweils 600 bis 700 Personen mit Frühstück, Mittag- und Abendessen. Ende 2004 wurden die ersten Bioprodukte dauerhaft in das Speisenangebot eingeführt. Küchenleiter Alfred Grotke hatte im Vorfeld bereits den einen oder anderen Anlauf mit Biomenüs im Speiseplan versucht, was aber unter anderem aus Kostengründen nicht erfolgreich war. Auslöser für die dann doch dauerhafte Integration war ein Artikel in der lokalen Presse über die eigene Bioaktion "Amore Bio - Sagt ja zu Bio" zusammen mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Gleich am nächsten Tag rief eine Kindertagesstätte (Kita) mit Belieferungsinteresse an, erinnert sich Grotke. Heute versorgt die Küche der LWL-Klinik Lengerich auch die 20 Kinder der Heilpädagogischen Kindertagesstätte und des Hohner Kinderhauses mit.

- Das Küchenteam steht hinter dem Biogedanken
(c) BLE, Bonn
Zunächst informierten sich die Verantwortlichen der beiden Kliniken über das Internet, ließen Firmen ihre Produkte vorstellen und sprachen mit erfahrenen Kollegen. Außerdem nutzten sie Informations- und Unterstützungsangebote wie die Kampagne "Natur auf dem Teller" und die Wirtschaftsinitiative "1.000 Küchen mit Bio-Zertifikat". Auf Anregung des für die Küchen in Lengerich und Münster verantwortlichen Abteilungsleiters Wirtschaft, Versorgung und Technik Thomas Voß wurde ein Tagesworkshop mit allen Verantwortlichen für Küche und Umweltmanagement durchgeführt. Im Mittelpunkt standen die Themen Biozertifizierung, Einkauf, Kalkulation und Kommunikation. Im Anschluss an den Workshop hat sich das Küchenteam mit den bestehenden Speisenplänen auseinandergesetzt und gemeinsam überlegt, welche Anpassungen vorgenommen werden können, um Bioprodukte kostenneutral zu integrieren. Wichtig war zunächst das Kennen lernen von Produkten für die spätere reibungslose Einführung in den Küchenalltag. Die Beschaffenheit der Kartoffeln wurde getestet, Gemüseproben wurden eingeholt, um die Schnittformen kennen zu lernen und Erfahrungen mit den Standzeiten der Bioprodukte zu sammeln. Dadurch konnte das Team die notwendigen Umstellungen bei der Zubereitung vornehmen. "Die Qualität der Produkte ist sehr gut", freut sich Grotke.
Ziel war es, zehn Prozent des Wareneinkaufs auf Bio umzustellen
... und zwar kostenneutral. Grotke betont, wie wichtig es ist, Saisonware einzukaufen. Dann ist der Preisunterschied zu konventioneller Ware mit ca. fünf bis zehn Prozent oft nur sehr gering. Die Mehrkosten werden durch Abwandlungen im Speisenplan (zum Beispiel mehr vegetarische Gerichte) und eine Mischkalkulation aufgefangen.
Neben der Saisonalität sei der regionale Einkauf ein wichtiger Grundsatz der Kliniken. Nicht nur wegen der hohen Logistikkosten bietet es sich an, auf regionale Vermarkter zurück zugreifen. In der Nähe der Kliniken liegt ein Gutshof, der vormittags das Gemüse schneidet, das nachmittags in der Küche verarbeitet wird. Ein interessanter Tipp von Grotke für andere Kollegen: durch den höheren Fettgehalt der Biomilch spart er anschließend bei der Sahnezugabe.
Das Angebot

- Beim Gemüsekauf wird auf Saisonalität geachtet
(c) BLE, Bonn
Seit Januar 2005 gehören Bioprodukte zum täglichen Angebot; beide Küchen dürfen mit dem Bio-Siegel ihr Angebot ausloben - Kartoffeln werden ausschließlich in Bioqualität eingekauft. "Die schmecken aus dem Bioanbau einfach besser", sagt Grotke. 450 bis 550 Kilogramm je Standort werden pro Woche verarbeitet. Im Gemüsebereich werden im Winter Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Porree und Möhren in Bioqualität eingekauft. Hinzu kommen Milch, Öl, Obst sowie einige Trockenprodukte (z.B. Reis, Nudeln, Haferflocken). So ist es möglich, täglich mindestens eine Komponente in Bioqualität anzubieten. Im Jahr 2009 wurde auf Eier aus ökologischer Erzeugung umgestellt. Die Umstellung auf 100 Prozent Bioschweinefleisch erfolgte in Lengerich Ende 2010 und folgt in Münster im 2. Halbjahr 2011; diese Umstellung ist allerdings nicht mehr kostenneutral zu realisieren. Der Bioanteil steigt damit auf rund 17 Prozent. Grotke rät Kolleginnen und Kollegen, sich umfassend über das Angebot zu informieren. Auch innerhalb des Biosektors gibt es gravierende Unterschiede im Preis und es lohnt sich, die Preise unterschiedlicher Lieferanten zu vergleichen.
Die Küchen der LWL-Kliniken Lengerich und Münster zeichnen sich auch durch ihre Frische-Philosophie aus. Generell versuche man auch heute noch im Rahmen der engen finanziellen Rahmenbedingungen, möglichst wenig Fertigprodukte zu verwenden. Salat wird beispielsweise in Kistenware eingekauft. Dies erleichtert auch den Einkauf von Bioware. Grotke freut sich über die allgemeine Unterstützung seines Teams und die Offenheit gegenüber Bio. Die anfängliche Befürchtung vor möglicher Mehrarbeit habe sich inzwischen gelegt. Inzwischen kommen neben den Patienten und Mitarbeitern im eigenen Haus auch eine Klinik in privater Trägerschaft, zwei Kindertageseinrichtungen, eine Cafeteria (Lengerich) sowie ein Schulzentrum (Münster) in den Genuss von Bioprodukten.
Die Einführung der Bioerzeugnisse in die Gemeinschaftsverpflegung war aus Sicht der Verantwortlichen ein voller Erfolg; der Anteil soll auch zukünftig möglichst ausgebaut werden. Mit Unterstützung von Alfred Grotke und Thomas Voß haben inzwischen auch die anderen Küchen beim LWL nachgezogen.
Thomas Voß ist 2010 als Mitglied im Netzwerk der Biomentoren www.biomentoren.de aufgenommen worden und steht auch in dieser Funktion gerne für die Weitergabe der Erfahrungen zur Verfügung.
Letzte Aktualisierung: 31.03.2011


