Der Weg der Milch
Der Weg der Biomilch - von der Kuh auf die Ladentheke
Ohne Kälbchen keine Milch
Milchkühe haben mindestens schon ein Kälbchen zur Welt gebracht. Denn sonst würde keine Milch fließen. Das neu geborene Kälbchen bekommt zunächst die Milch seiner Mutter. Besonders in den ersten Tagen nach der Geburt enthält diese Milch Stoffe, die das Kälbchen vor Krankheiten schützen. Nach der Geburt des Kalbes wird die Mutterkuh auch regelmäßig gemolken. Und zwar ungefähr 300 Tage lang. Danach lässt die Milchleistung stark nach und die Kuh wird "trockengestellt", d.h. sie wird bis zur Geburt des nächsten Kälbchens nicht mehr gemolken. Eine Milchkuh bekommt jedes Jahr ein Kalb, die Tragezeit beträgt neun "Monde", das sind ungefähr neun Monate und neun Tage.
Aus grünem Gras wird weiße Milch
Damit Kühe Milch produzieren können, brauchen sie zuerst einmal eine ganze Menge Futter wie zum Beispiel Gras, Klee und Heu. Auf der Weide umschlingen die Kühe das frische Gras und Wildkräuter mit ihrer Zunge, rupfen es ab und schlucken es unzerkaut hinunter. Wenn die Kühe später gemütlich im Stall oder auf der Weide liegen, käuen sie genüsslich wieder. Die Kühe verdauen die Pflanzennahrung in ihren vier Mägen (Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Lab- bzw. Käsemagen). Dabei werden verschiedene Nährstoffe freigesetzt, z.B. Eiweiße und Fette. Diese Nährstoffe werden mit dem Blut in das Euter transportiert und ermöglichen, dass im Euter die Milch gebildet wird.
Die Kühe werden in der Regel zwei Mal am Tag, meist in einem sogenannten Melkstand gemolken: morgens und abends. Je nach Größe des Melkstandes und Anzahl der Melkplätze können unterschiedlich viele Kühe zur selben Zeit gemolken werden. Zuerst werden die Euter der Kühe mit warmem Wasser gesäubert, damit die Milch nicht verschmutzt. Anschließend wird das Melkzeug angesetzt, das die Milch aus den vier Euterzitzen heraussaugt.
Das 4x1 des Melkens
Das Melkzeug besteht aus vier mit Gummi ausgepolsterten Melkbechern. In den Melkbechern wird durch die Melkmaschine ein Unterdruck erzeugt - so wie es das Kalb beim Saugen auch tun würde - dadurch wird die Milch aus den vier Zitzen gesaugt.
Eine Kuh gibt im Durchschnitt 20 Liter Milch am Tag. Kurze Zeit nach der Geburt des Kälbchens sind es auch schon mal 30 Liter oder mehr. Das macht im Jahr ungefähr 5.000 bis 7.000 Liter Milch.
Die frisch gemolkene Milch fließt durch lange Schläuche und Rohrleitungen in einen Kühltank, der in der benachbarten Milchkammer steht. Hier wird die noch warme Milch auf etwa vier Grad Celsius gekühlt. Das ist wichtig, damit die Milch nicht verdirbt.
Ungefähr alle zwei Tage holt der Milchwagen die unbehandelte Milch (Rohmilch) ab und bringt sie zur Molkerei. Dazu wird die Milch über einen Schlauch aus dem Kühltank in den gekühlten Milchwagen gepumpt. Ein Messinstrument erfasst dabei, wie viele Liter Milch in den Milchwagen fließen. Der Milchwagen fährt von Hof zu Hof und sammelt die Milch von den Bauernhöfen aus der Umgebung ein.
In der Molkerei wird die Qualität der Milch geprüft (z.B. die Keimzahl) und die Zusammensetzung der Milch bestimmt (z.B. der Fettgehalt).
Nach den Untersuchungen beginnt die Bearbeitung der angelieferten Milch. Die verschiedenen Milchsorten entstehen je nach Verarbeitungsverfahren:
Bei der sogenannten Pasteurisation wird die Milch für kurze Zeit auf etwa 65 Grad Celsius erhitzt. Dadurch werden unerwünschte Keime abgetötet, die Milch ist dann länger haltbar.
Bei der sogenannten Homogenisierung werden die Fettkügelchen in der Milch auf die gleiche Größe gebracht und gleichmäßig in der Milch verteilt, damit sich keine Fettklümpchen absetzen und die Milch länger frisch aussieht. Bei nicht homogenisierter Biomiilch (z.B. Demeter Vollmilch) bildet sich ein sahniger "Milchpropf" im Flaschenhals.
H-Milch ist ultrahocherhitzte Milch (mindestens drei Minuten bei mindestens 135 Grad Celsius), die ungeöffnet besonders lange haltbar ist. Fettarmer Milch wurde ein Teil des Milchfettes (Sahne) entzogen.
Nach der Behandlung wird die Milch wieder auf vier bis fünf Grad heruntergekühlt. Anschließend wird sie in der Abfüllanlage in die frisch gespülten Flaschen gefüllt.
Neben den braunglasigen Flaschen gibt es auch durchsichtige Flaschen, die die lichtempfindliche Milch nicht ganz so gut schützen. Pfand-Milchflaschen können bis zu 50 mal befüllt und leer getrunken werden.
Milch wird von den Molkereien auch in Pappkartons gefüllt. Pappkartons sind leichter, stapelbar und dadurch bequemer zu transportieren, allerdings können sie nur einmal verwendet werden.
Die Stunde der Wahrheit
Jede Flasche bekommt ein Etikett mit aufgedrucktem Haltbarkeitsdatum und einen Deckel - all das geht vollautomatisch.
Als Biomilch bzw. Ökomilch darf die Milch übrigens nur bezeichnet werden, wenn die verarbeitete Milch ausschließlich von Biobauernhöfen stammt.
Die vollen Milchflaschen werden in Kisten verpackt und auf Paletten gestapelt. Diese werden regelmäßig von einem LKW abgeholt und zusammen mit weiteren Milchprodukten, z.B. Butter, Joghurt, Quark, Sahne und Käse an die Verkaufsstellen (Naturkostläden, Supermärkte, Reformhäuser, Hofläden usw.) geliefert. Auch dieser LKW ist wieder gekühlt.
In der Verkaufsstelle wird die Milch ins Kühlregal gestellt. Dort ist sie dann zu finden, wenn wir sie kaufen wollen.
Und die Kühe? Die sind längst wieder auf der Weide, wo sie frisches Gras fressen und stundenlang wiederkäuen.
Hier kannst du sehen, wie aus der Milch Käse gemacht wird.
Letzte Aktualisierung: 09.10.2011

















