oekolandbau.de - Das Informationsportal


Klimaschutz auf dem Teller

 
Pasta mit Tomatensauce
Teigwaren und Gemüse sind emissionsarme Lebensmittel.
Foto: D. Menzler

Mehr als 3.000 Delegierte und Beobachter aus über 180 Ländern trafen sich im Juni 2011 in Bonn, um die 17. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (UN) in Durban (Südafrika) vom 28. November bis 9. Dezember 2011 vorzubereiten. Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. werde es jedoch immer unwahrscheinlicher, dass in Durban ein neues internationales Klimaschutzabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verabschiedet werden kann, da die Verhandlungspositionen der beteiligten Staaten zu weit voneinander entfernt seien. Während Politiker und Experten Aktionen zur Eindämmung der Erderwärmung international noch heiß diskutieren, gibt es lokal viele Möglichkeiten zum Klimaschutz – auch im Außer-Haus-Bereich.

Klima im Wandel

Die globale Erwärmung nimmt zu. Seit Beginn der Industrialisierung vor etwa 150 Jahren hat sich die weltweite Durchschnittstemperatur um 0,8 Grad Celsius erhöht. Ursache hierfür sind die hohen Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre, die heute verglichen mit dem Anfang der industriellen Revolution um ein Drittel höher liegen. Zu den klimawirksamen Gasen zählen unter anderem Kohlendioxid (CO2), Distickstoffmonoxid (Lachgas), Methan und Ozon. Ein Maß für die Klimaschädlichkeit ist das Kohlendioxid-Äquivalent. Im Vergleich mit Kohlendioxid gibt es an, wie viel eine bestimmte Menge eines Treibhausgases zum Treibhauseffekt beiträgt.

Neben der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas trägt auch die Landwirtschaft zur Erhöhung der Treibhausgasemissionen bei. Nach Angaben des Potsdam-Institut für Klimaforschung bestehen landwirtschaftliche Emissionen, abgesehen von Kohlendioxid, insbesondere aus Methan und Lachgas. Lachgas ist ein etwa 300-mal, Methan ein etwa 20-mal wirksameres Treibhausgas als Kohlendioxid. Die Emissionen entstehen unter anderem beim Ausbringen synthetischer Düngemittel auf Ackerland sowie durch die mikrobielle Zersetzung von Pflanzen im Verdauungstrakt von Wiederkäuern.
Auswirkungen der Klimaerwärmung können unter anderem der Anstieg des Meeresspiegels und die daraus resultierenden fatalen Folgen für die Küstenbewohner sein. Ferner sind lang anhaltende Hitze- und Dürreperioden, aber auch heftige Niederschläge mit Überflutungen und die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber möglich. Um den globalen Anstieg der Temperaturen auf weniger als 2 Grad Celsius zu beschränken, müssten bis zum Jahr 2050 die Emissionen weltweit um 80 Prozent vermindert werden.

Klimaschutz ist gefragt

Das Verbrauchermonitoring im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. zeigte, dass Klimaschutz für die über 3.200 Befragten bedeutsam ist. Etwa 81 Prozent halten es für wichtig, selbst einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und immerhin 49 Prozent sehen für den Bereich Ernährung einen Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Auch die Außer-Haus-Verpflegung kann einiges in Sachen Klimaschutz unternehmen:

  • Servieren Sie möglichst regionale Lebensmittel, denn bei kurzen Wegen fallen weniger Transportemissionen an. Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. verursacht beispielsweise ein Kilogramm peruanischer Spargel durch den Transport mit dem Flugzeug 28-mal mehr Kohlendioxid als regional produzierter Spargel.
  • Achten Sie bei der Speisenplanung auf saisonale Produkte. Beim Anbau von Obst und Gemüse im beheizten Treibhaus oder Folientunnel entstehen wesentlich höhere Emissionen als bei Freilandobst oder -gemüse. Beispielsweise verursacht ein Kilogramm Treibhausgurken einen Kohlendioxidausstoß von 2.300 Gramm, während es Freilandgurken lediglich auf 170 Gramm CO2 bringen.
  • Bieten Sie Ihren Gästen häufiger vegetarische Speisen und seltener Fleischgerichte an. Gemüse, Obst und Teigwaren sind im Vergleich zu tierischen Produkten emissionsarme Lebensmittel. Wie wäre es mit einem komplett vegetarischen Tag pro Woche à la "externer Link folgtDonnerstag ist Veggietag"?
  • Verwenden Sie Bioprodukte. Ökologische Lebensmittel sind durch die klimaschonende Anbauweise deutlich im Vorteil, denn durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenbehandlungs- und Düngemittel werden weniger Treibhausgase emittiert.
  • Achten Sie bei der Neuanschaffung von Küchenausstattung auf energieeffiziente Geräte. Sie helfen Strom und somit auch Emissionen sparen.

Weitere Informationen

Klimaschutz durch Ökolandbau

Eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen durch die Landwirtschaft wirkt sich auch positiv auf den Verlauf des Klimawandels aus. Eine Vorreiterrolle spielt dabei die ökologische Landwirtschaft.

Klimaschutz durch Ökolandbau

Heimische Biokartoffeln sind Klimaschützer

Die ersten Biokartoffeln aus Übersee liegen im März in den Regalen des Handels. Vor allem das Angebot israelischer und ägyptischer Bioware erhöht sich ab Mitte März auf dem deutschen Markt sprunghaft - hauptsächlich im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Discount, aber auch in einigen Geschäften des Naturkostfachhandels. Und dies, obwohl noch ausreichende Mengen heimischer Biokartoffeln in guten Qualitäten verfügbar sind. Aus Sicht der deutschen Biobauern ein Ärgernis und fragwürdig aus Sicht des Klimaschutzes.

Heimische Biokartoffeln sind Klimaschützer

CO2-Zertifizierung für Bioverarbeiter

Maßnahmen zur Emissionsminderung sind wichtige Bestandteile nachhaltiger Entwicklung. Dementsprechend steht auch die Klimaverträglichkeit von Produkten zunehmend im Interesse von Verbrauchern und Herstellern.

CO2-Zertifizierung

Interview zu Klimaschutz und Ernährung

Wie sieht ein klimafreundlicher Speiseplan aus und welche Rolle kann der Biolandbau dabei spielen? Das Presseforum BioBranche befragte dazu den Ernährungsexperten Dr. Karl von Koerber vom Münchener Beratungsbüro für ErnährungsÖkologie.

Interview mit Dr. Karl von Koerber

Lesetipp

Umweltfreundlich vegetarisch - Genussrezepte mit CO2-Berechnungen
Kulinarischen Genuss unter einem ungewohnten Aspekt - das verspricht das Kochbuch mit klimaschonenden Rezepten. Galt bisher vor allem die Verwendung saisonaler Produkte aus der Region - möglichst aus ökologischem Anbau - als klimafreundlich, so geht dieses Buch noch einen Schritt weiter.

Zu den Buchtipps

Letzte Aktualisierung: 01.07.2011

Seitenende