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Lernen unter Zeitdruck – Energien gezielt nutzen
23.04.2010
Wer kennt das nicht: Statt für eine wichtige Prüfung zu lernen, wird erst einmal die Wohnung aufgeräumt oder die Wäsche gebügelt. Diese Ausweichtätigkeiten sollen das eigene Gewissen beruhigen, führen jedoch meist dazu, dass die Angst vor der Prüfung wächst, weil die Zeit knapper wird. Hilfreicher ist es – vor allem auf lange Sicht –, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen.
Nach Ansicht von Michael Kluge ist das Problem auch gleichzeitig die Lösung. In seinem Artikel "Wenn sich das Problem als Lösung erweist – Lernen unter Zeitdruck" beschreibt er Ursachen und Ausprägungen der Passivität, wie die "Aufschieberitis" in der Fachliteratur bezeichnet wird (B&B Agrar, Nr. 2/2010). Unter Passivität wird demnach jedes Denken, Fühlen und Handeln verstanden, das sich nicht an den Zielen, Aufgaben oder Lösungen orientiert – oder diese sogar vermeidet. Laut Experte gibt es vier Varianten der Passivität:
- Das Nichtstun oder die "Augen-zu-und-durch"-Strategie
Beispiel: Sie haben einen Plan mit festen Lernzeiten für eine Prüfung, den Sie aber konsequent ignorieren, Sie verschieben Lernzeiten, vergessen Termine oder halten sie nicht ein. - Die Überanpassung
Überangepasst handelt, wer nicht seinen eigenen Bedürfnissen oder Zielen folgt, sondern seine Reaktionen stark nach anderen richtet. Dahinter steht das Bedürfnis, die Verantwortung für das eigene Handeln abzugeben und gleichzeitig Lösungen für eigene Probleme vom Gegenüber zu erwarten. - Weniger Wichtiges tun – die "Agitation"
Das intensive Beschäftigen mit Nebensächlichkeiten wie Ruheloses Hin- und Her-Laufen in der Wohnung und jede andere Form hoher, aber nicht zielgerichteter Aktivität dient dazu, Energie abzuführen. Dadurch wird versucht, ein unangenehmes inneres Erleben zu vermeiden. - Gewalt
Wenn die Energie nicht angemessen abgebaut wird, kann es zu Gewaltausbrüchen kommen, die sich zum Beispiel gegen Dinge richtet (wie das Zerreißen von Aufzeichnungen) oder auch gegen sich selbst, wie hoher Nikotin-Konsum oder die Ausbildung psychosomatischer Beschwerden.
Hinter den vielfältigen Ausprägungen des passiven Verhaltens steht jedoch eine gute Absicht: Die Schutzfunktion vor Schmerz oder die Angst vor Neuem. Lernen bedeutet Veränderung und das verursacht Unsicherheit. Die Angst will jedoch laut Autor nicht als Gegenspieler betrachtet, sondern gesehen, gefühlt und angenommen werden: "Lernen und Angst sind wie zwei Seiten einer Medaille. Sie ist unteilbar, es gibt sie nur als Ganzes.", erläutert Kluge im vorliegenden Artikel. Was das Lernen ausmacht, ist letztlich die Wechselwirkung zwischen aktivem und passivem Verhalten.
Lernkompetenz bedeutet nach Ansicht von Kluge, die hemmenden oder blockierenden Impulse bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen. Das ist der erste Schritt, dem Teufelskreis zu entfliehen: sich seine Ängste einzugestehen und einen Weg zu suchen, sie zu regulieren. Dabei helfen können zum Beispiel Seminare, Coaching und der Austausch mit anderen.
Weitere Informationen:
- Quelle: Kluge, Michael:
"Lernen unter Zeitdruck", B&B Agrar, Ausgabe 2/2010, aid infodienst e. V. (pdf, 277 KB, kostenpflichtiger Download) - Kluge, Michael: Online-Artikel
"… und plötzlich hört mir jeder zu", B&B Agrar, Ausgabe 3/2009 (pdf, 312 KB, kostenloser Download)
Internetseite des Autors Michael Kluge
Foto: © Rainer Sturm / PIXELIO


