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Früher Vogel darf den Wurm fangen - muss es aber nicht!
08.04.2011
Lernen hat eine Vorgeschichte, in die unbewusst positive und negative Botschaften eingelagert sind. Diese "Antreiber" sind eng mit den Erfahrungen in der Kindheit verknüpft. Sich diese bewusst zu machen eröffnet neue Wege zum autonomen Lernen.
Jeder kann "Mit gutem Gewissen lernen" – oder es zumindest versuchen. In dem Online-Extra der Zeitschrift B&B Agrar des aid infodienst e. V. beschreibt der Autor Michael Kluge, wie schlechtes Gewissen bei den eigenen Lernstrategien entsteht und zeigt Wege zum Umgang mit diesem auf – insbesondere beim "Crash-Lernen" und den dabei auftretenden Schuldgefühlen.
Ursache für die Schuldgefühle sind nach Kluge vor allem die sogenannten Antreiber, verinnerlichte Botschaften wie "Sei perfekt!", "Streng dich an!", "Mach es mir oder allen anderen recht!", "Sei stark!" und "Beeil dich!". In Stresssituationen tauchen sie wie aus dem Nichts auf und treiben die Lernenden dazu, längst überholtes Verhalten zu praktizieren. Dem Autor zufolge allerdings nur so lange, bis die Lernenden wissen, was sie tun. Im Online-Extra beschreibt er daher die fünf Antreiber, nennt Ursachen und die Folgen.
Laut Kluge sind Antreiber unbewusste kindliche "Wenn-Dann-Fixierungen": "Wenn ich bestimmten Anweisungen folge, dann haben mich meine Eltern lieb". Ursprünglich habe das Befolgen der Anweisungen dazu gedient, das Leben in der Kindheitsfamilie zu bewältigen. Gleichzeitig führte jedoch das Verinnerlichen der Regeln dazu, dass sich die Wahlmöglichkeiten reduzierten. Ziel sei jedoch nicht, die Antreiber zu verteufeln, sondern sie zu würdigen, da durch sie Eigenschaften wie Gründlichkeit, Schnelligkeit oder Rücksichtnahme entstehen. Wichtig sei allein die Dosis.
Ein Weg aus dem Teufelskreis ist, das Zwanghafte aus den Botschaften herauszunehmen und den Antreibern entsprechende Erlaubnisse gegenüberzustellen. Statt "Beeil dich!" kann sich der Lernende zum Beispiel "Ich darf Pausen machen und mir die Zeit nehmen, die ich brauche." auf kleine Zettel schreiben und überall dort positionieren, wo der Blick öfter hinfällt. Mit der Zeit wird so laut Kluge der Automatismus der kindlichen "Wenn-Dann-Fixierung" reduziert.
Zu streng sollte man jedoch nicht mit sich sein: Da die verinnerlichten Antreiber einen emotionalen Hintergrund haben – die Bindung an Eltern und wichtige Bezugspersonen – führt eine einmalige Erlaubnis noch nicht zu radikalen Veränderungen. Generell vollziehen sich diese Veränderungen Schritt für Schritt, Rückfälle sind laut Kluge eher die Regel als die Ausnahme.
Weitere Informationen:
Artikel "Mit gutem Gewissen lernen" von Michael Kluge (Online-Extra der Zeitschrift B&B Agrar, aid infodienst e. V., 01.04.2011; PDF 118 KB)

