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Nachhaltigkeit: Verbrauchervertrauen in den LEH gering

 

Eine Konsumentenbefragung zur Nachhaltigkeit im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) belegte ein geringes Verbrauchervertrauen in den verantwortungsvollen Umgang mit Mitarbeitern, Umwelt und Sortimentspolitik. Durchgeführt wurde die Umfrage von der Utopia AG und der Ketchum Pleon GmbH.

Die Online-Befragung unter 801 nachhaltigen Konsumenten fand vom 18. Februar bis zum 3. März 2010 statt. Abgefragt wurde die Einschätzung und Erwartung der Verbraucher in Bezug auf die Unternehmen Aldi (Nord/Süd), Edeka, Kaisers/ Tengelmann, Lidl, Netto, Norma, Penny, Real, Rewe und Tegut. Weitere Unternehmensnennungen waren jeweils in den offenen Antwortbereichen möglich.

Frau mit Kindern im Naturkostladen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
In Bezug auf Nachhaltigkeit vertrauen die Verbraucher vor allem Bio- und Hofläden.
Foto: D. Menzler

Über ein Drittel der deutschen Konsumenten (35,4 Prozent), die besonders auf Nachhaltigkeit achten, vertraut keinem der Unternehmen des Lebensmittelhandels (LEH). Obwohl nur in Bayern, Hessen, Niedersachen und Thüringen präsent, liegt Tegut (19,6 Prozent) als nachhaltiges und glaubwürdiges Unternehmen in der Verbrauchergunst vorn. Es folgen Edeka (15,4 Prozent) und Rewe (13,8 Prozent). Keiner der Discounter kann ein nennenswertes Verbrauchervertrauen für sich verbuchen. In der ungestützten Abfrage führen lokale Anbieter wie Bioläden mit 19,3 Prozent und Hofläden/Märkte mit 14,2 Prozent aller Nennungen das Feld an.
Erwartungen an einen nachhaltigen Lebensmittelhandel

Offen nach ihren Wünschen an die Unternehmen des Lebensmittelhandels befragt zeichnen die Verbraucher ein umfassendes Bild davon, welche Erwartungen sie an verantwortungsvolle Marktteilnehmer in diesem Branchensegment haben (Nennung der zehn häufigsten ungestützten Antworten):

  • 1. Sortiment an Bio-/Fair Trade-Produkten ausbauen: 16,9 Prozent
  • 2. Kennzeichnungssystem für Produkte einführen: 15,7 Prozent
  • 3. Verpackungen reduzieren und nachhaltige Verpackungsmaterialien verwenden: 12,9 Prozent
  • 4. Regionale und saisonale Waren anbieten: 12,5 Prozent
  • 5. Mitarbeiter fair behandeln: 9,9 Prozent
  • 6. Lieferanten fair behandeln: 7,8 Prozent
  • 7. Preisdumping-Politik beenden: 7,2 Prozent
  • 8. Nachhaltigen Umweltschutz praktizieren: 7,2 Prozent
  • 9. Produkte aus Massentierhaltung auslisten: 5,0 Prozent
  • 10. Ungesunde/ nicht nachhaltige Produkte auslisten: 4,9 Prozent

Produkte: nachhaltig hergestellt und klar gekennzeichnet

Gemüsetheke. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Konsumenten erwarten vor allem nachhaltig produziertes Gemüse.
Foto: T. Stephan

Kritische Verbraucher erwarten vor allem nachhaltig produziertes Gemüse (89,2 Prozent), Kaffee (86,2 Prozent) Getreideerzeugnisse (84,9 Prozent) und Fleisch (84,4 Prozent) in den Regalen der Märkte. Dabei dürfte die starke Nachfrage nach entsprechend produzierten Fleischwaren und Gemüsen nicht zuletzt auf die jüngeren Skandale um Massentierhaltung, so genanntes Gammelfleisch oder Pestizidbelastungen, zurück zu führen sein. Entsprechendes gilt vermutlich für die häufige ungestützte Nennung von vegetarischen Erzeugnissen sowie Soja- und Tofuprodukten.

Eine klare und verständliche Kennzeichnung aller Produkte zählt zu den deutlichen Forderungen der Konsumenten. Hier erstreckt sich die Verbrauchererwartung von der intensiv diskutieren Ampel als schneller Entscheidungshilfe bis hin zu exakten Angaben über Herkunfts- und Verarbeitungsstandort, Einhaltung ökosozialer Standards, Inhaltsstoffe und Herstellungsverfahren (Beispiel: Gentechnik) sowie den so genannten Carbon Footprint, also die CO2-Emissionsbelastung, die während Herstellung und Transport entsteht.

Mitarbeiter: fair behandelt und angemessen entlohnt

Auf die Frage, welche Aspekte der Mitarbeiterpolitik der Lebensmittelhändler einen Einfluss auf das persönliche Kaufverhalten nehmen, antworten die Verbraucher an erster Stelle mit dem branchenübergreifend wichtigen Bereich der Nachwuchsförderung und Ausbildungsquote (84,9 Prozent). Eine intakte Unternehmenskultur erwarten 82,5 Prozent der Befragten, den vertrauensvollen Umgang mit den Beschäftigten 79,4 Prozent. Beides dürfte die zuletzt bekannt gewordenen Mitarbeiterskandale bei einzelnen Marktteilnehmern reflektieren. Dasselbe ist von der Forderung nach einer gerechten Entlohnung anzunehmen, die in der ungestützten Abfrage klar vorne liegt.

Umweltschutz: aktiv und passiv praktiziert

Einkaufswagen und Glasflaschen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Den Kunden sind umweltfreundliche oder recycelbare Verpackungen wichtig.
Foto: T. Stephan

In Sachen Umweltschutz erwarten die Verbraucher unter anderem umweltfreundliche Verpackungen und Verpackungsrücknahme (88,4 Prozent) sowie Abfallreduzierung und Recycling (80,4). Daraus wird der Kundenwunsch ersichtlich, durch bewusste Kaufentscheidungen persönliche Beiträge zu leisten.

Wichtig ist für die Konsumenten zudem, dass die Unternehmen das Umweltbewusstsein der eigenen Beschäftigten schärfen (86,4 Prozent). Das bevorzugte Angebot regionaler Waren (82,4 Prozent) und die Optimierung der Warenlogistik (81,1) sind in Hinblick auf Emissionsreduktion zwei weitere Bereiche, in denen die Konsumenten einen aktiven Beitrag des Lebensmittelhandels erwarten. In der ungestützten Abfrage schreiben sie dem Ausbau des Warensortiments unter Berücksichtigung ökologischer Standards und der Reduktion des Verpackungsaufkommens die größte Bedeutung zu.

Durchgeführt wurde die Erhebung von der Utopia AG und der Ketchum Pleon GmbH unter Mitgliedern der Plattform für strategischen Konsum externer Link folgtwww.utopia.de. Claudia Langer von der Utopia AG betonte: "Gründungsmotiv von Utopia ist, Konsumenten und Wirtschaft eine Plattform für den offenen Austausch zu bieten. Eine nachhaltige Entwicklung ist nur durch Annäherung im Dialog möglich. Die Ergebnisse verdeutlichen das tiefe Nachhaltigkeitsverständnis verantwortungsbewusster Verbraucher. Das Signal an die Unternehmen: Betreibt Nachhaltigkeit nicht als Image-Pflege, sondern als ganzheitliches Geschäftsmodell."

Karsten Tappe von der Ketchum Pleon GmbH erläuterte: "Der kritische Konsument fühlt sich durch die Unternehmen nicht zuletzt zu wenig informiert. Das gilt für die klare Kennzeichnung und bevorzugte Präsentation nachhaltiger Produkte genauso wie für die Dokumentation des eigenen nachhaltigen Handelns. Dabei sollte die Kommunikation offen und belastbar sein, nicht werblich - und auf die richtigen Instrumente setzen. Der klassische Nachhaltigkeitsbericht ist sicherlich nicht das geeignete Format, um die zentrale Bezugsgruppe der eigenen Kunden zu erreichen."

Letzte Aktualisierung: 10.11.2011

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