Schule + Bio = Zukunft
Dem Thema Schulverpflegung widmete sich während der BioFach 2010 eine vierstündige Reihe mit hochkarätig besetzten Fachvorträgen. "Bio kann jeder - auch die Schulverpflegung", so der Titel der mit rund 60 Teilnehmern gut besuchten Veranstaltung.
Anke Brückmann von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Projektleiterin des seit 2003 im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft laufenden Projektes "Bio kann jeder", stimmte das interessierte Fachpublikum mit einer Zusammenfassung bisheriger Projektinhalte zunächst auf das Thema Schulverpflegung ein. So war unter anderem zu erfahren, dass bisher in rund 600 individuell ausgerichteten, praxisorientierten Workshops mehr als 13.000 Verpflegungsverantwortliche sowie Mitarbeitende in Schulen und Verpflegungseinrichtungen erreicht wurden.
Reden ist Gold
Einen konkreten Einblick in die Gestaltung der Workshops gab Christina Zurek vom Ökomarkt e.V. aus Hamburg, eine der zehn regional vertretenen Partnerorganisationen im Projekt. Kommunikation steht an erster Stelle - unter dieser Prämisse lassen sich ihre Ausführungen wohl am besten zusammenfassen. Jede Schule hat ihre ganz eigenen Bedingungen, fertige Konzepte greifen in der Regel nicht, und so werden auch die einzelnen Workshops ganz individuell auf die jeweilige Situation angepasst. Das wichtigste Element ist laut Christina Zurek dabei der Kantinenbeirat, der Vertreter aller Interessengruppen (Eltern, Schule, Kinder und Caterer) regelmäßig an einem Tisch versammelt.
Wie wichtig es ist, das Gespräch mit allen Beteiligten zu suchen, wurde auch in dem folgenden Beitrag von Ursula Mühler, Lehrerin und Nachhaltigkeitsbeauftragte der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamburg-Altona, deutlich. Kleine Schritte gehen und alle Beteiligten mitnehmen, lautete ihre Botschaft für die erfolgreiche Einführung von Bioprodukten in der Schulverpflegung.
An morgen denken
Mit dem Schlagwort Nachhaltigkeit wurde von Anja Erhart, Inhaberin der Agentur für Ernährungsfragen in Frankfurt, ein relativ aktueller Aspekt des Themas beleuchtet. Unter dem Titel "Nachhaltige Schulverpflegung - Mehr als Bio" schilderte sie das steigende Interesse von Schulen zum CO2- Abdruck von (Bio-)Lebensmitteln. Gleichzeitig gab sie aber zu bedenken, dass dem Wunsch nach Frische, Regionalität und Qualität die Bereitschaft zur Zahlung fairer Erzeugerpreise gegenüberstehen muss.
Dies wurde auch in der Diskussionsrunde deutlich, die von Andreas Greiner, Geschäftsführer der Stuttgarter Agentur Ökonsult, moderiert wurde: Jeder will Bio - solange, bis der Preis zur Sprache kommt.
Regional und saisonal
Claudia Loibl von Bioland e.V. nahm das Stichwort Regionalität auf und schlug eine Bresche für Direktvermarkter und regionale Naturkostgroßhändler. Günstige Preise, direkte Kommunikation, ein Lieferant zum Anfassen, damit lassen sich die von ihr beschriebenen Vorteile dieses Modells kurz und passend umschreiben.
Zum Abschluss gab Carola Petrone von il cielo Catering einen Einblick in die praktische Arbeit eines Biocaterers. "Von fünf Essen zu 2.500 Essen innerhalb von fünf Jahren" lautet ihre Erfolgsstory. Von Anfang an setzte sie zu 100 Prozent auf Bioprodukte und auf regionale Lieferanten. Auf reges Interesse beim Fachpublikum stießen vor allem Aussagen zum Essenspreis und zur Akzeptanz höherer Essenspreise an den Schulen und Kindertagesstätten. Nicht immer, so das Fazit, hört das Interesse an Bio beim Preis auf.
Letzte Aktualisierung: 11.03.2010


