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Der Themendienst des Fachbeirats für den ökologischen Landbau

 

1. Biokaninchen: Wie ein Nischenmarkt Zuwachs erzielen kann

Weiß-schwarze Bio-Kaninchen; Klick auf das Foto führt zu vergrößerter Darstellung im neuen Fenster
© Foto: Alexander von Düren - Fotolia

Das in Supermärkten angebotene Kaninchenfleisch stammt vor allem aus konventioneller Produktion – obwohl die Haltung auf Kunststoff- und Drahtrosten den Tieren nicht gerecht wird. Sowohl Handel als auch Kunden verlangen deshalb verstärkt nach tiergerechten Alternativen zum Käfigfleisch. Die ökologische Kaninchenzucht ist jedoch bislang ein Randbereich mit einigen kleinen Haltern, die zumeist nicht mehr als 50 Masttiere im Stall haben. Und das, obwohl Kaninchen – im Gegensatz zu Masthühnern und -puten – größere Mengen an Grundfutter verwerten können und geringere Ansprüche an die Eiweiß- und Aminosäure-Versorgung stellen. Die Stiftung Ökologie und Landbau untersucht derzeit die Situation der Kaninchenhaltung in deutschen Biobetrieben. Ihr Blick umfasst sowohl Haltungsansprüche, Tiergesundheit, Fütterung, Rassewahl und Tierbetreuung als auch Wirtschaftlichkeit und Vermarktung. Die Erkenntnisse sollen Biohalter dabei unterstützen, größere Bestände artgerecht aufzubauen.

Das Zitat:

"In Deutschland wird die Haltung von Biokaninchen von den meisten Landwirten eher als Hobby betrieben. Unsere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass das Interesse sehr groß ist, die Haltung in wirtschaftlich relevantem Umfang zu betreiben. Reine Freilandhaltung empfehlen wir nur echten Spezialisten, weil sie sehr schwer zu managen ist. Vor allem aufgrund von Kokzidiose, einer Krankheit, die durch einzellige Darmparasiten verursacht wird, kann es zu hohen Verlusten kommen. Wildkaninchen haben nicht zuletzt deshalb eine natürliche Sterblichkeitsrate von über 90 Prozent. Leichter zu handhaben sind Stallhaltungssysteme mit befestigtem Auslauf. Eine besonders sinnvolle Ergänzung können Kaninchen für Gemüsebaubetriebe sein. Denn die Tiere können große Mengen an Gemüseresten verwerten. Je intensiver Kaninchen dagegen mit Getreide gefüttert werden, desto häufiger treten unserer Erfahrung nach Krankheiten auf", sagt Susanne Mergili von der Stiftung Ökologie und Landbau.

Der Kontakt:

Stiftung Ökologie und Landbau, Ansprechpartnerin: Dipl.-Ing. Susanne Mergili, Weinstraße Süd 51, 67098 Bad Dürkheim

Telefon: (0 63 22) 98 97 02 31

mergili@soel.de

Der Link zur Studie:

externer Link folgt"Bio-Kaninchenhaltung in Deutschland – derzeitige Situation und Stand des Wissens", Nummer: FKZ 08OE174.  Siehe auch unter externer Link folgtBundesprogramm Ökolandbau - Forschungsmanagement.

 

2. Ethische Standards: Wie sich hochwertige Ökolebensmittel vom Biomassenmarkt abheben können

Kunde liest Wareninformation; Klick auf das Bild führt zu vergrößerter Ansicht im neuen Fenster
© BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Die Globalisierung macht auch vor Ökoprodukten nicht halt. Der weltweite Handel führt zu einem steigenden Wettbewerb und einer möglichst kostengünstigen Produktion, die nur noch die gesetzlichen Mindestanforderungen der Öko-Produktion erfüllt. Immer mehr Konsumenten verlangen demgegenüber nach Erzeugungs- und Verarbeitungsbedingungen, die hohen ethischen Standards genügen. Dafür sind sie bereit, auch mehr zu bezahlen. Wissenschaftler der Universität Kassel haben in verschiedenen Ländern Europas untersucht, mit welchen Marketing- und Kommunikationsstrategien Ökolandwirte den Verbrauchern höhere ethische Standards vermitteln können. Die Ergebnisse helfen den ökologisch wirtschaftenden Unternehmen, sich mit ihren Produkten innerhalb des Ökomarktes strategisch zu positionieren. Auf diese Weise können sie das Image ihrer Produkte weiter verbessern und ihre Lebensmittel vom Biomassenmarkt abheben.

Das Zitat:

"Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Erzeuger innerhalb der Biobranche gut vom Massenmarkt abheben können, wenn sie höhere Standards setzen, als von der EU Bio-Verordnung vorgeschrieben ist, und dies klar und eindeutig kommunizieren. Das bedeutet, dass Begriffe, wie 'regional' oder 'fair' nicht ausreichend sind, weil darunter nicht alle das Gleiche verstehen. Wenn aber zum Beispiel auf der Verpackung steht, dass ein Aufschlag von fünf oder zehn Cent für den Liter Milch direkt an den Bauern geht, dann weiß der Käufer genau, was mit 'sozial' gemeint ist. Und wenn der genaue Produktionsort genannt wird, dann kann ein Kunde selbst entscheiden, ob das noch regional ist oder nicht. Viele Kunden sind bereit, für höhere Standards bei der Tierhaltung und für die Erhaltung unserer bäuerlichen Produktionsstandorte mehr Geld auszugeben", sagt Dr. Katrin Zander vom Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel.

Der Kontakt:

Universität Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, Steinstraße 19, 37213 Witzenhausen, Ansprechpartner: Dr. Katrin Zander

Telefon: (0 55 42) 98 12 82

k.zander@uni-kassel.de

Der Link zur Studie:

externer Link folgt"Farmer Consumer Partnership", Nummer: FKZ 07OE004; siehe auch externer Link folgtBundesprogramm Ökolandbau - Forschungsmanagement.

Weiterführende Links:

  1. Fairness: Grundprinzip des Ökolandbaus oder Marketingstrategie?
  2. Fair & Bio – zwei Seiten einer Medaille
 

3. Blick aufs Genom: Wenn bei Hennen der Wurm drin ist

Legehennen in Freilandhaltung; Klick auf das Bild führt zu vergrößerter Ansicht im neuen Fenster
© BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Lebewesen, die sich auf Kosten anderer Organismen ernähren, werden als Parasiten oder Schmarotzer bezeichnet. Zu den ungebetenen Gästen, die hauptsächlich Darmerkrankungen verursachen, gehören Würmer und bestimmte Protozoen. Im ökologischen Haltungsverfahren haben vor allem Legehennen mit einem starken Parasitenbefall zu kämpfen. Ein Forschungsvorhaben der Georg-August-Universität Göttingen hat nun Legehennen verschiedener Herkünfte auf genetisch bedingte Unterschiede in der Resistenz gegenüber Wurminfektionen untersucht, um deren Eignung für die Boden- bzw. Freilandhaltung besser bewerten zu können. Der experimentellen Stationsprüfung folgte dabei eine natürliche Infektion "im Feld".

Das Zitat:

"Mit der Freilandhaltung von Legehennen sind altbekannte Erkrankungsprobleme wie die Parasitosen wieder aktuell geworden", sagt Prof. Dr. agr. Dr. med. vet. Matthias Gauly von der Georg-August Universität Göttingen. "Allerdings scheinen nicht alle Legehennen-Genotypen gleichermaßen betroffen. Einige zeigen eine genetisch bedingte Widerstandsfähigkeit, während andere besonders anfällig sind. Dies sollte unter den Bedingungen einer Feldprüfung aufgezeigt werden, damit Landwirte entsprechend ihre Wahl treffen können. Als wesentliches Ergebnis bleibt festzuhalten: Genotypen unterscheiden sich signifikant. Es gibt aber auch sehr große Unterschiede innerhalb der Genotypen, was eine züchterische Nutzung des Merkmals möglich macht. Weil es einen signifikanten Betriebseffekt gibt, der nicht aus der statistischen Analyse eliminiert werden kann, müssen Genotypen künftig gleichzeitig in einem Betrieb (Referenzherde) gehalten werden, wenn die Eigenschaften der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten im Feld getestet werden sollen."

Der Kontakt:

Georg-August Universität Göttingen, Abteilung Tierzucht und Haustiergenetik, Ansprechpartner: Prof. Dr. agr. Dr. med. vet. Matthias Gauly, Albrecht-Thaer-Weg 3, 37075 Göttingen

Telefon: (05 51) 39 56 02

MGauly@gwdg.de

Der Link zur Studie:

externer Link folgt"Untersuchungen zu genetisch bedingten Unterschieden in der Parasitenresistenz von Legehennen – Testung unter den Bedingungen einer Feldprüfung", Nummer: FKZ 06OE140. Siehe auch externer Link folgtBundesprogramm Ökolandbau - Forschungsmanagement.

Weiterführende Links:

  1. Informationen zu Legehennen
 

4. Rundum bestens informiert: Der Ökomarkt in Deutschland

Gerste; Klick auf das Foto führt zu vergrößerter Darstellung in neuem Fenster
© BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Die Volkswirtschaftslehre versteht unter dem Begriff Markttransparenz die Verfügbarkeit von Informationen in und über einen Markt. Wie steht es um die Markttransparenz in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft? Eine Fragestellung, der sich ein Forschungsprojekt des Instituts Agromilagro Research angenommen hat. Konkret hatte das Vorhaben zum Ziel, ein an den Bedürfnissen der Praxis orientiertes Konzept für eine Ökomarktberichterstattung zu entwickeln, das aktuelle Daten und Informationen für alle Marktbeteiligten bündelt – für Erzeuger, Verarbeiter und Händler. Darüber hinaus will die Studie darstellen, wie und in welchem Umfang die Ermittlung und Bereitstellung der grundsätzlich benötigten Informationen finanzierbar ist.

Das Zitat:

"In unserem Abschlussbericht erläutern wir Vorschläge zur Initiierung von Projekten, um eine solide Ausgangsbasis für eine fundierte Marktberichterstattung zu schaffen", sagt Dipl.-Ing. agr. Markus Rippin von Agromilagro Research. "Darüber hinaus wurde im Rahmen der Studie dem von den befragten Marktakteuren geäußerten Wunsch nachgekommen, ein Expertengremium zu gründen, welches Daten und Kenntnisse zum aktuellen Marktgeschehen zusammenträgt, die vorhandene Datenlage prüft und gemeinsam eine Analyse dieser teils lückenhaften oder widersprüchlichen Daten diskutiert. Damit soll künftig verhindert werden, dass aufgrund lückenhafter Marktinformationen Fehlinterpretationen der Paneldaten publiziert werden. Die bereits erfolgte Gründung eines solchen Gremiums, bestehend aus Marktforschern, Wissenschaftlern und Vermarktungsunternehmen, ist ein ganz wesentliches Ergebnis dieses Projektes, welches dazu beitragen wird, die Ökomarktberichterstattung erheblich zu verbessern."

Der Kontakt:

Agromilagro Research, Ansprechpartner Dipl.-Ing. agr. Markus Rippin, Auf der Tränke 17, 53332 Bornheim

Telefon: (0 22 22) 97 85 24

Markus.Rippin@Agromilagro.de

Der Link zur Studie:

externer Link folgt"Konzeption einer an die Praxisbedürfnisse angepassten Marktberichterstattung für den Öko-Markt in Deutschland", Nummer: FKZ 09OE008. Siehe hierzu auch externer Link folgtBundesprogramm Ökolandbau - Forschungsmanagement.

Weiterführende Links:

  1. Marktinformationen
 

5. Glückliche Milchkühe brauchen weniger Medikamente: Wie Biobauern ihren Medikamenteneinsatz reduzieren können

Milchkühe auf Strohbett; Klick auf das Bild führt zu vergrößerter Ansicht im neuen Fenster
© BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Die artgerechte Haltung von Tieren ist einer der Grundpfeiler der Ökolandwirtschaft. Doch wann fühlen sich die Tiere wirklich am wohlsten? Unter welchen Bedingungen bleiben sie so gesund, dass Bauern auf Medikamente weitgehend verzichten können? In einem EU-Projekt wurde dies von Forschern aus sieben Ländern am Beispiel des Milchviehs untersucht. Das Ziel: Reduktion des Medikamentenverbrauchs durch optimale Planung des tierischen Wohlbefindens. Das Besondere an dem Projekt: Die Tiergesundheit in den beteiligten Ökobetrieben wurde nicht nach einem vorgegebenen Schema optimiert. Vielmehr konnte jeder Landwirt mithilfe externer Berater und in Zusammenarbeit mit Biobauern aus der Nachbarschaft die Tiergesundheit auf seinem Hof analysieren und verbessern. Mit großem Erfolg: Bereits nach einem Jahr Projektlaufzeit konnte zum Beispiel der Antibiotika-Einsatz deutlich reduziert werden. Dies gelang durch teilweise einfache Maßnahmen. So ging die Zahl der Euter-Entzündungen zurück, wenn die Milchkühe auf sauberem und weichem Stroh liegen konnten und beim Melken mehr auf Ruhe geachtet wurde.

Das Zitat:

"Der Kernpunkt unseres Projekts lautet: Die Biobauern müssen sich selbst die Verbesserungsziele stecken. Das erhöht die Bereitschaft zur Veränderung in den eigenen Betriebsabläufen", sagt Silvia Ivemeyer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau.

Der Kontakt:

Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Ansprechpartner Silvia Ivemeyer, Ackerstraße, 5070 Frick, Schweiz

Telefon: (00 41 62) 86 5 72 86

silvia.ivemeyer@FiBL.org

Georg-August-University Göttingen, Ansprechpartner Solveig March, Driverstraße 22, 49377 Vechta

Telefon: (0 44 41) 1 52 11

solveig.march@agr.uni-goettingen.de

Der Link zur Studie:

externer Link folgt"Farmer groups for animal Health and welfare planning in European Organic dairy herds".  Siehe auch externer Link folgtPDF-Datei.

Weiterführende Links:

  1. Informationen zur Mutterkuhhaltung

6. Ausgewogene Ernährung für Wiederkäuer: Wie artenreiches Grünland zur besseren Proteinversorgung von Tieren beiträgt

Milchkühe-Fütterung mit Mischung aus Silage und Zusatzstoffen; Klick auf das Bild führt zu vergrößerter Darstellung im neuen Fenster.
© BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Bei der ökologischen Fütterung von Wiederkäuern spielt die Verwertung von Stickstoff eine entscheidende Rolle. Denn Proteine sind in der Nahrung der Wiederkäuer häufig Mangelware. Mithilfe von kontrollierten Fütterungsversuchen wollten Wissenschaftler der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover herausfinden, welche Bedeutung der Artenreichtum von Grünlandaufwüchsen für die Nährstoffverwertung und die Proteinsynthese der Tiere hat. Die artenreichen Aufwüchse wiesen hohe Anteile an Hülsenfrüchtlern und Kräutern auf, die artenarmen Aufwüchse bestanden fast vollständig aus Gräsern. Die Forscher führten verschiedene Stoffwechseluntersuchungen durch: Mittels Dauerinfusionstechnik und dem Einsatz von 15N als Marker war es ihnen möglich, die mikrobielle Proteinsynthese zu messen. Das Ergebnis: Die artenreiche Silage führte unabhängig von der Fütterung in Kombination mit Gerste zur Steigerung der ruminalen mikrobiellen Proteinsynthese.

Zitat:

"Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass artenreiche Grünlandaufwüchse hochwertige Futtermittel für Wiederkäuer sind. Wenn man geeignete Siliermittel zusetzt, zum Beispiel grasdominierte Aufwüchse, kann daraus auch hochwertiges Gärfutter produziert werden. Artenreiche Grünlandaufwüchse können von Wiederkäuern gut umgesetzt werden und zeichnen sich durch positive Wirkung auf die Bildung von Mikrobenprotein aus", sagt der Studienleiter Prof. Gerhard Breves von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Der Kontakt:

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Physiologisches Institut, Ansprechpartner: Prof. Dr. med. vet. Gerhard Breves, Bischofsholer Damm 15, 30173 Hannover

Telefon: (05 11) 8 56 72 71

gerhard.breves@tiho-hannover.de

Der Link zur Studie

externer Link folgt"Mikrobielle Proteinsynthese im Pansen bei der Verfütterung von artenreichen Grünlandaufwüchsen des Ökologischen Landbaus", Nummer: FKZ 06OE139; siehe auch unter externer Link folgtBundesprogramm Ökolandbau - Forschungsmanagement.

 

Hier können Sie die aktuelle Ausgabe 12/2010 (pdf-Datei, 43 KB) herunterladen.

Hier finden Sie Hinweise zum Download.

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