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Nachgefragt bei BioMentor Hubert Klemenjak

 
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Hubert Klemenjak: Leiter der Verpflegungsbetriebe des Seezeit Studentenwerks Bodensee und BioMentor
Foto: a'verdis

Nach knapp zehn Jahren als Leiter der Verpflegungsbetriebe des Seezeit Studentenwerks Bodensee ging BioMentor Hubert Klemenjak im August 2009 in den Ruhestand. Er verantwortete die Verpflegung von über 19.000 Studierenden und 3.000 Mitarbeitern in vier Mensen sowie drei Cafeterien und Campus Cafés.

a'verdis: Sie haben die Verpflegungsphilosophie im Seezeit Studentenwerk Bodensee in den letzten zehn Jahren entscheidend geprägt, waren gerne Gastgeber. Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Seezeit Studentenwerk Bodensee am meisten?

Hubert Klemenjak: Bei meinen Einkaufsentscheidungen im Studentenwerk spielte die regionale Herkunft und die hohe Qualität der Lebensmittel die wichtigste Rolle. Ich hoffe, dass beide Kriterien für das Wirtschaften im Seezeit Studentenwerk Bodensee auch zukünftig eine hohe Priorität genießen.

a'verdis: Als Pionier haben Sie vor allem an der Verbesserung der Lieferlogistik für Bioprodukte gearbeitet. Wo besteht aus Ihrer Sicht noch Optimierungsspotenzial?

Klemenjak: Obwohl sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren erheblich verbessert hat, werden die Bedürfnisse der Gemeinschaftsverpflegung von vielen regionalen Erzeugern immer noch nicht erfüllt. Das Studentenwerk benötigt beispielsweise in großen Mengen küchenfertiges Gemüse und geputzte Salate in Bioqualität. Bisher konnte ich hierfür noch keinen regionalen Biozulieferer finden. Leider wird in der Bodenseeregion Gemüse vorwiegend konventionell angebaut; die Landwirte stellen nur sehr zögerlich auf ökologischen Landbau um.

a'verdis: Die ehrliche Information der Gäste und Mitarbeiter lag Ihnen sehr am Herzen. Welche Kommunikationsmaßnahmen waren besonders erfolgreich?

Klemenjak: Bevor im Studentenwerk eine Biolinie eingeführt wurde, gab es viele kritische Stimmen. Besonders für den höher kalkulierten Preis fehlte zunächst die Akzeptanz von Mitarbeitern, Gästen und Küchenpersonal. Mir war es wichtig, die Preisgestaltung für unsere Bioangebote zu erklären und mit einer spürbaren Qualitätsverbesserung zu verknüpfen. Wichtigstes Instrument hierfür war die Homepage des Studentenwerks, auf der wir die Qualitätsstrategie als allgemeine Mensa-Philosophie darstellten. Darüber hinaus förderten punktuelle Informationsstände unter Einbindung unserer Biolieferanten das Vertrauen der Gäste. Von großer Bedeutung war schließlich auch der persönliche Austausch. Im direkten Gespräch konnte ich Überzeugungsarbeit leisten und beispielsweise die Motivation unseres Küchenpersonals erhöhen. Dass sich die hartnäckige Arbeit gelohnt hat, zeigten am Ende die Verkaufszahlen für die Biolinie. Auch auf die Biobackwaren, die es bei uns ausschließlich gibt, möchte heute niemand mehr verzichten.

a'verdis: Mit Ihrem Ehrenamt als BioMentor haben Sie auch positive Impulse außerhalb Ihres eigenen Betriebes gesetzt. Wo konnten Sie am meisten unterstützen?

Klemenjak: Als BioMentor hatte ich viele Kontakte in der Branche. Die Ratsuchenden kamen zum Beispiel aus Schulen und Kindergärten in unserer Region, wo ich einige gute Tipps rund um den Bioeinsatz geben konnte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Kollege eines anderen Studentenwerks, der noch eine eigene Bäckerei führte. Aufgrund zu geringer Auslastung drohte die Schließung dieses handwerklichen Betriebes. Nachdem ich selbst beste Erfahrung mit der Nachfrage von Biobackwaren gemacht hatte, ermunterte ich ihn, in dem Dilemma eine Chance zu sehen und Bioprodukte anzubieten. Am Ende hatte er Erfolg und bot nur noch Biobackwaren an. Die Gäste bedankten sich mit höherem Verzehr und er konnte die Backstube erhalten.

a'verdis: Sie begeben sich nun in den Ruhestand. Wie wird es mit Bio in der Verpflegung des Seezeit Studentenwerk Bodensee ohne Sie weiter gehen?

Klemenjak: Unser Bioangebot ist inzwischen fest etabliert. Sowohl die Biolinie als auch die Angebote in der Zwischenverpflegung werden gut angenommen. Der Geschäftsführer, zu Beginn unserer Bioaktivitäten einer der Skeptiker, versicherte mir, dass das Angebot auf dieser Basis weiterhin bestehen bleibt. Ob ein weiterer Ausbau für Bioprodukte vorangetrieben wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Das Interview führte Ariane Post von
a'verdis - Rainer Roehl & Dr. Carola Strassner GbR
Mendelstraße 11
48149 Münster
E-Mail: ariane.post@a-verdis.com

Letzte Aktualisierung: 11.08.2009

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