März 2011: Handel mit Waren aus Drittländern

- Tee ist ein klassisches Bioprodukt, das aus Drittländern importiert wird.
Bild: D. Menzler
Anfang März wurde in Chargen türkischer Biolinsen Glyphosat in hohen Konzentrationen nachgewiesen. Glyphosat ist ein Wirkstoff in Breitbandherbiziden, der im ökologischen Landbau nicht zugelassen ist. Große Teile der gehandelten Linsen und daraus verarbeitete Produkte wurden systiert – mit einem Verkaufsstopp versehen. Ob und in welchem Umfang Waren auch zurückgerufen werden müssen, ist derzeit unklar.
Die Ware wurde von einem türkischen Unternehmen auf den Markt gebracht, das als Biopionier in der Türkei gilt. Die Rückstände wurden in Erzeugnissen aus den Ernten der Jahre 2009 und 2010 gefunden. Teile der Ware sind so stark kontaminiert, dass die Grenzwerte des allgemeinen Lebensmittelrechts überschritten wurden und die Ware somit weder als biologisches noch als konventionelles Lebensmittel gehandelt werden darf.
Über die Ursachen der Kontamination wird derzeit nur spekuliert. In Betracht gezogen werden eine Vermischung ökologischer mit konventioneller Ware oder ein Unfall, aber auch eine gezielte Sabotage. Die Kontrollstelle des betroffenen türkischen Unternehmens ermittelt.
Da die Vermarktung von Biowaren aus der Türkei einem eigenen Genehmigungsverfahren (Importverfahren) unterliegt, konnten die zuständigen Behörden die geltende Vermarktungsgenehmigung für diese Linsen entziehen.
Die europäischen Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau fordern von Ware, die außerhalb der EU produziert wurde und mit Biohinweisen auf dem EU-Markt gehandelt werden soll, dass Produktionsvorschriften eingehalten werden, die denen der EU gleichwertig sind. Integraler Bestandteil der Produktionsvorschriften ist die Kontrollpflicht der erzeugenden, verarbeitenden und handelnden Unternehmen.
Nach derzeitigem Stand des Wissens scheint das Kontrollsystem der ökologischen Lebensmittelwirtschaft gut funktioniert zu haben. Informationen wurden rasch weitergegeben, und Unternehmen, Kontrollstellen und Kontrollbehörden arbeiten gemeinsam an der Aufklärung und der Schadensminimierung.
Importe von Biolebensmitteln aus Drittländern
Kritiker unterstellen, dass in Drittländern nach weniger strikten Ökostandards als in Deutschland produziert wird. In dem durch das BÖLN geförderten Forschungsprojekt "Risikomanagement bei Importen von Produkten des ökologischen Landbaus aus Drittländern" wurden Risikobereiche bei der Bioproduktion in Drittländern identifiziert und Maßnahmen für effektivere Inspektionen erarbeitet.
Internationale Zertifizierer und Richtlinien
Zur Orientierung bei der Beschaffung von Bioprodukten, insbesondere von ausländischer Ware und Rohstoffen, dienen die folgenden Porträts der IFOAM, des Akkreditierungsprogramme durchführenden IOAS und der wichtigsten IFOAM-akkreditierten Zertifizierer.
Internationale Zertifizierer und Richtlinien
Rückstände
Kontaminationen mit Pflanzenbehandlungsmitteln sind kein Kriterium, ob ein Produkt biologisch oder nicht biologisch erzeugt wurde. Gehalte können aber ein Indiz für einen Verstoß gegen die Produktionsvorschriften des ökologischen Landbaus sein.
Im Verarbeiterbereich finden Sie mehr zum Thema Rückstände in Biolebensmitteln.
Rückverfolgbarkeit
Lebensmittelrechtlich ist vorgeschrieben, dass Unternehmen für eine Rückverfolgbarkeit ihrer Produkte sorgen müssen: Im folgenden Beitrag wird dargestellt, welche Vorgaben sich hieraus für die ökologische Lebensmittelwirtschaft ergeben und wie die Rückverfolgbarkeit praktisch erreicht werden kann.
Mehrere Beiträge aus dem Verarbeiterbereich nehmen das Thema Rückverfolgbarkeit auf.
Öko-zertifizierte Unternehmen
In Deutschland gibt es die Bestrebungen, eine zentrale Auskunftsplattform zu etablieren, über die der Zertifizierungsstatus der in Deutschland ansässigen ökozertifizierten Unternehmen abgefragt werden kann. Hierzu wurde im Dezember 2010 die BioC GmbH von Ökontrollstellen, Dienstleistern und dem BÖLW gegründet. Bis das Ziel einer zentralen Auskunftsplattform erreicht ist, müssen hierzu neben der www.bioC.info noch weitere Webseiten konsultiert werden.
Letzte Aktualisierung: 16.03.2011
